K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
BECHERT, TILMANN: Hof oder Halle? Anmerkungen zur Überdachung des zentralen Innenbereichs kaiserzeitlicher Risalitvillen
Ähnlich eindeutig scheinen die Dinge auch im heutigen Hessen zu liegen, wo „die Herrenhäuser einen rechteckigen Kernbau" besaßen, „der eine große Halle enthalten konnte" 10 (Abb. 2). Entsprechend häufig werden die Haupthäuser „dem Typus der Eckrisalitvillen mit zentraler Halle und vorgelagerter Portikus" zugeordnet. Herausragende Beispiele dieser Bauform fanden sich in Friedberg, FriedrichsdorfSeulberg, Groß-Umstadt, Heppenheim, Wiesbaden und Wiesbaden-Biebrich 11 . Zum gleichen Ergebnis führt auch die Durchsicht der villae rusticae auf dem Boden des heutigen Saarlandes, zu denen die Portikusvillen in Illingen-Wustweiler und ÜberherrnAltforweiler 12 (Abb. 3) ebenso zählen wie das Herrenhaus der mehr als 7,5 ha großen Gutsanlage von Perl-Borg, die seit 1987 schwerpunktmäßig freigelegt und wieder aufgebaut wird. Folgt man der Grundaussage im allgemein gehaltenen Text der „Römer in Rheinland-Pfalz", so scheinen auch dort keinerlei Bedenken zu bestehen, den Zentralraum kaiserzeitlicher Portikusvillen als „große zentrale Halle" und „Hauptraum der hauswirtschaftlichen Tätigkeit im Herrenhaus" zu verstehen, der vor allem „bei den einfachen Gehöften alle wirtschaftlichen Tätigkeiten aufnahm, die unter Dach vorgenommen werden konnten" oder mussten 13 . Dem gegenüber vermitteln die Einzeldarstellungen im archäologischen Teil des Bandes ein „differenzierteres" - besser gesagt - ein weniger einheitliches Bild, wobei die Interpretation als überdachte Halle immerhin mehr als 75% der Befunde ausmacht. In nur drei Fällen entscheidet sich der Bearbeiter - meist ohne nähere Begründung - für einen offenen Innenhof, in zwei Fällen wird die Entscheidung „Hof oder Halle" offen gelassen. Dabei ist eine gewisse Unsicherheit in der Anwendung möglicher Kriterien unverkennbar, wenn etwa - wie in Alzey-Dautenheim - eine Spannweite des Dachgebälks von ca. 12,50 m möglicherweise als zu groß erachtet wird 14 . Auch in der heutigen Schweiz war der „Typus der Portikusvilla mit Eckrisaliten" weit verbreitet 15 . Grundsätzlich geht auch R. Fellmann von der Existenz einer Halle aus, vermerkt jedoch, dass es oft strittig sei, ob es sich wirklich um eine Halle oder um einen Innenhof gehandelt habe, und kommt zu der Beobachtung, „dass beide Varianten vorkommen". Dem gegenüber zeigt die Durchsicht von mehr als zwanzig Einzelbefunden, dass lediglich im Fall der Villa Aalbühl bei Kloten 16 mit der Annahme eines offenen Hofes zu rechnen ist, während ansonsten im Wesentlichen „der Kernbau aus einer Halle, zwei seitlichen portikusartigen Annexen und einer Portikus vor der talseitigen Hauptfassade" bestand 17 . Eine bauliche Besonderheit stellt die Villa von Holstein dar (Abb. 4), die aus einer 29,50 x 17,50 m großen Halle bestand, deren Dachstuhl von insgesamt 18 Pfosten getragen wurde, deren Basissteine noch erhalten waren 18 . Auch D. Planck gehört - wie eingangs schon vermerkt - zu jenen Vertretem unseres Faches, die beide Baulösungen - Hof und Halle - für möglich halten, wobei er einschränkend und völlig zu Recht darauf verweist, dass die meisten römischen Gutsanlagen ohnehin schon im 19. und zu Beginn des 20. Jhs. ausgegraben wurden und deshalb ein großer Teil der Grundrisse korrekmrbedürftig, d. h. mit anderen Worten, nur bedingt aussagekräftig, sei 19 . Trotz dieser massiven Einschränkung entscheiden