Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau

86 Neugebauer, Johannes — Wolfgang 1967 11 ), H. Schubert (1973 n ) und E. F. Mayer (1977 13 ) vorgenommen. AnlàBlich der Neubearbeitung der Grab­funde Südbayerns spaltete W. Ruckdeschel 1978 14 auf der Basis der Nadeltypologie die Frühbronzezeit in zwei Half­ten (Stufen Al und A2) auf; Al teilte er in zwei, A2 in drei Subphasen, indem er die Stufen Stein 2 und 3 (Gemeinle­bam П und Ш) in einen jeweils àlteren und jüngeren Abschnitt halbierte (Stein 2 = Alb und A2a und Stein 3 = A2b und с). Wàhrend Nordniederösterreich noch zum Kernraum des von K. Tihelka náher umrissenen „Typus Vetefov" 15 (heute besser „Veterov-Kultur" 16 ) gehört, ist im süddanubischen Unterwölblinger Kulturbereich ab der Stufe 2b nach Ruckdeschel, (Gemeinlebarn Ш) eine Beeinflussung, bzw. Neuorientierung feststellbar (=Aunjetitz-Unterwölbling-Vetefov-Übergangshorizont). Anhand GroBweikersdorfer und vor allém Böheimkirch­ner Befunde und Funde wurde in Parallelé zur Mad'arovce-Kultur auch für jené von Vetefov, bzw. ihrer Böheimkirchner Gruppé, der Versuch einer Dreigliederung unternommen: 1. Aunjetitz—Vetefov—Übergangshorizont (wàhrend der Stufe A2b nach Ruckdeschel), 2. Klassische Phase der Vetefov-Kultur am Ende der Frühbronzezeit (Stufe A2c nach Ruckdeschel), 3. Spàtvëtefov-Phase am Beginnder Stufe BronzezeitBl, die kontinuierlich (Graberfelder Franzhausen II und Getzers­dorf) ineinenFrühhügelgráberhorizontüberleitet(Abb. 2). Eine Bestatigung oder Korrektur dieser Ausgangssitua­tion werden unzweifelhalft die bislang groBfláchigsten ar­chàologischen Rettungsgrabungen, die jemals in Öster­reich auf dem Gebiete der Urgeschichte durchgeführt wurden, bringen. Sie finden im Auftrage der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes unter der Leitung des Autors seit 1981 im GroBraum der neuen niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten, im sogenannten „Unteren Traisental" start. Nach einigen àl­teren, ráumlich begrenzten Arbeiten (Melk-Spielberg 1969, Herzogenburg-Nord 1970 und Gemeinlebarn F 1973/74 und 1978—81), wurden die weitreichenden For­schungen durch den Bau der Kremser Schnellstrafie S 33 (1981—83), die durch diese aufiergewöhnlich fündige Tal­landschaft führt, ausgelöst. Doch auch nach der Fertigstellung der StraBe bedingten groBfláchige Schotterentnahmen und GroBbauprojekte laufend archàologische Untersuchungen: bàuerliche Grundstückzusammenlegungen mit „Flurbereinigun­gen", Weingartenterrassierungen, Brücken-, Strafien- und Güterwegbauten, sowie Kanál- und Leitungsverlegungen. SchlieBlich löste die Ernennung St. Pöltens zur Nö. — Landeshauptstadt eine auBergewöhnliche Baukonjunktur in Form eines neuen Regierungsviertels und zahl­reicher weiterer öffentlicher und privater Gebâude­komplexe im Stadtbereich, sowie Industriezonen im Um­land (z.B. St. Pölten-Nord in Unterradlberg) aus. Bis Ende 1992 konnten daher 91 bislang weitgehend un­bekannte Fundstellen geortet, dokumentiert und auch aus­gegraben werden. Es gelang vielfach nicht nur kompiette Friedhöfe mit hunderten Bestattungen, sondern auch die zugehörigen Siedlungsareale zu erschlieBen. Hiedurch wurde es möglich, für mehrere urzeitliche Perioden wichtige regelhafte Relationen zwischen Wohnplátzen und Gràberfeldern zu rekonstruieren. 17 Wenn man die jungpalàolithischen Jagdstationen und die ersten bàuerlichen Ansiedlungen des àlteren Neolithi­kums auf den löBbedeckten Anhöhen und die Relikte der römischen Kaiserzeit (Traismauer, Herzogenburg, St. Pölten etc.) auBer acht láBt, so umfassen die neueren Grabungen auf den Niederterrassen und in der Niederung der Traisen vor allém die Zeit zwischen der ausgehenden Lengyel-Kultur im 4. Jahrtausend und dem Beginn der Mittellatènekultur im 3. Jahrhundert vor Christus. Idéale (land-)wirtschaftliche Voraussetzungen und die Náhe zu wichtigen HandelsstraBen, wie die West-Ost-Verbindungen entlang der Donau oder der Landweg im Bereich der heu­tigen Westautobahn, sowie die Nord-Süd-Route durch das Traisen- und Kamptal führten zu dieser Siedlungskon­tinuitàt; denn diese Voraussetzungen botén den Menschen der Metallzeiten jené verstârkten Anreize, die diesen für mitteleuropáische Verhàltnisse auBergewöhnlichen Bal­lungsraum nach und nach entstehen lieBen. Besondere Höhepunkte erlebte die Siedlungs- und demgemàB die Bestattungstàtigkeit im Unteren Traisental zunàchst in der Frühbronze- und spàter in der Früh­latènezeit. Zu den bisher bekannten Frühbronzezeitgráberfeldern kamen vor allém die Nekropolen I und П von Franzhau­sen, von Oberndorf/Ebene-Unterradlberg und Potten­brunn, sodaB sich nunmehr eine Gesamtzahl von 2760(!) Beisetzungen ergibt 18 . Ohne hier auf die eingangs bereits erwáhnten zugehörigen Siedlungsplátze 19 náher eingehen zu wollen, seien im AnschluB die neuer ergrabenen Fried­höfe kurz charakterisiert. 1) Franzhausen I (MG. NuBdorf ob der Traisen, VB. St. Pölten) Rund 1,2 Kilometer westlich der Pfarrkirche der Stadt Traismauer beginnt, auf halbem Wege in Richtung der Marktgemeinde NuBdorf ob der Traisen, ein weitlàufiger Vorsprung der Niederterrasse der Traisen, der in Nord­Süd-Richtung von der Kremser SchnellstraBe S 33 und von zahlreichen Schottergruben durch- und zerschnitten wird. Sein Hauptteil, südlich der StraBe von Traismauer nach NuBdorf o.d.Tr., gehört zur Katastralgemeinde Franzhausen, sein nördlicher Rand zur KG. Wagram ob der Traisen. Das etwa ein Quadratkilometer groBe und acht bis zehn Meter über der Traisenniederung gelegene Areal beherbergt einen auBerg ewöhnlichen Fundplatz:

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