K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
CZYSZ, WOLFGANG - SCHOLZ, MARKUS: Ein Opferdepot in der Römervilla am Kühstallweiher bei Marktoberdorf-Kohlhunden
Obwohl es in Raetien wohl mehr als tausend Gutshöfe vom Typ der villa rustica gab, hat jede, bei aller Einheitlichkeit der architektonischen Gestalt, ein persönliches Gesicht in ihrer unverwechselbaren landschaftlichen Umgebung. Auch die Lebenswirklichkeit der Gutsbesitzerfamilien zeigt ein individuelles Gepräge, so dass auch vom Denkmalcharakter her betrachtet, jede Chance genutzt werden muss, solche von der Zerstörung bedrohten Einzelsiedlungen zu retten, bevor sie vom Bagger niedergewalzt werden. Ein typisches Beispiel ist die neu entdeckte Villa von MarktoberdorfKohlhunden, deren Befunde im vorangehenden Artikel kurz zusammengefasst wurden. Neben den Fundament-Rollierungen einzelner Wohn-, Bade- und Wirtschaftsgebäude lagen über das Areal verstreut knapp ein Dutzend Verfärbungen von mehr oder weniger tiefen Eingrabungen, die im einzelnen belanglos erscheinen, aber doch stets konsequent untersucht werden sollten. Eine völlig unscheinbare Verfärbung zeigte sich am Nordrand der Siedlung, rund 75 m hinter dem Wohnhaus. Dort, am Unterhang, kurz bevor der Hangfuß in die nördliche Talmulde des Moränenhügels übergeht, lag isoliert in der Trassenmitte ein kleines, nur durch eine Fundamentwange fassbares Gebäude von kaum mehr als 5 m Seitenlänge. Knapp 8 m südlich und in keinem unmittelbar erkennbaren Bezug dazu zeichnete sich die humose Spur einer rund 1,4 m großen Grube (Grube 7) ab, über die tonnenschwere Bagger und Lastwagen wohl schon einige Male hin und her gewalzt sein mussten, bevor die Verfärbung entdeckt und untersucht werden konnte. Auf ihrer, ursprünglich höchstens knietief eingegrabenen Sohle standen zwei Dutzend Gefäße, die meisten intakt und tatsächlich ohne Blessuren vollständig erhalten. Sie waren bei ihrer Niederlegung weder in einem Korb, noch in einer (Holz-)Kiste geborgen, sondern standen mit Ausnahme eines Sigillata-Tellers und einer IrdenwareReibschüssel aufrecht auf dem ebenen Boden (Abb. 3). Das lehmig-humose, von Kies durchsetzte Füllmaterial der Grube selbst war nicht geschichtet, sondern mit wenig Holzkohle und vereinzelten verziegelten Lehmbröckchen durchsetzt. Jedenfalls ging daraus klar hervor, dass die Gefäße zu einem Zeitpunkt niedergelegt und die Grube anschließend zugeschüttet wurde - ein klassisches Gefaßdepot. Der im Vorbericht salopp formulierte Titel „Grab ohne Leiche" deutet an, dass wir im ersten Moment an eine Bestattung dachten; freilich zeigte sich bald, dass eine Urne wie überhaupt kalzinierte Knochen des Leichenbrands oder Scheiterhaufenasche fehlten. Außerdem sind Sigillata-Ensembles dieser Art und dieses Umfangs für Grabausstattungen mehr als ungewöhnlich. Sammelfunde wie die Kohlhundener Grube 7 zeigen deutlich, dass ihre Interpretation auf genaue archäologische Detailbeobachtungen angewiesen ist - fröhliches Rätselraten hilft da nicht weiter. Betrachten wir zunächst den auffälligsten Bestandteil, die Terra Sigillata (Abb. 4). Der auf den ersten Blick an ein Service erinnernde Geschirrsatz besteht aus vier SigillataTellern verschiedener, formal nicht zusammenpassender Typen: der Formen Curie 23, Niederbieber 6b (=Ludowici T f) und Drag. 36 (=Ludowici T e) mit kunstvoll in Barbotinetechnik verziertem Rand. Dazu fanden sich ein Sigillata-Napf der Form Drag. 33, eine Reibschüssel der Form Drag. 43 sowie das Bruchstück einer Schüssel der Form Niederbieber 19 mit Barbotinemalerei, sowie zwei große Barbotinebecher Drag. 54