Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)
Peter Eigner: Heiratspolitik und „Freunderlwirtschaft”. Personelle Verflechtungen als Spiegelbild der Bank-Industrie-Beziehungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie
3. Unter den Bankkarrieren ist zwischen direktem und indirektem Weg zu unterscheiden. 22 3a. Der direkte Weg verlief über den Handel oder die Beschäftigung in einer Privatbank. Vorher hatte man die Realschule oder die Handelsakademie, nur in seltenen Fällen eine Universitätsausbildung absolviert. Am Beginn des 20. Jahrhunderts waren mehr als die Hälfte der Führungspersönlichkeiten der Bankwelt (z. B. Max Feilchenfeld, Theodor Taussig, Karl Morawitz, Ludwig Neurath, Sigmund Kornfeld, Bernhard Popper, Adolf Landesberger, Felix Stransky, Julius Blum) aus der Schule der Privatbanken hervorgegangen. Bankdirektor wurde man zumeist über die Karriereschritte Prokurist und Direktorstellvertreter. Als Direktor konnte man in seltenen Fällen an die Spitze der Banken berufen werden (dafür stehen die Beispiele Morawitz, Taussig, Minkus und Blum) oder endete als pensionierter Direktor im Verwaltungsrat (siehe Beispiele aus der CA). Der Wechsel von einer Bank zur anderen nach der Erlangung des Direktorenpostens blieb eine Ausnahme. Der berufliche Aufstieg des aus Böhmen stammenden Sigmund (Zsigmond) Kornfeld verdeutlicht dieses Karrieremuster: 23 Wichtig für diese Bankiers war der frühe Einstieg in eine Bankfirma (Kornfeld mit 14 in Prag), der Wechsel zu weiteren Instituten, wobei sich Auslandsaufenthalte als für die Karriere förderlich und nahezu obligatorisch erwiesen (Kornfeld arbeitete in Wien, Berlin und Paris). Keine Ausnahme war auch Kornfelds frühe Beförderung. Mit etwas über 20 war er bereits Direktor des Böhmischen Bankvereins und wurde dann zum stellvertretenden Leiter der Prager Filiale der Creditanstalt ernannt. Auch die Tätigkeit in einer Filiale einer Großbank war ein üblicher Karriereschritt, da sie im Gegensatz zum spezialisierten Betrieb der Zentrale die Gelegenheit bot, alle Geschäftsbereiche einer Bank kennenzulernen. Mit seiner Berufung in die Ungarische Allgemeine Creditbank begann die ungarische Karriere Kornfelds. Er erlernte die ungarische Sprache, erwarb ein Landgut, wurde Miglied des Magnatenhauses und erhielt den Baronstitel, den er nur mit Rücksicht auf seine Kinder annahm. Seine bürgerlichen Wurzeln betonte er mit der Aufnahme des Modells der bürgerlichen Familie in sein Wappen. Es zeigt einen Pelikan mit vier Jungen unter den Flügeln, der diese mit seinem eigenen Blut nährt. Zusätzlich zu den Verdiensten um seine Bank und um das ungarische Bankwesen übersetzte er Petöfis Gedichte ins Deutsche und war Mäzen und Freund von Wissenschaftlern. Auf dieses Karrieremuster, vielfach als fachliche Bankkarriere bezeichnet, stößt 109