Zalai Múzeum 4. (Zalaegerszeg, 1992)
Közlemények - Szőke Béla Miklós: 7. és 9. századi településmaradványok Nagykanizsán
7. és 9. századi településmaradványok Nagykanizsán 147 49—51.) einigermaBen von den anderen awarischen Stammen unterschieden. Von der Anwesenheit der Duleben in den Zala—Mur-Tálern zeugt der im 9. Jh. mehrmals erwahnte Ortsname in der Náhe Radkersburg—Radgona (860: ad Tudleipin, um 870: in Dudleipin (Conversio) 891: in comitatu Dudleipa), aus welchem die ursprüngliche Lautform des Namens des Volkes rekonstruktierbar ist, die Dudleb. Wir wissen, daB die Lautgrappe -dl- nur in den Sprachen der Westslawen weiterbestand, aber auch in der urslowenischen Sprache kam noch das -dl- an Stelle von -/- vor. (MELICH 1925—1929, 395.) Aufgrund dessen ist wahrscheinlich, dali die Du(d)leben in ihrer Urheimat zum östlichen Zweig der Westslawen gehörten, wodurch bekràftig wird, dali ihr Siedlungsgebiet zum Ausbreitungsgebiet der Prag—Koröak—Kultur gehört. Den östlichen Ursprung der pannonischen Du(d)leben unterstreicht auch der bekannte Ausschnitt aus den Kiewer Jahrbüchern (Povesf vremennyh let), wo über die von den Awaren erlittenes Elend berichtet wird. Über den Ursprung dieser Passage entwickelte P. Váczy einen geistreichen Gedankengang (VÁCZY 1974,1044—1074.). Seiner Meinung nach waren, — als 866 Method und Cyrill (Konstantin) mit ihren Schülern den Hof von Kocel in Mosaburg erreichten und hier lüngere Zeit verweilten — unter den 50 Schülern, die sie bei sich aufnahmen, auch Mitglieder der örtlichen Du(d)leben. Durch diese wurden sie mit den „awarischen Traditionen" der Du(d)leben bekannt, was als Teil der geistigen Nachlassenschaft von Method wáhrend ihres Aufenthaltes in Máhren, wie auch nach ihrer Ankunft in Bulgarien weiter bewahrt wurde. Dort, in Preslav, — wo sie eine rege literarische Tâtigkeit entwickelten, die kurze byzantinische Chronik des Patriarchen Nikephoros übersctzten (von hier stammt auch der auf den Abenteuerzug des Kaisers Herakleios in Jahre 623 neben Herakleia verweisende Satz in den Kiewer Jahrbüchern) und den Brief kennenlernten, welchen Nikolaos Mystikos an den bulgarischen Zaren Simeon schrieb (jener beeinfluBte das „russische Sprichwort" über die Irrfahrten der Du(d)leben, welches lautet: ,,Verloren wie die Oboren (=Awaren), welche kein Geschlecht und auch keine Nachkommen habén") — schrieben sie die bis dahin schon stark verzerrten „awarischen Traditionen" der Du(d)leben nieder. Dies wird spâter dann auch vom Autor der Kiewer Jahrbücher aufgearbeitet. Da die tschechischen Dudleben (TUREK 1960, 299—309.) weit entfernt und durch dichtes Waldgebiet umschlossen wurden, waren sie vor den Awaren geschützt, und es ist uns auch keine Angabe darüber bekannt, daB sie in dieser frühen Zeit in Kontakt mit den Awaren gestanden hattcn. Es ist also nicht wahrscheinlich, daB die Bewohner vom Gebiet der Zala— Mur-Tâler von dort stammen. Die wenigen Quellén dagegen, die — wenn auch nur verschwommen — eindeutig von den Du(d)leben entlang des Dnepr und der Bug sprechen, erwáhnen gleichzeitig den Konflikt mit den Awaren. Wenn wir weiterhin beachten, daB gleichzeitig mit dem örtlichen Feldzug Apsich's, welcher der (oder einer der) Führer der Awaren in Pannonién gewesen sein könnte, im Komitat Zala die ersten archáologischen Funde auftreten, die mit den Slawen in Zusammenhang zu bringen sind, und keine verwandtschaftliche Bindung zur Pen'kovka—Kultur der Anten, sondern zur Prag—Koröak— Kultur, zu welcher auch die Kultur der Duleben zu záhlen ist, aufweist, und wenn wir weiter beachten, daB diese Funde das enge Zusammenleben mit den Awaren von Anfang an beweisen, so ist relativ gesichert, daB Apsich bei seinem Feldzug die Du(d)leben gefangen nahm und sie mit einer Gruppé seiner Awaren in unserem Gebiet ansiedelte. Zum SchluB einige kurze Bemerkungen zum weiteren Schicksal der Bewohner unserer Gegend. Allé Gráberfelder und allc Siedlungen erlöschen Ende des 7. Jhs. Es scheint, daB der groBe Teil der Bevölkerung von hier abwanderte oder durch áuBcrc Kràfte umgesiedelt wurde. Im Zusammenhang mit der Geschichte der Bevölkerung stcht vielleicht auch die Nachricht, wonach um 741—743 die Awaren die zwischen Mur und Drau Icbenden Karantanen überfallen und derén Anführer dux Boruth sich um Hilfe an die Baiern wendet. Die Awaren werden auch erfolgreich zuriickgeworfen, aber das karantanischc und auch benachbarte Gebiete kommen unter bairische Oberhoheit. Bei diesem scheinbar grundlosen Überfall kann es sich vielleicht um die, zu einem friiheren Zeitpunkt stattgefundene Flucht der du(d)leb—awarischen Bevölkerung unseres Gebietes, wclche mutmaBlich zu ihren in der Nachbarschaft lebenden verwandtcn Völkern überliefen, gehandelt haben. Dieser Kriegszug sollte vielleicht die Flucht der Du(d)leb—Awaren râchen. Unser Territórium besiedelt sich erst wieder Ende des 8. / Anfang des 9. Jhs. Mit Wahrscheinlichkeit ist die Bevölkerung der Nachfahre der Bevölkerung aus dem 7. Jh. Darauf wcist die Anlage der neuen Gráberfelder, die in unmittelbarcr Nahc zu denen aus dem 7. Jh. liegen (s. Pókaszepetk, Kehida und Zalakomár) hin, als wollten sie die Beisetzung neben ihren Urahnen fortsetzen. Diese Tradition ist auch in den Bestattungsbrauchen zu erkennen; so sind die Gráberfelder wie im 7. Jh. auch nun biritucll. Daneben ist auch in der Siedlungskeramik eine gewisse Kontinuitát zu den früheren Perioden aufzuzeigen. Szőke В. M.