Bodnár Éva dr.: Balatoni Képtár (Keszthely, 1975)
Um die Jahrhundertwende und nachher malte eine ganze Reihe der großen Meister BalatonLandschaften. So der Bahnbrecher des ungarischen Pleinair: Pál Szinyei Merse; die Kämpfer für die moderne Art zu sehen: József Rippl-Rónai, János Vaszary, István Csók; letzterer verbrachte von 1910 an den Sommer regelmäßig in Aliga am Balaton, und hier entstanden manche Meisterwerke seines reichen Oeuvres. Auf einem seiner berühmten Bilder, „Regenbogen über dem Balaton" hat er den wellenbewegten See unter bedrohlichen Sturmwolken festgehalten. Der aus dieser Gegend gebürtige Béla Iványi Grünwald kehrte erst vom Anfang der zwanziger Jahre an regelmäßig im Sommer zum Balaton zurück und malte dann jedes Jahr einige Monate in Lei le. Er war unermüdlich in der Wiedergabe des Licht- und Farbenspiels von Wasser und Himmel. Aus der Südufer-Gegend stammte auch Lajos Kunffy; sein einstiges Atelier in Somogytur ist heute Gedenkmuseum. Während im 19. Jahrhundert sich das Lebenswerk Géza Mészölys in der Balaton-Malerei erfüllte, verschmolz im 20. Jahrhundert das Werk einer der markantesten Maler-Persönlichkeiten, József Egry, mit dem See, in dessen Darstellung er den Sinn und Inhalt seines Lebens fand. Von 1918 bis zu seinem Tode 1951 lebte er in Keszthely oder Badacsony am See mit immer selteneren und kürzeren Unterbrechungen durch Aufenthalte in Budapest und im Ausland. Er sah das Ziel seiner Malerei nicht in der minuziösen Wiederholung des natürlichen Anblicks, sondern in der Wiedergabe der unvergleichlichen, alles durchdringenden Balaton-Atmosphäre bestehend aus Luft, Dunst und Reflexen. Er malte die Landschaft, den Menschen, die Kühe im Wasser, die Anglerbank, auf die Struktur reduziert, verlieh aber den Umrissen expressive Kraft; dazu verwendete er eine eigenartige, von ihm selbst erarbeitete Öl- und Pastelltechnik. Die Bilder „Aufheiterung", „Balaton-Landschaft", „Stürmischer Balaton", „Regenbogen" stammen aus den dreißiger Jahren, der produktivsten, lichttrunkenen Periode seiner Kunst, und geben eine vollwertige Vorstellung von seiner individuellen malerischen Welt. Das wunderbare Farbenspiel von Sonne und Wasser ist zum Hauptthema der Balaton-Malerei geworden und hat die besten ungarischen Maler in seinen Bann geschlagen. So wuchs die Rolle des Balaton ins Übermäßige in der ungarischen Malerei. Was ursprünglich nur Themenwahl, Entscheidung für eine der Landschaften bedeutete, wurde in den dreißiger und vierziger Jahren zu einer besonderen malerischen Problematik. Eine Balaton-Künstlerkolonie ist zwar nicht entstanden, doch verlieh das Unterrichtsministerium auf Anregung des Balaton-Verwaltungskomitees jährlich — seit 1937 — an zehn bis fünfzehn Künstler Balaton-Stipendien. Zu den Stipendiaten gehörten u. a. Rezső Burghardt, Kálmán Istókovics, Gyula Hincz, Emil Novotny, István Cserepes, Jenő Szabados, Imre Szobotka, die alle Anregungen und Förderung von der Balaton-Landschaft empfingen. János Halápy malte über vier Jahrzehnte lang den Balaton zu jeder Jahreszeit. Den größeren Teil des Jahres arbeitete er am See; mit an die PointiMisten erinnernder Technik trug er die Farben in kleinen Tupfen und Linien auf, und seine Bilder sind eben durch ihren Kolorismus, ihre gediegene Farbkultur anziehend. In Tihany verbrachte Elemér Vass das letzte produktive Jahrzehnt seines Lebens. Endre A. Fenyő war ein Chronist des Uferstrichs von Szepezd. Unter den lebenden Meistern verstand Aurél Bernáth die pannonische Landschaft und Welt in Bild und Schrift erlebnisreich zu verewigen. In seinem klassisch geltenden Lebenswerk nehmen die Balaton-Bilder einen wesentlichen Platz ein. Seit 1940 verbrachte er den Sommer in Kisörs, später in Ábrahámhegy. Seine besten malerischen Qualitä53