„Stephan Dorffmaister pinxit”. Dorffmaister István emlékkiállítása (Zalaegerszeg, 1997)
Galavics Géza: Die Histrienbilder von Stephan Dorffmaister
spätbarocken Malerei Ungarns. Nicht nur wegen der Ausmaße, der Thematik und der anspruchsvollen Ausführung der Bilder, sondern auch darum, weil darin der Meister die Gattung der Historienmalerei in Ungarn erneuerte und modernisierte, ihr mit seinen formalen Neuerungen - genauso wie in der Landschafts- und Genremalerei der Hintergründe zur Verselbständigung im 19. Jahrhundert verhalf und ihr einen Weg wies, auf dem diese Gattung populär werden sollte. Ermöglicht wurde dies durch das Vertrauen des Auftraggeberkreises, vor allem des hohen Klerus Westungarns, der Dorffmaister beschäftigte. In dieser Hinsicht gereichte es dem Maler zum Vorteil, daß er seit mehreren Jahrzehnten in Ungarn, in Sopron lebte, und ausschließlich für Auftraggeber in Ungarn arbeitete. Er kannte daher die Ansprüche und den Geschmack seines Publikums viel besser und genauer als seine Wiener Berufskollegen von ähnlicher Ausbildung. Sofern er eine anspruchsvolle Aufgabe erhielt - wie im Falle der Historienbilder ungarischer Thematik -, vermochte er diese vielseitig, verhältnismäßig abwechslungsreich, mit immer neuen Inventionen in der Gestaltung der Formen und sich ständig erneuernd auszuführen. Die Pachtung, die Stephan Dorffmaister einschlug, fand jedoch keine Fortsetzer. Der Weg der Herausbildung der Historienmalerei führte an ihm vorbei. Nicht nur, weil der Maler im darauffolgenden Jahr, 1797, starb, sondern auch deshalb, weil sich um die Jahrhundertwende die Mentalität und so auch die Ansichten über die Rolle der Kunst gewandelt haben. Im 19. Jahrhundert bedurfte es zur Herausbildung der Historienmalerei modernen Typs intensiverer Beziehungen zwischen dem Kunstwerk 1 Zusammenfassend zu all diesen Historienbildern und zu ihrer Stellung in der Geschichte der ungarischen Kunst bei Galavics 1980, 63-66. 2 Der Hundertjahrfeier-Charakter der drei Werke wird zuerst bei Boros 1974, 281 hervorgehoben. 3 Die grundlegende Bearbeitung der Geschichte der Abtei Szentgotthárd zur Barockzeit bei Sternegg 1981. 4 Heimb, Theophilus: Notitia historica de ortu et progressu Abbatiae sacri ordinis Cisterciensis B. M. V. ad St. Gotthardum dictae. Viennae 1764. Zitiert bei Éber 1913, 212. 5 Éber 1913, 212-214; Fábián 1936a, 38-40; Garas 1955,108-109. 6 Mitgeteilt, mit Abbildung, bei Sternegg 1981, 468, 480-481. und seinem Publikum als um den Werken Dorffmaisters an entlegenen Orten und in kirchlichen Institutionen möglich war. Im verweltlichten Milieu der Epoche der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege wollte das ungarische Publikum seiner eigenen historischen Vergangenheit nicht mehr in Kirchen oder in klösterlicher Umgebung begegnen, sondern suchte auch für die bildenden Künste nach neuen Formen der Öffentlichkeit. Es dauerte noch zwei, drei Jahrzehnte, bis diese Formen in den 1820er Jahren gefunden wurden. Die neue Form fand sich in den Stichillustrationen der literarischen Almanache, die Geschichtsdarstellung neuen Typs wurde aus der Begegnung der ungarischen Literatur historischen Themas und der bildenden Künste geboren. 36 Diese Kunstwerke sind grundlegend anders als Dorffmaisters Gemälde historischen Themas, und die moderne Historienmalerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwuchs diesen Ansätzen. Unter den Historienbildern Dorffmaisters blieb schließlich in der Epoche des Vormärz (obwohl Csokonai sein Gedichtband mit der Reproduktion des Deckengemäldes von Szigetvár illustriert haben wollte), 37 nur ein einziges Kunstwerk im Bewußtsein der Öffentlichkeit lebendig, die Darstellung der Schlacht bei Mohács auf dem Schauplatz des Ereignisses, in Mohács. Die ursprüngliche Funktion des Bildes, für die Besucher der Stadt die für das Schicksal Ungarns verhängnisvolle Schlacht und deren tragischen Held, den gefallenen König, heraufzubeschwören, konnte zur Zeit des nationalen Erwachens vom Publikum des Vormärz genauso restlos akzeptiert werden wie seinerzeit vom Publikum der Aufklärung. 38 7 Das Manuskript der Reiseaufzeichnungen von József Péteri Takáts mit dem Titel: 1796dik esztendőben utazásának rövid leírása; Az 1797-beli utazás-[Kurze Beschreibung der Reisen des Jahres 1796; Die Reise im Jahr 1797] befindet sich in der Handschriftensammlung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest unter den Schriften der Kisfaludy-Gesellschaft, Signatur К 380/30-31. Ein kürzerer Abschnitt ist davon nach Takáts, Sándor: Péteri Takáts József. Budapest 1860, S. 60 bei Boros 1974, 279 und bei Galavics 1980, Kat. Nr. 64 zitiert. - Der junge Graf László Festetich war mit seinem Erzieher im September 1797 in Mohács. Die hier angeführte Beschreibung des Besuchs befindet sich auf S. 5 des Manuskripts. 8 Zu den beiden Schlachtenbildern von Mohács vgl. Anmerkungen 123