A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 5. (Veszprém, 1966)

Nagybákay Péter: Veszprémi és Veszprém megyei céhládák

In die Lade wurde immer ein abgesondertes, gedecktes Fächlein zum Aufbewahren von kleineren Gegenstän­den hineingebaut. Oft haben die Zunftladen verschiede­ne Geheimfächer und-Schubladen beherbergt. Das Öff­nen ihrer verwickelten Verschlüsse bedeutete oft selbst für den Fachmann eine fast unlösbare Aufgabe. Die Zunftladen stellen spezielle Werke der europäi­schen Möbeltischler dar. Ihre Fachliteratur — abgese­hen von dem reichen Material der sittengeschichtlichen Beziehungen — ist ziemlich spärlich, die einzige bedeu­tende Arbeit mit diesem Gegenstand ist vielleicht die bahnbrechende Erörterung von Josef M. Greber über die Zunftladen der Tischler, die auch zum Leitfaden dieses Aufsatzes diente. Die kleine, tragbare Lade für das Aufbewahren von Wertsachen war schon im Altertum bekannt. Die un­mittelbare Vorläuferin der Zunftlade ist wahrscheinlich die Lade der norditalienischen Steinmetzenvereine, in der die Meister ihre Baupläne und Rechnungen aufbe­wahrt haben. Aus dem 15-ten Jahrhundert sind nur ein paar Zunft­laden gotischen Stils bekannt. Die charakteristische Zunftlade wird erst im 16-ten Jahrhundert, nach dem Zustandekommen des Kistenmacher- und Tischlerge­werbes geboren. In derRenaissance-Zeit, entsprechend dem architektonischen süddeutschen Dekorativstil, tru­gen die Zunftladen Fassaden die mit den architektoni­schen Elementen der Steinbauart reich beladen waren. Dieser Stil hatte eine weite Verbreitung und reichte so­gar tief in die Barockzeit hinüber. Auf den einfacheren Laden späterer Zeiten wird diese Spätrenaissance-archi­tektonische Richtung nur noch durch Profilleisten, dann durch eingerahmte viereckige Felder mit Wel­lenleiste-Rand angedeutet. Die Zunftladen von Veszprém und Komitat Veszp­rém folgen dem allgemeinen Entwicklungsang erst am Ende des 17-ten Jahrhunderts. Aus Kunstgewerblichem Gesichtspunkte können sie im allgemeinen mit den aus­ländischen Zunftladen und vielleicht mit denen von ei­nigen reicheren ungarischen Städten nicht wetteifern, infolge ihrer großen Anzahl (69 Stück) und ihres verein­fachten Stiles von provinzialem Geschmack nehmen sie aber in der Reihe der heimischen Zunftdenkmäler einen bedeutenden Platz ein. Die älteste Zunftlade von Veszprém gehört den Schuhmachern und, nach ihren Beschlägen geurteilt, wurde sie wahrscheinlich noch im 17-ten Jahrhundert gemacht. Bezeichnend für die älteste Gruppe der Zunft­laden von Komitat Veszprém sind die die Frontseite entzweiteilenden zwei viereckigen, berahmten Felder, von denen ordentlicherweise je eins auch auf den schma­len Seiten wiederholt wird. Diese Laden haben mei­stens einen flachen Deckel, ihre rechte Seitenwand ist aufziehbar und ein Geheimfach steckt dahinter. An­statt von Seitengriffen haben sie einen Obergrifl auf dem eingebauten Glied des Flachdeckels. Dieser Typ, in seiner vollkommen vereinfachten Form, existierte noch am Anfang des 19-ten Jahrhunderts. Die charakteri­stischen Stücke dieser Gruppe sind z. B. die Zunftlade der Tuchmacher von Várpalota (Bild 10) oder die des Schuhmachergesel len-Vereins von Peremarton (Bildl2). Zwei ähnliche, auch höhere Ansprüche befriedigende Zunftladen gehören den Böttchern von Pápa (Bilder 17—18) und den Schuhmachern von Veszprém (Bilder 19—20). Die Laden der nächsten Gruppe wurden in den sieb­ziger Jahren des 18-ten Jahrhunderts gemacht. Kenn­zeichnend für sie ist die gebogene Linienführung. Sie sind aus festem Hartholz gemacht worden, ihreVerzie­erungen sind einfallreiche Variationen der Buchstaben­motive S und C. Mit den architektonischen "gebau­ten" Laden der ersten Gruppe verglichen, machen diese den Eindrcuk als ob sie plastisch, aus einer Masse mo­delliert worden wären. Sie vereinigen das plumpartige, einfache, volkstümlich-bürgerliche Barock des Zeital­ters von Maria Theresia mit der leichten Linienführung des Rokokos. Die schönsten Laden in dieser Gruppe und zugleich unter all den behandelten gehören den Schlösser-, Uhrmacher-und Büchsenmacher Zünften von Veszprém (Bilder 25—27), der Fleischhauerzunft von Veszprém (Bilder 28—31), der Bäckerzunft von Veszprém (Bilder 22—24), der Töpferzunft von Veszp­rém (Bild 21) und dem Hutmachergesellen-Verein von Veszprém (Bild 35). Ihr imposanter Verschluß mit ro­kokó Linienführung und ihre prunkhaften Scharnier­gelenke lassen sie als erachtungswerte Werke der trans­danubischen Möbelbauer gelten. Manche Laden zeigen einen Übergang von dem Ro­koko zum Ludwig 16.-Stil, z.B. die Zunftlade der Tisch­ler von Zirc (Bilder 39—40). Die österreichische und ungarische Variaton des Ludwig 16.-Stiles ist der Zopf und die Merkmale des diesem folgenden Empires sind an sehr vielen Zunftladen von Komitat Veszprém be­merkbar. Dieses Zeitalter — Ende des 18-ten und An­fang des 19-ten Jahrhunderts — war nämlich die letzte große Blütezeit des Zunftgewerbes im Komitate. Die Form und Farbe, die glatte klassizistische Kontur und besonders die einfachen, aus Blech ausgeschnittenen Schlüsselschildbeschläge lokaler Anfertigung der Laden aus diesem Zeitalter spiegeln in einer interessanten Weise die ungarischen provinzialen Variationen der großen westlichen kunstgewerblichen Strömungen des Zeitalters. Als die schönsten Stücke des Ludwig 16.-Stils gelten die Zunftlade der Böttcher von Pápa aus 1792 (Bild 42) und die der Schmiedezunft von Pápa aus 1806 (Bilder 46—47). Die einfarbigen, geradlinigen Laden werden auf den 136

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