Struktúra és városkép. A polgári társadalom a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1997. október 16-17-én (Veszprém, 2002)

Elit - Oliver Kühschelm: Sparsamkeit oder Fortschritt? – Die bürgerliche Elite des Kurortes Vöslau und das Problem der Schaffung einer modernen Infrastruktur

Die Grundlage der kommunalen Selbstverwaltung in Cisleitha­nien bildete die 1849 als Oktroy verlautbarte Gemeindeordnung. 2 Zunächst als Provisorium deklariert, war der Schöpfung des Grafen Stadion ein erstaunlich langes Leben beschieden. Bis zum Untergang der Habsburgermonarchie wurde jedenfalls keine tiefgreifende Neu­regelung durchgeführt, obwohl die Notwendigkeit einer Reform schon vor der Jahrhundertwende kaum mehr negiert werden konn­te. So hatte Stadion den Gemeinden nur sehr wenige Möglichkeiten zur Finanzierung von kommunalen Aufgaben eröfmet, die sich im Zuge von Industrialisierungs- und Urbanisierungs-prozessen rasant vermehrten. Hinter den gesetzlichen Regelungen verbarg sich eine sehr kon­servative Vorstellung von den Aufgaben der kommunalen Selbst­verwaltung. Allerdings war um 1850 noch nicht abzusehen, wie rasch diese über den Bereich einer traditionellen Hoheitsver­waltung hinauswachsen würde. Außerdem gab es gute Argumente dafür, den Gemeinden nicht zu viel Selbständigkeit einzuräumen. Gerade in der Provinz war man oft zu schlecht gerüstet, um der kommunalen Finanzgebarung eine auch nur halbwegs nachvoll­ziehbare Form zu geben. Ein exzellentes Beispiel hierfür finden wir in Vöslau, das zur Jahrhundertmitte gerade 800 Einwohner zählte. An der Spitze der Gemeindevertretung standen der Gastwirt Michael Zwierschütz und später der Bäckermeister Ignaz Graf, beide Ver­treter eines ländlichen „Zwischenmilieus" 3 . Trotz zunehmender Wohlhabenheit dürfte ihnen der Geschäftsstil des modernen Bürger­tums eher fremd geblieben sein. Den Aufgaben, die sie kraft ihres Amtes zu erfüllen hatten, waren sie daher kaum gewachsen. Beson­ders die Amtsführung von Zwierschütz zeichnete sich durch Unbe­darftheit und unprofessionelle Nachlässigkeit aus. Mit seinen Pflich­ten zur Rechnungslegung nahm er es jedenfalls nicht allzu genau. Als sich die Vöslauer Honoratioren im März 1855 erstmals (!) zu einer Revision der Haushaltsabschlüsse aus den vergangenen Jah­ren aufrafften, entdeckten sie daher „sonderbare Zustände". So­lange sich aber die Gemeinde unfähig zeigte, den Überblick über ihre wenigen Agenden und ihre geringen finanziellen Mittel zu behalten, hatte sie noch nicht einmal das Niveau einer soliden 118

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