Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr

VÖLKER AN DER MUR 1997 Othmar PICKL DAS GRENZVERTEIDIGUNGSSYSTEM GEGEN DIE TÜRKEN IN UNGARN Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr Nach der katastrophalen Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohac (1526) wurde die Türkenabwehr für rund 200 Jahre zur Hauptaufgabe der österreichischen Habsburger. Mit Nachdruck und durchaus zu Recht haben jedoch ungarische Historiker darauf verwiesen, daß „die Hauptlast der Türkenkriege... nicht der deutsche Südosten, sondern in erster Linie die Bevölkerung des Kriegsschauplatzes, d.h. der ungarischen und kroatischen Landesteile getragen (hat). " Gelang es doch im Laufe der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. etwa 50 bis 100 km vor den Grenzen der österreichischen Erblande in Ungarn, Slawonien und Kroatien jenes Grenzverteidigungssystem aufzubauen, mit dessen Hilfe es in rund 150jährigen harten Kämpfen gelang, den Vorstoß des Islam gegen Mitteleuropa abzuwehren. Im gleichen Zeitraum haben die westeuropäischen Kolonialmächte hinter diesem von Ungarn, Kroaten und Deutschen gebildeten Schutzwall die Welt unter sich aufgeteilt. Seit der Eroberung von Ofen/Buda durch die Türken im Jahre 1541 ergab sich eine Dreiteilung des Königreichs Ungarn: Der mittlere Teil Ungarns wurde als Paschalik Ofen eine türkische Provinz, der nördliche und westliche Teil des Landes fiel als „Königreich Ungarn" an den Habsburger König Ferdinand I., und Siebenbürgen wurde ein türkisches Protektorat unter eigenen Fürsten. Damit begann - nach Géza Pálffy - die 2. Periode des ungarischen Grenzver­teidigungssystems. ' Dadurch ergab sich eine etwa 1200 km lange Grenze gegen die Türken. Ihr entlang ließen die Habsburger ab der Mitte des 16. Jhds. unter maßgeblicher materieller und finan­zieller Hilfe ihrer Erbländer ein neues Verteidigungssystem errichten. Dieses unterstand seit etwa 1570 der Kontrolle des Hofkriegsrates in Wien. Damit hatten die militärischen Führer der ungarischen Stände innerhalb von bloß zwei Generationen nach der Schlacht von Mohac (1526) die Kontrolle über die Verteidigung ihrer eigenen Grenzen verloren. Der Wiener Hofkriegsrat war jedoch weise genug, den ungarischen Ständen die Führung der lokalen Einheiten zu überlassen. Zugleich mußte er eine Lösung finden, die es ihm erlaubte, die kaiserliche Kontrolle über die Grenzverteidigung zu gewährleisten, ohne dabei die ungarischen Stände gänzlich auszuschalten. Es scheint dem österreichischen Historiker außerordentlich bemerkenswert, daß Géza Pálfiy - im Gegensatz zu älteren ungarischen Historikern - die vom Wiener Hofkriegsrat gefundene Lösung als brilliant bezeichnet. Es handelt sich um eine dualistische Teilung der Macht zwischen dem kaiserlichen Staat und den ungarischen Ständen. In der Praxis bedeutete dies, daß es in jedem Landesteil zwei verschiedene Typen von militärischen Formationen gab, die entweder vom Hofkriegsrat in Wien im Namen der Zentralmacht oder durch die militärischen Vertreter der ungarischen Stände kommandiert wurden. Die primäre Verantwortung für die Verteidigung der Grenzen unterstand dem obersten Kapitän der Grenz(verteidigung). Das Amt des Obersten Generalkapitäns der Grenze 179

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