Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)
Windl, Helmut: Die frühbronzezeitliche Wallanlage auf dem Michelberg, KG. Haselbach, p. B. Korneuburg, NÖ (Korreferat)
Frühbronzezeitliche Wehranlagen in Ostösterreich 141 Korreferat: Windl, Helmut: Die frühbronzezeitliche Wallanlage auf dem Michelberg, KG. Haselbach, p. B. Korneuburg, NÖ. Der Michelberg, eine 408 m hohe Kalkklippe nördlich von Stockerau mit einem Gipfelplateau von 70 mai 50 m hat schon früh archaologisches Interessé erweckt. Der Wiener Universitàtsprofessor Thomas Ebendorfer von Haselbach (1387—1464) erzahlt in seinem Chronicon Austriacum von machtigen Mauern und den Funden tönerner GefàBe und goldener Fibeln auf dem Michelberg. In der österreichischen Urgeschichtsforschung wurde generell die Hypothèse vertreten, der Michelberg habé den hallstattzeitlichen Fürstensitz getragen, dem die Grabhügel von GroBmugl, Niederhollabrunn und Niederfellabrunn zuzuordnen seien. AuBerdem vermutete man eine römische Militarstation aus der Zeit der Markomannenkriege mit Sichtverbindung zum Limes und zum Oberleiserberg. Bei einer Grabung Th. Deimels mit Schülern des Stockerauer Gymnasiums vor 1912 am südwestlichen Plateaurand wurden Tonscherben gefunden, von denen O. Menghin einige der Mönitzer Kultur zurechnete, wáhrend Nowalsky de Lilia andere für römisch erklàrte. Aufgrund der Form des Gipfelplateaus und des darunter umlaufenden teilweise oberfláchlich noch sichtbaren Walles wird die Anlage von L. Franz und H. Schad'n den mittelalterlichen Hausbergen zugerechnet. 1 Zwei Kirchenbauten auf dem Plateau sind historisch belegt. Heute befindet sich hier eine Kapelle. Bei Grabungen von 1981 bis 1983 wurden einerseits Sonden auf dem Plateau angelegt, andererseits im Westen und Südosten Schnitte vom Plateaurand über den Hang. 2 Die Schnitte zeigten eine teilweise artifiziell durch Aufbringen von Steinen zugerichtete Plateaukante, darunter einen aus dem Felsen herausgehauenen Spitzgraben von ca. im Tiefe, davor einen aus Steinen aufgeschütteten, stark verschliffenen Wall und möglicherweise einen weiteren sehr seichten Graben. Im Osten reichen die Abbauspuren eines aufgelassenen Steinbruches bis an den Plateaurand heran. Wenn auch hier Wall und Graben existierten, so sind sie dem Abbau zum Opfer gefallen. Es làfit sich daher nicht mehr mit Sicherheit feststellen, ob wir einen Ring- oder einen Abschnittswall vor uns habén. Sowohl aus der Wallaufschüttung, als auch aus den unteren Grabenschichten liegt ausschlieBlich frühbronzezeitliche Keramik vor. Auch der Plateaurand erbrachte frühbronzezeitliche Scherben, darunter eine fast vollstándig erhaltene "Steckdose". Das Plateau selbst ist mit einer dünnen Humusschicht bedeckt, die neben frühbronzezeitlichen Funden auch solche der Urnenfelderkultur, der Latènezeit und des 10. Jhs. n. Chr. führt. Anmerkungen: 1 Hans P. Schad'n, Die Hausberge und verwandten Wehranlagen in Niederösterreich, Pràhistorische Forschungen 3, 1953. 2 FÖ. 22, 1983, s. 240.