Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)
Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau
Diefrühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau 89 Auch in geplünderten Grábern sind die Keramiken hàufig erhalten; diese dienten primar als Behalter für Speisenund Getranke. In zwei Drittel der 714 Gráber konnten Keramikbeigaben festgestellt werden. Nahezu drei Viertel der GefáBe sind Schalen, beziehungsweise Schüsseln, ein Viertel Tassén, Krüge und Töpfe. Als Sonderformen sind ffinf SiebgefaBe zu erwahnen. In den keramikführenden Grábern sind zumeist eine Schale, hàufîg die Kombination Schale und Tasse, seltener eine Vielzahl von Behaltern (höchstens jedoch vier Stuck) nachgewiesen. Nicht nur durch die typologische Entwicklung der Metallobjekte (z.B. an den Nadeln, die von Formen aus Bein bis zu den tordierten schràggelochten Kugelkopfnadeln aus Bronze reichen (Abb. 5/11—23), sondern auch durch die Keramiken lassen sich deutlich chronologische Merkmale feststellen. An den entsprechenden Tassén kann dies schon jetzt, noch vor einer eingehenden Beigabenanalyse, verdeutlicht werden (Abb. 6). Kugelige Tassén, zum Teil mit Linienbündeln und Einstichen verziert, gehören entweder der Spatphase der Glockenbecherkultur (Ragelsdorf-Oggau) oder der Stufe I der Frühbronzezeit (Gemeinlebarn I — Leithaprodersdorf) an. Zur Zeit der Unterwölblinger Kulturgruppe herrscht eine kugelige bis schlauchförmige Tassenform mit kleinem englichtigem Bandhenkel vor. 1st das GefàB Zeitstellung Art der Verfarbung zustellen, daB die freihandgeformte Keramik von ausgezeichneter Qualitat ist. Der Ton ist hart gebrannt, die Oberflàche geschlickert und glânzend poliert. 2)FranzhausenII(MG. NuBdorfo.d.Tr., VB. St. Pölten) Nur 200 m westlich der zwischen 1981 und 1983 freigelegten Frühbronzezeitnekropole Franzhausen I kamen 1985, als Folge des Schotterabbaues, die ersten Grabschachte eines weiteren, noch gröBeren, zeitgleichen Friedhofes zum Vorschein. Der Nord-Süd verlaufende Zwischenstreifen wurde auf 800 bis 1000 m Lange in der Hallstattund Frühlatenekultur fur Bestattungszwecke genutzt. Die 1986 in der Frühbronzezeitnekropole Franzhausen II aufgenommenen systematischen Gelandearbeiten fanden nach sechs Jahren, anfangs Dezember 1991, ihren vorlâufigen AbschluB. Das bei diesen Grabungen durchforschte Areal von etwas mehr als 100.000 Quadratmetern enthielt 3002 Verfarbungen, die sich folgendermaBen aufgliedern lassen. 29 Insbesondere der Westteil des Friedhofs war mit einem bis zu 2,7 m màchtigen, mehrschichtigen Lehm-LöB-Paket überdeckt, das auf mittelalterliche Abschwemmungen des Theyernbaches zurückgeführt werden kann. Dieses überdeckte die von modernen Eingriffen weitgehend verschont gebliebene urzeitliche Humusschichte von 0,3 bis 0,6 m Stàrke, an deren Oberflàche (früh- und hoch-)mittelalterAnzahl Neolithikum gesicherte Gráber der Badener Kultur fragliches Grab der Badener Kultur gesicherte Gráber der spáten Schnurkeramik fragliche Gràber der spàten Schnurkeramik Frühbronzezeit gesicherte Körpergraber fragliche Körpergraber gesicherte Brandgràber Mittelbronzezeit Körpergraber (Verf. 1296 mit Kreisgraben Verf. 1297) Hügelgrab mit Bestattungsresten Kreisgraben ohne Bestattungen (Graben Verf. 679 mit Gruben Verf. 675, 676) Urnenfelderkultur gesicherte Brandgràber fragliche Brandgràber Versch. Zeiten Scherbenteppiche Funeralbauten (quadratische und hufeisenförmige Anlagen, Megaronhàuser) gesicherte Pfosten (darunter 3 Neunersetzungen, 2 Achtersetzungen und Vierpfostensetzungen bei bronzezeitlichen Grábern) Doppelpfosten verschiedene Verfarbungen (div. Gruben, Fundamentgràbchen, Lehm- und Schotterentnahmen, natiirliche Verfarbungen usf.) 2 1 25 6 1323 60 5 3 1 28 25 5 11 1412 4 84 3 31 1388 30 1985-1991 Verfarbungen insgesamt 3002 durch Absatz oder plastische Leiste dreigegliedert in Mundsaum, Hals und Körper, spricht man von der klassischen Unterwölblinger Tasse (Krug; Stufe Gemeinlebarn II). In der Böheimkirchner Kulturgruppe sind die Tassén zylindrisch bis faBchenförmig und können auch drei bis vier Zapfen oder lappenförmige FüBchen aufweisen Stufe Gemeinlebarn III). 28 Allgemein ist festliche Pflugspuren beobachtet werden konnten. 30 Teils noch in den alten Humus oder Humusübergang, teils jedoch auch schon in den darunter liegenden anstehenden Schotter oder Lehm, waren die Bestattungen der Frühbronzezeitnekropole II eingetieft. Die Abtragungsarbeiten konnten deshalb nur teilweise maschinell mittels eines Hydraulikbaggers mit flacher Erdschaufel vor-