Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Eibner, Clemens: Chronologische Fragen der urnenfelderzeitlichen Wehranlage von Stillfried an der March, NO

214 Eibner, Clemens Schémas zu bedienen, die Stufen aber neu zu definieren. DaB dies unumgánglich notwendig erscheint, möchte ich nur an zwei Beispielen demonstrieren: Als P. Reinecke seine Gliederung vorschlug, nannte er den Depotfund von Gaubickelheim für seine altère Stufe der Friihbronzezeit. Schon H — J. Hundt war aber die Mehrphasigkeit einzel­ner Dolchgestaltungen aufgefallen, jüngst hat R. Hach­mann sogar vorgeschlagen, den Dolchhort von Gaubickel­heim àhnlich dem Hort von Trassem nach Bz A2 zu stellen. 38 Das vermehrte Fundmaterial scheint Ruck­deschel Recht zu geben, den Schnitt zwischen Al und A2 mit den nun verstarkt einsetzenden gegossenen Nadeln druchzufiihren, somit wàren auch Fundensembles wie Leubingen (dendrodatiert 19. Jh. v. Chr.) und Neuenheili­gen bereits Bz A2. 39 Auch der gerne herangezogene Depotfund von Langquaid, der für den jüngeren Zeithorizont von R Reinecke stellvertretend genannt wur­de, ist zur Gliederung ungeeignet. Die namengebenden Beile — ungliicklicherweise noch dazu in zwei Varianten im gleichen Fundverband(î) 40 — sind m. E. fur eine Fein­chronologie unbrauchbar. Sie gehören genauso wie unsere „mittelbronzezeitliche" Keramik vom Тур Litzenkera­mik, Böheimkirchen, Vëteïov oder Mad'arovce in den von H.—J. Hundt immer konsequent so genannten Übergangs­horizont Bz A2—Bl. So sind auch die , ,friihbronzezeit­lichen" Straten von Zürich MozartstraBe, deren Den­drodaten bei —1500 Hegen, àhnlich den, (nach der Keramik) teilweise sogar àlteren, Siedlungsresten wie Ar­bon Bleiche oder Koblach Kadel an die Seite zu stellen. 41 Das Datum aus Zürich suggeriert ein zu junges Enddatum für die Friihbronzezeit. Zeitgleich, aber sowohl im Kera­mikinhalt als auch durch die Bronzén als jünger erkenn­bar, erweist sich die Feuchtbodensiedlung von Bad Buchau Forschner П, die letztendlich doch als mittelbron­zezeitlich angesprochen wird. 42 Der Schlüssel zum Ver­stàndnis liegt in der Beilentwicklung: Absatzbeile besit­zen durch den ,,hot spot" im Bereich des Absatzes beim Abkühlen des Gusses den Mangel einer Sollbruchstelle durch Lunkerbildung, weshalb man die unterschiedlich­sten Randleistenbeile nicht nur weiterbenutzte, sondern auch noch bis tief in die Mittelbronzezeit hinein her­stellte. 43 Andererseits liegen uns aus Grabverbànden aber eher schlanke, meiBelartige Gerâte vor (z. B. Beil von Тур Màgerkingen), die im anglophonen und im skan­dinavischen Sprachbereich den Namen ,,Palstàbe" beibe­halten haben. DaB sie durchaus zeitgleich mit „spàten" Langquaidbeilen — die ja eher Arbeitsgeràte darstellen — sein können, steht für mich auBer Frage. 44 Aus dem Dargestellten folgt, daB man sinnvoller Weise das gut akzeptierte Reinecke Schema beibehalten sollte, daB man aber eine neue Umschreibung der einzelnen Stufen vornehmen müBte. Die Differenzen zwischen den Gràber-, Depotfund- und Siedlungs-Sequenzen, die viel­fach beschworen werden, 45 sollten dabei ausgeglichen werden. Ob dièse Arbeit ein Einzelner leisten will oder ob man, wie in den Geowissenschaften, dafiir eine eigene Kommission einsetzen sollte, ist Gescmacksache. Für letzteres spricht die geforderte erhöhte Regionalkenntnis, der Rahmen müBte aber unbedingt den Geltungsbereich des Reinecke Schémas abdecken, d. h. geographisch müBte, Randzonen mit inbegriffen, vom Pariser Becken bis in die Ukraine und von Mittelitalien bis an den skan­dinavischen Raum heran die Chronologie durchleuchtet werden. Die hohe Chronologie, wie sie fur das Neolithikum nun weitgehend akzeptiert ist, gilt natürlich auch für die Bron­zezeit. Der schillernde Charakter, den die Endphase der Friihbronzezeit besitzt, aber auch die Synchronitàt mit der Mittelbronzezeit weiter im Südosten würden es erlauben, bei einer Neudefïnition der Feinphasen nach P. Reinecke, die sich nun nicht mehr starr an die von Reinecke vorgege­benen Fundverbànde haltén müBte, àhnlich wie dies В. Hànsel fur den Karpatenraum tat, dièse Endphase als Auftakt der Mittelbronzezeit zu verstehen. Auch das der­zeitige MiBverhàltnis der absoluten Dauer — Friihbron­zezeit von 2300 bis 1500 v. Chr. — Mittelbronzezeit 1500 bis ca. 1350 v. Chr. — liefie sich dadurch mildern. AbschlieBend noch ein Wort zu den naturwissenschaft­lichen Datierungen: die Mitteilung der С 14 Rohdaten (d. h. BP ein Sigma, Labor und Bearbeitungsnummer) ver­steht sich eigentlich von selbst, das zugrundeliegende Kalibrationsprogramm (oder die zugehörige Kurve) sollte ebenso genannt sein. Dièse Minimalforderung ergibt sich aus der Unmöglichkeit, kalibrierte Daten in die Rohdaten zuriickzurechnen . Astronomische und Dendrodaten können mit einem Mi­nus davor versehen werden; sie benützen dann ein Jahr Null. Das ist notwendig, wenn man einen relativen Alters­abstand errechnen will (dièse Null steckt ja in jedem 10. Jahr!). Solche Daten lassen sich auch „althistorisch" aus­driicken, indem ein Jahr dazugerechnet und das Datum mit dem Zusatz v. Chr. versehen wird: ein Jahr — 1507 entspricht also einem Jahr 1508 v. Chr. Genaugenommen projizieren aber die Althistoriker den von Càsar ein­geführten julianischen Kalender mit seinem Schaltmodus (die Jahre 1 v. Chr., 5 v. Chr. usw. waren Schaltjahre!) zu­riick, der je weiter zuriickverfolgt, umso weniger mit dem tatsàchlichen Sonnenjahr übereinstimmt, wàhrend die Dendrodaten unmittelbar aus dem Sonnenjahr abgeleitet sind. Vernünftig ware deshalb, Dendrodaten als Zahl mit dem Minus vor der Zahl zu belassen und allenfalls durch Zusàtze wie Waldkannte (wk), Sommer- (so) oder Win­terschlagphase (wi) zu versehen. In der einschlàgigen Literatur hat sich eingebürgert, die erfaBten Hölzer übereinander in einem Histogramm dazustellen; etwaige Ausbesserungsphasen springen dann sofőrt ins Auge. , ,Umgerechnete", aber unkalibrierte С 14 Daten sind historisch sicher unrichtig, sie sollten in Zukunft

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