Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)
László Solymosi: Gesellschaftstruktur zur Zeit des Königs István des Heiligen
priester gilt als zierde des königlichen Throns, deshalb sollten sie in der königlichen Würde auf den dritten Platz gestellt werden. Mein lieber Sohn, die Oberpriester sollen deine treusten Männer sein und du mußt auf sie achten, wie auf dein Augenlicht. Wenn sie dir gegenüber gutgesinnt sind, so brauchst du dich vor keinem Feinde zu fürchten. Wenn sie dich schätzen, so kannst du ruhig und sicher handeln, denn ihr Gebet gilt bei Gott als eine Fürbitte für dich, denn er hat sie über das Gottesvolk gesetzt und er hat sie mit der Betreuung der Seelen beauftragt und so sind sie die Beteiligten der kirchlichen Würde und Verleiher der Sakramente Gottes. Ohne sie werden keine Könige ernannt und sie könnten nicht regieren. Durch ihre Fürbitte erlöscht man die Sünden der Schuldigern. Wenn du ihnen gegenüber wahre Liebe erweisest, so kannst dadurch auch du ohne Zweifel besser werden und auch das Land ehrlicher regieren." (Abs. 3.). Neben und nach den Oberpriestern stützte sich der Herrscher auf den „Stand" der Kämpfer. Diese Gesellschaftsgruppe bestand aus den Hauptpersonen (principes), Gespanen (comités) und Soldaten (milites). „Die vierte Zierde des Herrschers ist die Treue, die Stärke, die Bescheidenheit, das Wohlwollen und das Vertrauen der Hauptleute, der Gespane und Soldaten. Sie sind nämlich die Verteidiger des Landes, die Schützer der Schwachen, die Vernichter des Feindes, die Bereicherer des Königtums. Sie sollen mein lieber Sohn - deine Väter und deine Brüder sein, mache keinen von ihnen zu deinem Untertanen und nenne niemanden deinen Diener. Sie sollen kriegführen, aber dir nicht dienen." (Abs. 4.). In den „Mahnungen" bekam wohl nicht in seinen besonderen Funktionen, sondern in impliciter Form auch der dritte „Stand" einen Platz. Diese Gesellschaftsgruppe bestand aus den Shwachen (inbecilles), die des Schutzes des Krieger bedurften und aus denen, die nicht gekämpft, sondern gedient haben, die über keine Macht verfügten (potestate carentes). Der Herrscher muß ihnen gegenüber genauso geduldig sein, wie zu den Mächtigen: „Sei allen gegenüber geduldig, nicht nur den Mächtigen, sondern auch denen gegenüber, die keine Macht besitzen." (Abs. 10.). Die Erwähnung des dritten „Standes" in dem Kapitell über den zweiten „Stand", d.h. über die Tugenden könnte mit dem Aristokratismus des Verfassers der „Mahnungen", mit dessen Mangel an sozialer Empfindlichkeit erklärt werden, doch in der Wahrheit handelt es sich nicht darum. Vom Gesichtspunkt der königlichen Würde, der Macht war der dritte „Stand" nicht wichtig, genau so wie auch der ganze „Stand" der Kleriker, es genügte, die Oberpriester zu erwähnen. Im Falle der Krieger konnte es nicht zu dieser Beschränkung kommen, denn ihre Hierarchie, ihr Verhältnissystem wichen von der der kirchlichen Gesellschaft ab. Das Werk beschäftigt sich damit, womit es musste: es musste das Verhältnis des Herrschers mit der engen Elite der Kleriker und den Massen der Krieger klären und ordnen, er muss65