Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr

Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn ja auch tatsächlich. Die verschiedene Einstellung der Ungarn und der Deutschen im Kampf gegen die Türken zeigte sich im Sommer zur Zeit des Baues des Kastells Waitschawar und der „Verhackung" der umliegenden Gebiete vor allem darin, daß Zrínyi und Batthyány Erzherzog Karl von Innerösterreich dazu bewegen wollten, sie bei der geplanten Rückeroberung von Babocsa zu unterstützen, was der innerösterreichische Landesfürst jedoch ablehnte. Er wollte die Truppen der beiden Magnaten bloß zur Absicherung der Arbeiten an der Verhackung der kanisischen Pässe eingesetzt wissen. Während der ungarische Adel gegenüber den Türken jene oben gezeigte „heldenhafte" Kampfesfreude zeigte, klagten die steirischen Landstände um 1580, daß heranreifende junge Adelsgeneration ihr Lebtag lang noch keinen Feind gesehen und keine Lust zum Kriegfuhren habe. Vielmehr neigten viele junge Adelige zu weiblicher Hoffart mit prunkvollen Kleidern, zu Wollust, Fressen, Saufen u.dgl. Untugenden. Der junge Adel sollte die edle Zeit seiner Jugend vielmehr dazu verwenden, sich für den Kampf zu üben und auf den Kampf gegen den Erbfeind begierig zu werden. Franz Otto Roth interpretiert dieses harte Urteil, daß dem protestantischen inneröster­reichischen Adel Kampf und Gefahr eben nach wie vor als unerläßliche Lebensschule des jungen Mannes erschien, so wie man schon im Mittelalter die Aufgabe des christlichen Adels immer gesehen hatte. 13 Diese „Lust zum Krieg" war bei den ungarischen Adeligen und ihrer leichten Reiterei zweifellos gegeben, allerdings entsprach die strenge Disziplin der deutschen Truppen so ganz und gar nicht der magyarischen Mentalität. Das zeigte sich z.B. als dem Grafen Zrínyi im März 1579 bewilligt wurde, auf österreichische Unkosten weitere 100 Husaren für Waitschawar aufzunehmen, denen - wenn sie es wollten - das deutsche Reiterrecht schriftlich ausgefolgt werden konnte. Dabei wurde allerdings mit Nachdruck betont, daß ihre Bezahlung nur dann erfolge, wenn ohne Unterlaß auf dem Ort verbleibe, zu dem er kommandiert war. Der echte Ungar - so Franz Otto Roth - war eben ein kühner Draufgänger, aber er war kein qualifizierter stationärer Typ, kein Festungsbesatzungssoldat. 14 Das schloß allerdings in aussichtsloser Lage die tapferste Verteidigung von Festungen nicht aus, wie das Miklós Zrínyis Vorfahre anläßlich der Eroberung von Szigetvar 1566 bewiesen hatte. Franz Otto Roth meinte dazu, daß der aristokratischen Gesinnung der Magyaren falls dies notwendig war auch ein entsprechend stilvoller Untergang entsprach. Damit konnte eine „vielleicht versäumte Haltung im Leben durch umso mehr Haltung angesichts des sicheren Todes kompensiert werden". Denn ein Herr „kapituliert nicht, um weiterhin vegetieren zu dürfen ". Diese Haltung wurde eben vom magyarischen Adel, und zwar von den Magnaten bis herab zu den kleinen geadelten Bauern weitgehend eingenommen. 15 Daß diese Haltung keineswegs auch für die einfachen ungarischen Soldaten (,JCnechte") galt, sei am Beispiel der Kapitulation von Babocsa und der Hauptfestung Kanischa im Herbst 1600 gezeigt. Schon im Frühsommer 1600 wurde vermutet, daß die türkische Hauptmacht in diesem Jahr vor die Festung Kanischa ziehen würde. Die Festung befand sich in einem bemit­leidenswerten Zustand und die Besatzung hatte seit 4 Monaten keinen Sold mehr bekommen, sodaß sie die umliegenden Dörfer plünderte. Dem Kommandanten Paradeiser bzw. seinem nach Wien entsandten Hauptmann Rudolf Haiden gelang es nach langwierigen Verhandlungen bis 183

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