A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 9. (Veszprém, 1970)

Talpassy Tibor–Vigh Károly: Bajcsy-Zsilinszky Endre a pákövei törpebérlő. – A pálkövei Bajcsy Zsilinszky-bérlet története

Endre Bajcsy-Zsilinszky — „Zwergpächter von Pálköve" Verfasser wurde im Frühjahr 1929 mit Endre Bajcsy-Zsi­linszky bekannt, u.zw. als Mitarbeiter an der Wochenschrift ,,Előre", deren Chefredakteur der später für seine politische Überzeugung den Märtyrertod erlittene große Patriot und Publizist gewesen war. Mit der Zeit trat er in die Redaktion des Blattes ein und gehörte auch der Redaktion an, als das Blatt unter dem Titel „Szabadság" erschien. Bajcsy-Zsilinszky's Hauptstreben ging dahin, für die nach­folgende Generation Publizisten heranzubilden, die ihm gleichgesinnt sind. Die von ihm derart auserkorenen jünge­ren Kräfte machte er zu seinen Freunden, mit denen er zu­meist auch seine politischen Absichten und Überlegungen, sein ganzes Denken und Trachten zu besprechen pflegte. In der Folge blieb Verfasser, auch nachdem die Wochenschrift ihr Erscheinen einstellen mußte, mit Bajcsy-Zsilinszky freund­schaftlich verbunden. Diese Bande blieben aufrecht, bis Bajcsy-Zsilinszky am 19. März 1944, dem Schichksalstage Ungarns, festgenommen wurde. Verfasser des Artikels wollte jenen erlebnisreichen per­sönlichen Erinnerungen Ausdruck geben, die sich episoden­haft an den kleinen Ort Pálköve, zwischen Révfülöp und Balatonrendes gelegen, knüpften. Dies war Bajcsy-Zsilinsz­ky's Lieblingsaufenthalt, wo er nicht nur der Ruhe pflegte, sondern — weitab von der lärmenden Unrast der Haupt­stadt — auch einen Teil seiner wichtigeren geschichtspoliti­schen Gedanken und politischen Überlegungen zu Papier brachte. Was der Verfasser hier niederschreibt, bezieht sich auf in­time politische Gespräche und Beobachtungen, die für das Lebensbild des großen Patrioten entscheidend in die Waag­schale fielen, Einblick in seine politische Meinungsbildung und in sein Wirken geben. Sie sind auch aufschlußreich für die Beurteilung dessen, was er tat und wie er es tat. Derart erstreckt sich der im Artikel enthaltene Rückblick Verfasser erzählt über die Geschichte des Grundstücks und der einstigen Behausung des großen Patrioten Endre Bajcsy-Zsilinszky in Pálköve am Gestade des Balatonsees. Als Unterlagen benutzte er hierbei den Schriftennachlaß aus dem Besitz der Witwe. Aus einer Reihe von amtlichen Schriften und Privatbrie­fen des Nachlasses geht hervor, daß Endre Bajcsy-Zsilinszky bereits frühzeitig, seit Beginn der zwanziger Jahre großen Gefallen an dieser kleinen liebreizenden Einbuchtung des Sees gefunden hatte. Von 1922 an kam er jeden Sommer hierher, um zu zelten, segeln und Badefreuden zu genießen. Wenn es dann Abend wurde, saß er mit seinen Freunden um ein Lagerfeuer, wo am Spieß Speck oder Fleisch gebra­ten und auch manchem guten Tropfen zugesprochen wurde. Die gute Stimmung belebte dann der Wohlklang alter Ku­rutzenlieder aus historischen Freiheitskämpfen. Wegen der verschiedensten bürokratischen Vorschriften dauerte es volle sechs Jahre zwischen 1926 und 1932, bis es Endre Bajcsy-Zsilinszky gelungen war, den schmalen Ufer­streifen am See in Form eines 25 Jahre lang laufenden Pacht­vertrages für sich zu sichern. Bajcsy-Zsilinszky begnügte sich vorerst damit, daß er auf dem Grundstück ein kleines Häus­auch auf die Darstellung, wie zwei bedeutsame Studien seines geschichtspolitischen Denkens zustandegekommen waren. Die eine, auf 137 Seiten handschritflich zurückgebliebene Studie führt den Titel „Újabb történetírásunk bírálata" (Kri­tische Betrachtungen zu unserer neueren Geschichtsschrei­bung). Die andere ist unter dem Titel „Transsylvania — Past and Future" (Siebenbürgens Vergangenheit und Zu­kunft) 1944 in Genf in englischer Sprache erschienen. Man erfährt ferner aus dem Artikel, wie Bajcsy-Zsilinszky auf den Angriff der Hitlerfaschisten gegen Jugoslawien rea­gierte, wie sehr er sich anstrengte, um die Zwangsumsiedlung der in der Bukowina beheimatet gewesenen Székler nach der Batschka — ein unsinniges und unverantwortliches Un­terfangen — zu verhindern, wie es ihm gelang, mit mehreren Insassen des Franzosen-Internierungslagers am anderen Ufer des Balaton is Berührung zu treten und die Gefahr einer Auflösung des Lagers abzuwenden. Auch die wenig erbaulichen, fast zum Bruch führenden Beziehungen zwischen Bajcsy-Zsilinszky und seiner politi­schen Partei, der Kleinlandwirtepartei, kommen im Artikel zur Sprache. Mehr Licht fällt auf die Aktionen, die darauf abzielten, den Absprung Ungarns vom unheilvollen Kriegsgeschehen vorzubereiten und zu beschleunigen. Interessant ist auch die Darstellung, wie Bajcsy-Zsilinszky, ehedem „Rassenschützler", sich allmählich der politischen Linken näherte und zum aufrichtigen Mitkämpfer der kom­munistischen Bewegung in Ungarn wurde. Der dann und wann auch lyrisch beschwingte Rückblick läßt Bajcsy-Zsilinszky auch als Naturfreund erscheinen. Dem Balaton ist er schwärmerisch zugetan. Aber auch kleine All­tagssorgen klingen auf und man erkennt seine Vorstellun­gen über seinen küntfigen Lebensweg. Tibor Talpassy chen aus Rohrgeflecht baute. Rings herum pflanzte er Obst bäume und legte Blumenbeete an. Erst 1937 war es so weit, daß er dort das auch heute noch stehende stilisierte Bauern­haus bauen ließ. Von Bajcsy-Zsilinszky ist bekannt, daß er zeit seines Le­bens ehrfürchtiger Bewunderer des ungarischen Bauerntums war und daß er sich mit Vorliebe für Fragen der ländlichen Baukunst interessierte. Auch zum Bau seines Häuschens bei Pálköve benützte er Hauptmotive der im Seegebiet heimi­schen bäuerlichen Baukunst. Die beiden Tragstützen der Diele schnitzte er eigenhändig. Zur Geschichte des Hauses gehört auch, daß das Rohr­dach 1961 durch sprühende Lokomotivfunken abbrannte, wobei auch der Bau selbst stark beschädigt wurde. Das für das Komitat Veszprém zuständige Komitee der Vaterländi­schen Volksfront ließ das Gebäude wieder herstellen, das dann 1965 in die Verwaltung der Museumsdirektion für das Komitat Veszprém überging. Ihr ist es auch zu verdanken, daß 1966, zur 80. Wiederkehr der Geburt Endre Bajcsy­Zsilinszkys im Hause, wo der große Patriot mit seiner Fa­milie so viele glückliche Zeiten verbracht hatte, ein Gedächt­nismuseum eingerichtet werden konnte. Károly Vigh Geschichte des Bajcsy-Zsilinszky-Landhauses in Pálköve 244

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