Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Egon Boschof: Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas

Egon Boschof Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas Die Jahrzehnte, die die Regierungszeit der bayerischen Prinzessin Gisela an der Seite ihres Gemahls Stephan auf dem ungarischen Königsthron um­spannen, stellen ohne Zweifel eine entscheidende Phase im deutsch-unga­rischen Verhältnis im Mittelalter dar. Sie sind von deutscher Seite be­stimmt durch zwei große, unterschiedliche Konzeptionen zur Gestaltung dieses Verhältnisses, die mit dem Namen des Liudolfingers Otto III. (983­1002) und des Saliers Heinrich III. (1039-1056) verbunden sind. Wenn al­so in den folgenden Überlegungen der Akzent auf die ungarisch-bayeri­schen Beziehungen gelegt werden soll, so bleibt immer zu beachten, daß diese nur Teil einer gesamtpolitischen Konzeption sein konnten: Adel und Königtum sind im mittelalterlichen Staat aufeinander bezogen und ange­wiesen; im Königsdienst gewann der Adel Macht und Prestige, aber die Autorität des Königtums hing nicht zuletzt auch davon ab, wie sehr es als Sachwalter der speziellen Adelsinteressen in Erscheinung treten konnte. Das betrifft das Verhältnis zum sächsischen Stammesadel in seinen Bezie­hungen zu Eibslawen und Polen ebenso, wie die Interessen des bayerischen Stammesadels gegenüber Böhmen und Ungarn. So ist Giselas Vermählung mit Stephan sicher ein wichtiges Ereignis der bayerischen Geschichte, aber es bleibt nicht auf diese beschränkt, sondern ordnet sich ein in den größe­ren Zusammenhang der deutsch-ungarischen Beziehungen. Persönliche Daten aus dem Leben Giselas sind uns nur spärlich überlie­fert. Wir kennen nicht das genaue Datum ihrer Geburt - zu erschließen ist die Zeit um 985 -, wir wissen nicht, wann ihre Vermählung mit Stephan stattfand; für die Frage ihres Einflusses bei der Christianisierung Ungarn wäre aber eine präzise chronologische Einordnung gerade dieses Ereignis­ses wichtig. Wann sie Ungarn endgültig verließ und in der Passauer Abtei Niedernburg den Schleier nahm, ist nur zu vermuten; ein genauer Zeitpunkt ist uns nicht überliefert. Als erster berichtet davon Anfang des 16. Jahrhun­derts Johannes Aventinus, der Vater der bayerischen Geschichtsschreibung. Woher er sein Wissen bezog, bleibt uns verborgen. Und schließlich fehlt uns auch jegliche Nachricht von ihrem Tod. Genannt wird sie im Umfeld ihres Gemahls Stephan, aber die ungarischen Quellen des 11. Jahrhunderts, die mitunter noch unter dem Einfluß alter heidnischer Vorstellungen ste­hen, sind ihr, der Fremden und Christin, nicht immer günstig gesinnt. In dem Bestreben, das Bild des heiligen Königs von jedem Makel freizuhal­80

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