Struktúra és városkép. A polgári társadalom a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1997. október 16-17-én (Veszprém, 2002)
Társasági élet, szórakozás - Hannes Stekl: Stadtjubiläum und bürgerliche Identität: Wiener Neustadt 1192–1892
weiteren gesellschaftlichen Selektionsmechanismus in Gang. Die Ehrenjungfrauen gaben eine wichtige Staffage des Festes ab: Sie waren es, die den optischen Hintergrund der sonntäglichen Veranstaltung bildeten und die Fahnen sämtlicher Organisationen mit einem von der Gemeinde gewidmeten Fahnenband schmückten. Ansonsten blieb das weibliche Geschlecht auf rein dekorative Funktionen beschränkt: In der Einschätzung der Journalisten mußte es vor allem durch ihre Schönheit bezaubern, welche den Festlichkeiten „den höchsten Reiz" verlieh; 25 und der Kaplan des Bürgerkorps griff auf die Metapher des „Lilienkranzes" zurück. 26 Im Gegensatz zu anderen Stadtjubiläen traten in Wiener Neustadt die Schulkinder nur am Rand in Erscheinung. Vor allem bei der Enthüllung der restaurierten Gedenksäule wurden sie zu Adressaten einer pädagogischer Belehrung, welche sie über den ideellen Wert des Kunstdenkmals aufklärte, zu Ehrfurcht mahnte und vorbeugend jede Beschädigung zum Verbrechen erklärte. Generell standen sämtliche Festakte allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten als Zuschauer offen. Besonders das Volksfest mit seinem reichen Unterhaltungsangebot war als große Attraktion gedacht. Eine gewisse Skepsis hinsichtlich der Teilnahme breiterer Bevölkerungskreise äußerte der antiliberale Vizebürgermeister Winkler. Er bezweifelte, ob Gewerbetreibende und Arbeiterschaft das Angebot auch nützen könnten und wollten. Im Hinblick auf den erhofften Zustrom von Fremden hielt das Festkomitee jedoch an diesem Programmpunkt fest. Angesichts des zeitweise äußerst ungünstigen Wetters blieben die Besucherzahlen aber weit hinter den Erwartungen zurück. Dennoch verzeichnete man schließlich eine zahlreiche Teilnahme der Einwohner „aller Stände", „freudiges, bewegtes Leben", „das laute Rufen und Lachen des heiteren, vergnügungslustigen Volkes" sowie den Besuch „Tausender von Fremden" 27 . Die antisemitische Presse verzichtete in dieser allgemeinen Festesfreude allerdings weder auf Versuche zur Profilierung der eigenen politischen Klientel noch auf rassistische Ressentiments gegenüber Juden. Und auch nachträglich gab es Kritik: wegen überhöhter Preise, welche ärmeren Bevölkerungsgruppen die Teilnahme erschwerte, wegen eines feh406