Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)
Leeb, Alexandra: Das frühbronzezeitliche Gräberfeld von Melk/Spielberg-Flur Pielamünd, Niederösterreich
Das frühbronzezeitliche Graberfeld von Melk/Spielberg — Flur Pielamünd, Niederösterreich 115 4.2.3. Steinsetzung Über zwei Drittel der Gráber weisen eine partielle Steinsetzung auf. Der Versuch, eine Regelhaftigkeit der Deponierung an gewissen Bereichen vor, hinter, über oder um den Körper zu erkennen, verlief negativ. Mehr oder weniger groBe Bruchsteine lagen meist einzeln und locker verteilt am Rand der Grabgrube. Steine über der Bestattung wurden bei dem stark gestörten Grab 16 beschrieben. Hervorzuheben ist Grab 12 — die Bestattung einer juvenilen Frau —, die eine annàhernd kreisförmige Deponierung von acht Kieselsteinen um einen gröBeren in der Mitte vor dem Bauchbereich aufwies. Ob hier eine Beigabe oder ein Zeugnis eines Bestattungsritus vorliegt, làBt sich nicht mehr eruieren. 4.3. Bestattungen 4.3.1. Orientierung Die in der Unterwölblinger Kulturgruppe übliche geschlechtsspezifische Orientierung — die Frauen Hegen mit dem Kopf nach Süden, Blick nach Osten; die Manner mit dem Kopf nach Norden, Blick ebenfalls nach Osten — làBt sich an diesem Fundplatz ebenfalls verifizieren. Die Frauen wiesen eine gleich hàufige Süd— Nord- und Südost—Nordwest-Orientierung auf. Die Abweichungen lassen sich groBteils mit der mehr oder weniger stark ausgepràgten Hockerlage erklaren, die eine leichte Verànderung im Winkel ergeben können. Ausnahmen stellen Grab 4 und 13 dar. Wahrend die linksseitige (!) juvenile Hockerbestattung aus Grab 4 anthropologisch nicht als Frau gesichert ist, wurde in Grab 13 eine — anthropologisch gesichert — mature Frau in rechtsseitiger Hockerlage mit dem Blick nach Westen bestattet. Sie wies keinerlei Trachtbestandteile auf, nur ein kleiner Topf wurde ihr beigegeben. Bei den Mannern liegt die Verteilung der Nord— Südund Nordwest— Südost-Bestatteten ebenfalls gleichmàBig vor. Auch hier ist bei der einzigen Ausnahme — eine adulte Bestattung in rechtsseitiger (!) Hockerlage (Grab 20) — die anthropologische Untersuchung als Mann nicht gesichert. Auffállig ist ebenfalls das Vorhandesein von Trachtbestandteilen wie eine Rollenkopfnadel sowie Griinfarbung am rechten Temporale, an der Mandibula, am rechten Humerus und an einer Phalange der linken Hand. Diese deutet auf Noppenringe, Spiralröllchen oder sogar auf einen Ösenhalsreif hin, die durch die starke Stoning — vermutlich durch die Altgrabungen Ende des 19. Jahrhunderts — abhanden gekommen sein muBten. Bei den Kleinst- und Kleinkindern (Infans I) dürfte die geschlechtsspezifische Orientierung ebenfalls ausgeübt worden sein. Beigaben oder Trachtbestandteile wurden keine deponiert. Bei den gröBeren Kindern làBt sich folgendes beobachten: wahrend das 7—8 jáhrige Kind offenbar beigabenlos und ohne Trachtbestandteile bestattet worden war, könnte ein 10—12 jâhriges Individuum aufgrund der Süd—Nord-Orientierung, der rechtsseitigen Hockerlage sowie der zahlreichen Trachtbestandteile als Màdchen — vielleicht schon in der Geschlechtsreife — interpretiert und angesprochen werden. 4.3.2. Hockerlagen Die geschlechtsspezifische Orientierung mit dem Blick nach Osten bedingt die rechtsseitige Hockerlage fur Frauen und die linksseitige fur Manner. Die Ausnahmen bei beiden Geschlechtern — Grab 4 und Grab 20 — sind anthropologisch nicht gesichert. Die Hockerlagen bei den Bestattungen lassen sich in drei Varianten aufgliedern: extreme, màBige und schwache oder leichte Hocker, wobei die extreme Hockerlage am hàufigsten beobachtet wurde. Die Hockerlagen bei den Frauen ist regelmaBig auf aile drei Varianten verteilt. Bei den Mânnern überwiegt die extreme Hockerlage, ebenfalls bei den Kindern (Infans I und II). 4.3.3. Geschlechter- und Altersverteilung Die Geschlechterverteilung zeigt einen auffallend nohen Anteil an Frauen (56,7%). Ihnen stehen beinahe gleich viele Manner (20,0%) wie Kinder (23,3%) gegenüber. Einige Individuen lassen sich nicht weiter zuordnen. Anhand der Kartierung der Geschlechterverteilung kann folgendes beobachtet werden: Die 17 Frauengràber sind relativ regelmaBig auf beide Grábergruppen verteilt (gesicherte Frauengràber: 3, 5, 6, 7, В, 14, 17, 18, 24, 27, 28, 29; nicht gesicherte Frauengràber: 4, 10, 12, 16, 19). Die Anzahl der gesicherten Mànnergràber betràgt fiinf (1, 23, 25, 26, 30), die der nicht gesicherten eines (20). Vier von diesen mannlichen Bestattungen befinden sich in der südwestlichen Gràbergruppe, nur zwei in der westlichen. Áhnlich verhált sich die Situation bei den Kindergrábern. Vier von fiinf Kleinkindern (Infans I: Gràber 2, 8, 11, 15, 21) wurden in der südwestlichen Gruppé bestattet. Bei den gröBeren Kindern (Infans II: Gràber 22, 31) befindet sich je eines in jeder Gruppé. Insgesamt làBt sich feststellen, daB Manner und Kinder mehrheitlich in der südwestlichen Gràbergruppe bestattet worden waren. Die Frauengràber stellen in beiden Gruppén den höchi