Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)

Peter Eigner: Heiratspolitik und „Freunderlwirtschaft”. Personelle Verflechtungen als Spiegelbild der Bank-Industrie-Beziehungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie

allen Transaktionen beteiligt und war weiterhin im Verwaltungsrat ver­treten), so übernahm er weiters das Textilimperium des Industriellen Franz Leitenberger (dank der BCA-Verwaltungsräte Chlumecky und Op­penheimer, die eng mit Leitenberger liiert waren) und das Schoeller'sche Zuckerimperium (dank des BCA-Direktors und Zuckerspezialisten Julius von Kniep, der lange bei Schoeller gearbeitet hatte). Als Gegenpol zu Siegharts Bankpolitik schwärmte Alexander Spitzmüller — wie Sieghart aus dem Staatsdienst geholt — von seinem Traum und Ideal, als Bank­direktor „Diener des Staates und der Gesellschaft" zu sein. Er hoffte, „einen neuen, den öffentlichen Interessen entsprechenden, gewisser­maßen sozialen Bankdirektortypus" zu schaffen. 9 Bankdirektoren und Vorstandsmitglieder vereinten eindeutig die große Mehrheit der personellen Verflechtungen auf sich: Neurath wurde schon erwähnt, der Anzahl ihrer Sitze in Industrieaktiengesellschaften nach folgten 1916 die Direktoren Hugo Schwarz (AB, 31 Sitze), Alfred Herzfeld (BCA, 27), Markus Rotter (LB) und Philipp Broch (VB) mitje 25. Inwieweit bei dieser Anhäufung von Mandaten eine Aufsichts- oder Kontrollfunktion tatsächlich ausgeübt werden konnte, bleibt offen. Es erscheint daher oft voreilig, von einer Einflußnahme der Banken auf Industrieunternehmen auszugehen. Die Vertretung im Verwaltungsrat ist eher als ein Kommunikationsmittel zu verstehen, das den Informations­fluß erleichterte. Nicht nur wegen Siegharts Aufstieg (Jg. 1866) waren eine Generatio­nenwende und ein Mentalitätswandel zu bemerken. Auch Camillo Casti­glioni (Jg. 1879), Verwaltungsrat der Depositenbank, verweist auf eine neue Qualität und auf eine spätere Zeit. Um die Jahrhundertwende hatte das Sterben der „alten Garde" mit dem Tod Franz Leitenbergers (1899) und Emils von Skoda (1900) eingesetzt. 1909 starben Theodor von Taus­sig, Baron Franz von Ringhof fer, Julius von Gomperz, 1913 Karl Witt­genstein und Max von Gomperz, 1914 Karl Morawitz. Noch waren Aris­tokraten in jeder Bank vertreten, denken wir nur an die Grafen Thurn­Taxis, Stadnicki, Kielmannsegg, Montecuccoli und Szápáry im Verwal­tungsrat der Länderbank. Doch sie agierten weniger als Bankiers oder Aufsichtsorgane, sondern erfüllten vielmehr die Aufgabe, den Rang und Status einer Bank nach außen transparent zu machen. Auf die Bedeutung der Privatbankiers — auch wenn deren Verschwinden von den Zeitgenossen beklagt wurde — verweisen in den Bankverwaltungsräten die Namen Julius Petschek (einer der Hauptaktionäre der AB), Robert 105

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