Veszprémi Történelmi Tár 1989. II.
Régészet - Ertel, Christine: Spätrömische Kopfkapitelle im Lapidarium von Tihany
REGESZET 43 Abb. 1 Ergänztes Kapitell auf dem Forum der Zivüstadt von Aquincum. (В. Kuzsinszky, BpR 12 /1937) 74, Abb. 4. Abb. 2 Kapitell aus der Zivüstadt von Aquincum. (В. Kuzsinszky, BpR 511897) 137 n. Chr. datiert werden kann. 8 Der wohl auch zugunsten der Inschrift erhöhte Abakus ruht auf einem niedrigen Kranz von vier kräftigen Blättern, die die Ecken unterstützen, und vier Lanzettblättchen in den Mittelachsen. So entstanden also mehr oder weniger gleichzeitig Kapitelle mit völlig andersartigem und unterschiedlich vollständigem Instrumentarium. Keinesfalls darf man annehmen, daß einfache Blattkapitelle aus dem Unvermögen und Unverständnis der Abb. 3 Kapitell im Lapidarium von Tihany. (S. Palágyi, S. Tóth: A római és középkori kőtár katalógusa. Tihanyi Múzeum. 1976. Nr. 9. Imp(eratore) Caes(are) M. j Aur(eíio) Antonino Augfustő III et Val(erio) Coma\onte co(n)s(ulibus) . . . Werkleute heraus entstanden sind, denn in dieser Zeit der Hochblüte der pannonischen Provinz wird man doch die Ausführung eines Stückes mit offizieller Inschrift keinem Stümper überlassen haben. Offensichtlich war also auch das Erscheinungsbild eines so einfachen Kapitells ernsthaft beabsichtigt. Die Einheit von' Formwillen und tatsächlich erreichter Form ist eigentlich völlig selbstverständlich und muß nur deshalb betont werden, weil man sehr lange nie ein anderes als ein klassisches Stilwollen für möglich gehalten hat. Aus diesem Grund wurden sowohl die Bedingungen des pannonischen Klimas 9 als auch die wenig günstigen Eigenschaften der lokalen Steinvorkommen 10 für die unkonventionelle Formsprache der meisten Stükke verantwortlich gemacht, aber nicht der Schaffende Mensch. Diese beiden Stücke am Ausgangspunkt der Entwicklung der spätrömischen Architektur zeigen auf, daß die Vollständigkeit einer gewissen Anzahl von Bauteilen des Kapitells weder Ziel noch Kriterium für den nun entstehenden Formenschatz ist. Es bestehen gleichzeitig nebeneinander alle möglichen Abstufungen mehr oder weniger im Sinne des korinthischen Normalaufbaus vollständiger Stücke völlig unabhängig von ihrer Zeitstellung. Das Fortschreiten der Zeit und die Wandlung des Stils drücken sich in anderen Erscheinungen aus: Blätter und Rankenwerk verändern sich in Form und Funktion, Vorder- und Hintergrund vermischen sich, die Masse des Kalathos dominiert. Das Kapitell in Tihany Abb. 3. bietet ein ganz neues Bild. Die Volu-