Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)

Hannes Stekl: Unternehmer in Klein- und Mittelständten Österreichs (1848–1918)

Eduard Moro, 19 Leiter der Klagenfurter Niederlage des Textilunter­nehmens und hervorragender Techniker, wurde als wichtiger Vertreter der Kärntner Landschaftsmalerei zum Mentor und Lehrer einiger angesehe­ner Künstler. Zu seinen Schülerinnen zählte auch Caroline von Rainer­Harbach, die 1844 Eduard Moros Neffen Max heiratete und zur Seele des Viktringer Künstlerkreises und seiner Malerkolonie wurde: Hier wirkten neben mehreren Familienmitgliedern anfangs auch August Prinzhof er, Ludwig Willroider und Karl Truppe, später Nikolaus Gysis und Franz Def­regger. Ergänzt wurde diese Idylle namentlich in den 1850er und 1860er Jahren durch ein reiches Theater- und Musikleben, wo sich das musikali­sche Talent von Thomas Koschat entfaltete, dem der später gefürchtete Musikkritiker Eduard Hanslick seine Anerkennung zollte. 20 Stets erwartete man von Unternehmern großzügige Spenden und kari­tative Leistungen. Doch nicht allein demonstrative Statussymbole und Reichtum bildeten soziale Distinktionsmerkmale. Vielmehr waren es ge­rade die „feinen Unterschiede" (Pierre Bourdieu), welche besonders in städtischen Gesellschaften soziale Abstände herstellten: die Beschäfti­gung einer größeren Zahl von Dienstboten, die Anstellung von Erzieher­innen für die Kinder, der Einkauf in Geschäften anstelle der üblichen Vorratswirtschaft im Haus, eine regelmäßiger Aufenthalt in Prag oder Wien oder längere Auslandsreisen. Dieses Bild zeigt freilich auch andere Schattierungen: Aufsteiger aus ärmlichem und zudem oft kinderreichem handwerklichen Milieu übten oft zeitlebens jenen Konsumverzicht und jene Sparsamkeit, welche wich­tige Voraussetzungen für ihre Karriere gebildet hatten. Bescheidenheit erweist sich so nicht als idealisierender Topos von Unternehmerbiogra­phien, sondern als rationales ökonomisches Kalkül vor allem bei einem erst rudimentär ausgebildeten Kreditmarkt und bei traditionalistischem Geschäftsdenken. Namentlich die größeren Unternehmer pendelten gewissermaßen zwi­schen zwei Welten: Zwischen der Enge ihrer Heimatstadt und der Weite der Metropolen. Ihr Wirken brachte ihnen Ehrungen und Auszeichnun­gen im lokalen Bereich (etwa durch die Verleihung des Ehrenbürger­rechts) wie auch auf nationaler und internationaler Ebene (Ordens- und Titelverleihungen, Nobilitierung). Diese prinzipiell sozial differenzieren­den Maßnahmen bewirkten jedoch in den meisten Fällen keine Aufgabe der persönlichen Identität sowie des gewohnten Lebensstils und führten 57

Next

/
Thumbnails
Contents