Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)
Egon Boschof: Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas
Die Restitution Peters war nicht von langer Dauer. Bereits im Spätsommer 1046 wurde er gestürzt, den Thron bestieg der aus der russischen Verbannung heimgeholte Andreas. In weiten Teilen Ungarn ging mit dem Aufstand auch eine heidnische Reaktion gegen die erst vor wenigen Jahrzehnten begonnene Christianisierung einher. Andreas freilich fühlte sich als Erbe Stephans; er hat den heidnischen Aufruhr schnell niedergeschlagen und wieder geordnete kirchliche Verhältnisse hergestellt. In der richtigen Erkenntnis, daß eine Konsolidierung seiner Herrschaft wesentlich von der Herstellung normaler Beziehungen zum Reich abhing, hat Andreas sofort Verbindung zum Salier aufzunehmen versucht, und er war, wenn man dem Bericht Hermanns von der Reichenau Glauben schenken darf, zu überraschend großen Zugeständnissen bereit, die auf eine Anerkennung des Status quo, also Lehnsoberhoheit des Reiches und Tributpflichtigkeit Ungarns, hinausliefen. Heinrich III. hat jedoch diese Chance, trotz des Machtwechsels in dem benachbarten Königreich die kurz zuvor errungene Position zu behaupten, nicht genutzt. Sein vorrangiges Ziel war, seinen Vasallen Peter, der in den Wirren zwar geblendet worden war, aber wohl überlebt hatte, zu rächen. Das entsprach seinem Selbst- und Herrschaftsverständnis und der moralischen Verpflichtung gegenüber seinem Vasallen. Die offenbar wieder von Bayern provozierten Grenzkonflikte des Jahres 1050, hinter denen der Bischof Gebhard von Regensburg, das Haupt der ungarnfeindlichen Partei am Hofe, als treibende Kraft stand, leiteten über zu den Feldzügen der beiden folgenden Jahre, in denen dem Kaiser jedoch der Erfolg versagt blieb. Die schwere Niederlage im August/September 1051 machte deutlich, daß auf militärischem Wege eine dauerhafte Lösung, die das Übergewicht des Reiches garantierte, nicht durchzusetzen war. Die Zeit arbeitete für Andreas, zumal der Kaiser nun auch innenpolitisch in Schwierigkeiten geriet. Offenbar stieß die Ungarnpolitik des Saliers im bayerischen Adel zunehmend auf Widerspruch. Schon 1051 hatte der Markgraf Adalbert von Österreich mit Andreas einen Separatfrieden geschlossen. Bald nach dem erfolglosen Feldzug von 1052 brach ein offener Konflikt zwischen Heinrich III. und dem Bayernherzog Konrad aus. Im April 1053 wurde Konrad auf einem Merseburger Hoftag abgesetzt, Bayern verlieh der Kaiser nacheinander seinen eigenen Söhnen Heinrich und Konrad, schließlich seiner Gemahlin Agnes. Die zeitlichen Umstände der Empörung, die Tatscahe, daß sich Konrad zunächst gegen Gebhard von Regensburg wandte, und schließlich die Flucht des abgesetzten Herzogs zu König Andreas - dies alles macht eine tiefgreifende Meinungsverschiedenheit zwischen dem Bayernherzog und dem Kaiser in Fragen der Ungarnpolitik sehr wahrscheinlich. Dabei verfügte Konrad offenbar über Rückhalt in bedeutenden Teilen des Stammesadels, und schließlich gingen auch der Herzog Weif III. von Kärn86