Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Doneus, Michael: Das mittelbronzezeitliche Keramikdepot von Maisbirbaum, MG Ernstbrunn, p. B. Korneuburg, Niederösterreich

Das mittelbronzezeitliche Keramikdepot von Maisbirbaum, MG Ernstbrunn, pB Korneuburg, Niederosterreich 203 11) und S-förmig profilierte mit kurzem (Abb. 3, 12) oder hohem Hals (Abb. 3, 13). In der Verzierung, die auf drei Funfteln der GefàBe an­gebracht ist, zeigt das keramische Fundmaterial aus Mais­birbaum eine groBe Variationsbreite (siehe Abb. 4). Zu den plastischen Verzierungsarten gehören die von innen herausgedrückten, rundlich bis ovalen Flachbuckel (Abb. 4, 15), die auch durch eine Halskehle „halbiert" sein kön­nen (Abb. 4, 12, 16), die Spitzbuckel (Abb. 4, 13), weiters aufgesetzte leistenförmige Buckel (Abb. 4, 11) und Spitz ­knubben (Abb. 4, 14). Die Buckel sind zum Teil durch tiefe, furchenartige, aber auch durch seichte Rillen umge­ben (Abb. 4, 15—16). Unter den eingestochenen oder -geritzten Verzierungsmotiven gibt es waagrecht um­laufende Rillen und Ritzen (Abb. 4, 22) sowie Bander von senkrechten (Abb. 4, 25) oder waagrechten (Abb. 4, 20) Kornstichen. Der Bauchumbruch kann auch gekerbt sein (Abb. 4, 24). Drei umlaufende Rillen können zwei ab­wechselnd, abschnittsweise strichlierte Bander bilden (Abb. 4, 17). Auch senkrechte, flàchendeckende Ritzver­zierung und Gruppén von senkrechten Rillen bedecken die GefàBunterteile (Abb. 4, 23, 19). An einer Tasse ist eine schrâge Kannelur zu beobachten (Abb. 4, 26). Schraffierte (Abb. 4, 17) oder winkelgefiillte (Abb. 4, 18) Dreiecke (mit (Abb. 4, 17) oder ohne Spitzenbekrönung durch eine Délie) hangén entweder von der Schulter her­ab, oder sind gegenstandig unterhalb leistenförmiger Buckel angebracht (Sanduhrmotiv, Abb. 4, 18). Neben Bandhenkeln (Abb. 4,1), die am háufigsten auftreten, gibt es auch im Querschnitt quadratisch- (Abb. 4, 4) und dreieckig (Abb. 4, 7) profilierte Henkel. Die Anbringung ist meist am Rand oder am Bauch (Abb. 4, 2); in einem Fall sind zwei Bandhenkel übereinandergestellt (B­förmig, Abb. 4, 9). Sie können senkrecht gerippt (Abb. 4, 8), eingesattelt (Abb. 4, 5) und mit kleinen Buckeln (Abb. 4, 6) oder einem Randlappen (Abb. 4, 8, 10) versehen sein. Auch kleine Ösenhenkel kommen vor (Abb. 4, 3). Die Vergleichsbeispiele fanden sich zum GroBteil in Grábern, aber auch in Siedlungen und anderen Depots, d. h. man kann dieses Material nicht einer bestimmten Kategorie (z. B. Grab-oder Siedlungskeramik) zuordnen. Sowohl die GeiaBformen als auch die Verzierung stellen das Material eindeutig in den Verband der mittel­danubischen Hügelgraberkultur entwickelter Ausprágung (Stufe Reinecke Bz C2). 6 Auf eine weitere detaillierte chronologische Auswertung kann an dieser Stelle ver­zichtet werden, da Maisbirbaum mit diesem Depotfund ohnehin namengebend fur diese Stufe wurde. 7 Steine: Neben der Keramik wurden noch insgesamt zwölf Steine gefunden, die bis auf einen Sandstein und einen Mérgei allé aus Kaikén (Dolomitén) des Hollabrunner Schotterkegels bestehen. Es dürfte sich dabei um Glàtt­steine handeln, wie schon K. WILLVONSEDER an­nahm. 8 Dies wird durch die Tatsache unterstiizt, daB die Steine vershiedene Flàchen- und Kantenausformungen be­sitzen, die nicht natürlich entstanden sein können. Zur petrographischen Analyse der Keramik Von den insgesamt 49 erhaltenen GefàBe wurden 19 Proben zur archàometrischen Diinnschliffuntersuchung entnommen. Hierbei wurde durch die mikroskopische Keramikanalyse der Versuch unternommen, eine materi­altypologische Gliederung des Keramikmaterials zu erhalten. Des weiteren war die Frage nach einer eventuell vorhandenen Lokalproduktion von Intéresse. Parallel zu den Untersuchungen am Originalmaterial wurden Feld­begehungen im Umkreis von mehreren Kilometern um die Fundstellen vorgenommen, deren Ziel es war, Reverenz­proben zu erhalten, die, nachdem sie gebrannt worden wa­ren, ebenfalls einer petrographischen Dünnschliffunter­suchung zugeführt wurden. 9 Die Untersuchungen fuhrte dr. Rudolf Dell'mour durch, über dessen Ergebnisse kurz berichten werden soil. 10 Sowohl der qualitative Mineral- und Gesteins­bestand, als auch das Matrix-Komponenten-Verháltnis, sowie der Anteil der Magerungskomponenten und der Mikrofossilien wurden analysiert. Dabei konnten mit Sicherheit drei verschiedene Rohstoffgruppen herausson­diert werden. 15 von 19 untersuchten Proben gehörten der ersten Gruppé an. Diese besteht aus einem siliziklastika­führenden Ton mit kieseiigen Mikrofossilien. Шг minera­logisches Spektrum und die Biogenzusammensetzung spricht fur eine wahrscheinliche Herkunft aus dem öst­lichen niederösterreichischen Waldviertel. Gemeint ist das Gebiet zwischen Waldviertel und Weinviertel entlang der Linie Mautern, Maissau, Hardegg bis in den Znaimer Bereich, das sich in einer Entfernung von etwa 40 bis 50 Kilometer von Maisbirbaum erstreckt (Abb. 8). Es muB hier jedoch betont werden, daB diese Ortsangabe aufgrund des geologischen Überblickes gemacht wurde. Durch Schwermetallanalysen, die aus Kostengriinden bisher nicht durchgeführt werden konnten, hâtte man die Möglichkeit, in Verbindung mit einer bereits existieren­den groBen Datenbank zu operieren und somit die Her­kunft des Tones pràziser anzugeben. Die zweite Grappe besteht aus hochplastischem keramischem Rohstoff, deren Ausgangsmaterial vermutlich mariner Ton unbekannter Herkunft ist. Die letzte Rohstoffgruppe, der nur eine ein­zige Probe zuzuweisen war, besteht aus hochplastischem marinen Tonmergel der mitteleozanen Haidhof­Schichten 11 und ist somit sicher als lokale Produktion auszuweisen. Das zugehörige Rohstoffvorkommen liegt ca. drei Kilometer nordöstlich der Depotfundstellen in ei­nem lokal sehr eng begrenzten geologischen Vorkommen. Es handelt sich dabei um die Tasse auf Abbildung 7. Es ergibt sich somit das Bild eines fraglichen Importes

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