Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr

Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn zügen bis tief in das türkische Gebiet hinein, wobei man als Kriegsbeute nicht nur Sachgüter (Geld, Schmuck, Kleidungsstücke, Waffen), sondern auch Pferde, Vieh, Getreide und vor allem auch Gefangene (darunter Kinder, türkische Weiber, aber auch jüdische Kaufleute) einbrachte. 6 Die Gefangenen konnten sich gegen hohes Lösegeld freikaufen. Diese in der Grenzverteidigung gegen die Türken unentbehrliche leichte Kavallerie - d.h. die Husaren - machte den überwiegenden Teil des ungarischen Heeres aus. Für sie war das Kampferlebnis zugleich ein intensives Freudengefühl, weil ihre Kampfesweise vor allem List, Geschicklichkeit und Initiative erforderte. Im Kampf der leichten Kavallerie hatte daher die individuelle Tüchtigkeit absoluten Vorrang vor der strengen Disziplin und den nach taktischen Regeln geführten Kampf der geschlossenen Massen regulärer Heere. Aus dieser Kampfes­freude entwickelte sich jene „heldenhafte" Lebensanschauung der leichten Truppen 7 die auch die meisten ungarischen Adeligen auszeichnete. Zrínyi Miklós z.B. war 1664 überzeugt davon, daß die Taktik der leichten Truppen die einzig richtige und erfolgreiche im Kampf gegen die Türken sei. Diese kecke Selbstgefälligkeit und die Verachtung der regulären Kriegstaktik konnte sogar Franz Rakoczi noch am Beginn des 18. Jhds. seinen Unterfuhrern kaum austreiben. Er schreibt darüber: ,Jhre Meinung über den Krieg war: Sich weit entfernt vom Feind aufhalten, überhaupt keine Wachen stellen, viel trinken und schlafen, nach langer Rast der Männer und Pf erde auf drei- bis viertägige Streif züge gehen, den Feind überraschen und verfolgen, wenn er flieht, doch retirieren, wenn er widersteht. " Diese Taktik entsprach übrigens genau jener, welche die Ungarn schon im 10. Jhdt. angewandt und mit der sie ihre Siege so z.B. über den bayrischen Heerbann bei Preßburg (907) errungen hatten. Diese Vorstellung vom Krieg war in der ganzen (ungarischen) Nation verbreitet. Der Adelsstand verachtete den Infanteriedienst. „M/r der Hund geht zu Fuß, das Tier ist zum Tragen des Menschen geschaffen " - war das Sprichwort der Zeit. Diese grundverschiedene Kampfesweise und Einstellung zum Kampf gegen die Türken seitens der Ungarn einerseits und der kaiserlichen bzw. österreichischen Truppen anderseits 8 kann auch am Bau des Kastells Waitschavar bei Nagykanizsa im Jahr 1578 demonstriert werden. Nachdem die Türken 1566 Szigetvar erobert hatten, konnten sie bis 1577 eine ganze Reihe kleiner Kastelle im Vorfeld der Hauptfestung Kanischa erobern, so z.B. die nördlich der Drau gelegenen Kastelle Babocsa, Berzencze und Segest. Damit war der Verteidigungs­abschnitt zwischen dem Westende des Plattensees und der Drau, für den finanziell der Kaiser bzw. die niederösterreichischen Stände zuständig waren, weitgehend ungeschützt. Streifzüge der Türken bis in das Gebiet um Radkersburg, Feldbach und Fürstenfeld waren die Folge. Sowohl Erzherzog Karl II. von Innerösterreich als auch die steirischen Stände erkannten und betonten, daß angesichts dieser Situation zu befürchten sei, daß auch die innerösterreichischen Länder in die Gewalt der Türken fallen würden. Erzherzog Karl von Innerösterreich forderte daher 1578 die steirischen Stände auf, auch das Gebiet zwischen der Murmündung in die Drau und Kanischa durch Verhacke bzw. zwei neue Kastelle zu sichern. Die Arbeiten dazu wurden noch im Spätsommer 1578 in Angriff genommen. Bei dieser Gelegenheit zeigten sich einmal mehr die mentalitätsbedingten nationalen Unterschiede zwischen den Deutschen und Kroaten einerseits und den Ungarn in der militärischen Strategie und Taktik der Osmanenabwehr. 9 Als auf Kosten Innerösterreichs und mit 1000 Untertanen der innerösterreichischen Grundherren im September/Oktober 1578 das Kastell Waitschawar errichtet wurde, 181

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