Zalai Múzeum 4. (Zalaegerszeg, 1992)

Közlemények - Bogyay Tamás: Történeti forrás- és művészettörténeti stíluskritika Zalavár körül (Megjegyzések Tóth Sándor „A keszthelyi Balatoni Múzeum középkori kőtára” című tanulmányához)

176 Bogyay Tamás Problème historischer Quellenkritik und kunstgeschichtlicher Stilkritik um Zalavár (Bemerkungen zu Sándor Tóths Studie ,,Das mittelalterliche Lapidarium des Balaton-Museums zu Keszthely") In der von Sándor Tóth neu gestalteten Abteilung fur mit­telalterliche Steinskulpturen ist die museale Pràsentation von zwei Exponaten zu beanstanden. 1. Die Reste des Portais der Kirche des Erzmàrtyrers Stephan vom Südabhang des Berges Badacsony sind wie ein regelrechtes Gewàndeportal der Roma­nik ergànzt und aufgestellt worden. Nach den vom Verf. 1944 veröffentlichtcn zeichnerischen Dokumenten (Anm. 1.) waren jedoch die einer Sâulcnreihe áufterst primitiv nachgebildeten Laibungen des Eingangs nicht schrâg, sondern parallel zueinander geffihrt. 2. Der Marmorbalken aus Zalavár mit karolingischem Flechtwerk und spàterer Inschrift wird als Tiirschwelle pràsentiert. Er diente jedoch ursprünglich wohl als Türpfosten, dann, im friihen 11. Jahrhundert wurde er, mit einer passenden Inschrift (Paraphrase von Matth. 7.7. bzw. 7.8.) verse­hen, sekundár als Tiirsturz eines Kloster- oder Kircheneingangs verwendet. (Anm. 40—41.) In dem sorgfaltig bearbeiteten Katalog und in seiner Ein­leitung mit aufierordentlich umfangreichem Anmerkungsapparat werden die Funde von Zalavár nebst ihren historischen und kunstgeschichtlichen Problemen am ausfdhrlichstcn bchandelt. Die Feststellungen des Autors bedürfen aber wesentlichcr Kor­rekturen. Als Patron der in Mosapurc vom Salzburger Erzbischof Liupram (gest. 858) errichteten ersten Adrians kirche, sowie ihrcr 1019 geweihten Nachfolgerin und der Benediktinerabtei von Zalavár kommt der aus Irland gebürtige und in Schottland wir­kcnde Bischof Abdrian iiberhaupt nicht in Frage. Denn er hat erst um 875 den Mârtyrertod erlitten und nur die Légende dichtete ihm spàter eine Herkunft aus Pannonién an. (Anm. 3—5.) Der hi. Methodius, der fur kurze Zeit auch in Mosapurc wirkte, wurde vom Papst nicht zum „pannonischen Bischof, sondern zum Erzbischof von Sirmium geweiht. (Anm. 8.) Völlig verfchlt ist es, die 1946—1947 von Aladár Radnóti auf der Récéskút-Insel entdeckte und freigelegte Steinbasilika fur die karolingische Adrianskirche zu haltén. Dièse 1948 von Dezső Dercsényi vorgeschlagene Identifizierung (Anm. 10.) hat sich sowohl aus historischen wie auch kunstgeschichtlichen Grundén lángst als unhaltbar erwiesen. (Anm. 13.) Das Problem der Steinbasilika und ihrer vermutlichen Vorgangerbauten ist noch nicht endgültig gelöst. Die Hauptgruppe der aus Zalavár stammenden Skulpturen datiert Sándor Tóth mit stilistischen Argumenten um 1070—1080. Die Unzulànglichkeit seiner stilkritischen Méthode wird am Beispiel von drei Skulpturenfragmentcn mit unverkcnn­barem Stilcharakter aufgezcigt. 1. Die römischc Herkunft des Marmorfragments Nr. 10 mit Rosetten im Scchsecknetz wird vom Autor angezweifelt mit der Begriindung, daft die „beste Analogie" dazu im Bogenfeld eines romanischen Kirchenportals zu fmdeh ist. Die übrigen, cbenso treffenden Parallèle, die sich schon durch die Fundumstànde als Produktc römischer Stcin­metzkunst erwiesen haben (Anm. 28.), werden mit Schweigcn übergangen. 2. Bei der oben erwàhnten angeblichen Tiirschwelle (im Katalog Nr. 24) führt die mangelhafte Kenntnis der west­lichen ornamentalen Skulptur des 8.-9. Jahrhunderts dazu, daft der typisch karolingische Charakter des Flechtwerks völlig ver­kannt (Anm. 38.) und das Ganze in die Zeit um 1070—1080 datiert wird. 3. Das im Katalog unter С angefúhrte Bruchstück einer Schrankenplatte mit Tierkampfszcne im Flechtbandrahmcn mittelbyzantinischer Prâgung ist eng verwandt mit dem Stuhl­wciftenburger Stephanssarkophag. Sándor Tóth glaubt es auf­grund eines in der Gesamtkomposition unbedcutenden Dctail­motivs, der die Ecken zwischen dem auftcrcn Quadrat und dem eingeschriebenen Kreis ausfullenden Palmcttcn, mit Sàulen­basenornamenten der 1061 gegrundeten Benediktinerabtei von Zselicszentjakab in Zusammenhang bringen zu können. Daraus folgert er, daft die Hauptgruppe der Zalavárcr Skulpturen etwas spater, um 1070—1080 anzusetzen, und auch der Stuhlwciftcn­burger Steinsarg anlaftlich der 1083 erfolgten Kanonisation des hl. Stephan entstanden sei. Die Palmettenmotive von Zselic­szentjakab lasscn sich in die Bauornamentik cbcnfalls byzan­tinischer Herkunft des 11. Jahrhunderts in Ungarn zwanglos einordnen, haben jedoch mit der Schrankcnplattcndekoration von Zalavár und mit dem Sarkophag des hl. Stephan nicht das Geringste zu tun. Auch die historischen Quellén legen fur die Niederlassung der Benediktiner auf der Insel des Flusses Zala und die Entstehung des Stuhlweiftenburgcr Stcinsarges die crstc Hâlfte des 11. Jahrhunderts nahe. (Anm. 45, 46, 49—54.) Bogyay T.

Next

/
Thumbnails
Contents