Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Praznovszky, Mihály: Königin Gizella in den ungarischen historischen Dramen

Dieser Vorwurf spielt auch in dem historischen Stück von Szabó Magda eine Rolle, aber so, daß Gizella nicht einmal auf der Bühne erscheint. Nur ein Bild, ein Gemälde von ihr wurde dem jungen István von dem schlauen bayerischen Boten gezeigt, um den anderen deutschen Herrschern voranzu­gehen: „wenn die fränkische Prinzessin schön ist wie der Tag, und die Sächsische noch schöner? und die Schwäbische durch ihre Schönheit das Auge verblendet, soll doch die bayerische Gizella, die zwar nicht so schön ist, für dich die Schönste von Allen werden", sagt Hermann, der bayeri­sche Gesandte. Und wodurch wird eine Prinzessin schön? Natürlich durch die Politik, durch das politische Interesse. István versteht und fühlt sofort, daß er Gizel­la wählen muß, die Tochter des alten Feindes. „Es ist doch unwahrschein­lich, daß der bayerische Herrscher Heinrich das Land angreifen würde, auf dessen Thron seine Tochter sitzt," sagt Hermann und István gibt ihm sofort recht. So kam er in Konfrontation mit der Tradition, indem er entscheidet, daß das ungarische Volk zu Europa und zugleich zum Christentum gehören soll. Die Ereignisse bei Augsburg, das Schlachtfeld von Lech, das Schick­sal von Botond, Lehel, Bulcsú waren noch sehr nahe, daran musste er ge­dacht haben: wenn das der Preis für Gizella ist, so soll es nun Gizella sein. Szabó Magda läßt ihre Helden absichtlich in der heutigen ungarischen Sprache, heutige Redewendungen gebrauchend sprechen. Das tut auch Bol­dizsár Miklós, dessen Drama „Jahrtausendwende" (Ezredforduló) aus dem Jahre 1974 zur Quelle des berühmtem Musicels wurde. Dieser Styl dient als schriftstellerisches Mittel zum Ausdruck der vollen Entfremdung und Zeitlosigkeit. Es wird dadurch eindeutig, daß das Stück nur ein Rahmen ist, die Hauptfiguren darin sind nebensächlich: wir leben in der Gegenwart und unser Konflikt ist laut Boldizsár: sind wir eigentlich noch Ungarn? Blieben wir Ungarn? können Ungarn bleiben, die ausser der unfassbaren Grenzen abgetrennt leben? Im Jahre 1974,1982 und auch 1992 sind diese Worte Ist­váns noch gültig. Gizella wurde wieder zum Symbol der Fremden, die unsere Nation nie­dertreten wollen. Im Jahre 1974 konnte und musste man statt der Deut­schen die Russen verstehen, wie es die vor Begeisterung tobenden zehntau­senden Zuschauer auch verstanden haben. So wurde Gizella ganz zum Mittel der Schrifsteller, eine dumme, affek­tierende und egoistische Königin: „Nur du hast das Recht auf den Thron und meine lieben Deutschen werden dir schon helfen, du wirst es sehen. Wie pflegt ihr Ungarn das zu tun? Wir werden diesen Heiden Koppány in vier Stücken zerreisen. Damit brauchst du dich nicht zu quelen. Wir sind die Stärkeren und auch die Familie wird dir helfen, du wirst es schon se­hen. Mein kleiner dummer Fürst, die Lanze ist eine stärkere Waffe, als das unter dem Sattel weichgemachte Fleisch." 107

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