Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr

Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn Magyarn. 35 Das Einrichtungswerk mißachtete nämlich vor allem die nationalen und religiösen Inponderabilien des ungarischen Lebens. Die Bestimmungen über die Wiederbevölkerung der verödeten Landstrichte bevorzugte vor allem das deutsche Element unter den bäuerlichen Siedlern deshalb, „... damit das Königreich oder wenigstens ein großer Teil dessen nach und nach germanisiert werde, das hungarländische, zu Revolutionen und Unruhen geneigte Geblüt mit dem Deutschen temperiert und mithin zu beständiger Treu und Lieb ihres natürlichen Erbkönigs aufgerichtet werden möchte, " so wurde das natürlich von den Ungarn zu Recht als Anmaßung und Hohn empfunden. 36 Der Krieg gegen die Türken belastete durch drückende militärische Steuereintreibungen und gesteigerte Lasten die ungarische Bevölkerung weiterhin schwer. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß der Kaiser nun einen Zweifrontenkrieg - auch gegen Ludwig XIV. zu fuhren hatte, weil der ,^illerchristlichste König" Ludwig XIV. unmittelbar nach der Rückeroberung Belgrads im September 1688 seinen „Mordbrennerkrieg" gegen die Pfalz eröffnet hatte. Belgrad ging im Oktober 1690 wieder verloren, doch bei Slankemen gegenüber der Theiß-mündung errang Markgraf Ludwig von Baden im August 1691 in einer der blutigsten Schlachten des Türkenkrieges einen großen Sieg über die Osmanen. Nach seinem Abgang an den Rhein gab es allerdings wieder militärische Niederlagen und Aufstände der durch die hohe Besteuerung verbitterten Bauern im Gebiet um Tokay. Erst als Prinz Eugen von Savoyem das Kommando über die kaiserlichen Truppen übernahm und 1697 bei Zenta einen entscheidenden Sieg über die Türken errang, mußte die Pforte 1699 im Frieden von Karlowitz Siebenbürgen, Ungarn (mit Ausnahme des Temesvarer Banats) Kroatien und ganz Slawonien an den Kaiser abtreten. Auch der so erfolgreiche Friede von Karlowitz konnte jedoch an der Unzufriedenheit der ungarischen Bevölkerung nichts ändern. Der Adel schloß sich dem Bauernaufstand an und Franz Rakoczi trat an die Spitze des nach ihm benannten Aufstandes, der nocheinmal fast ganz Ungarn gegen die Habsburger vereinigte. Er brachte das Haus Österreich, das ja gleichzeitig gegen Frankreich Krieg fuhren mußte - in größte Gefahr. Durch den Frieden von Szatmar (1711) aber konnte endlich auch der Friede mit den Ungarn geschlossen werden. Wenige Jahre später ermöglichte Prinz Eugen durch seine weiteren Siege über die Türken und die endgültige Rückeroberung von Belgrad (1717) den Frieden von Passarowitz 1718, der dem Kaiser den Besitz von Ungarn endgültig sicherte. Mit diesem Frieden hatte Österreich seinen größten Besitzumfang erreicht, der ihm je zuteil geworden ist. Seine europäische Großmachtstellung war damit vollendet. 37 Das Haus Österreich hatte von 1688 bis 1718 drei Jahrzehnte lang gleichzeitig zwei Kriege gegen die stärksten Militärmächte Europas, nämlich sowohl gegen Frankreich als auch gegen das Osmanische Reich erfolgreich bestanden. Die militärische Entscheidung im Kampf gegen die Türken war keineswegs durch die von den leichten ungarischen Truppen bevorzugten Streifzüge, sondern durch die von den regulären kaiserlichen Heeren nach den strengen Prinzipien der modernen Strategie und Taktik errungenen Siege erzielt worden, diese aber entsprachen so gar nicht den Vorstellungen und der Kampfesweise der ungarischen Truppen. Es ist nun außerordentlich interessant zu hören, wie einerseits die österreichischen und andererseits die ungarischen Historiker diese Ereignisse und Ergebnisse beurteilen. Von 191

Next

/
Thumbnails
Contents