K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

CZYSZ, WOLFGANG - SCHOLZ, MARKUS: Ein Opferdepot in der Römervilla am Kühstallweiher bei Marktoberdorf-Kohlhunden

WOLFGANG CZYSZ - MARKUS SCHOLZ EIN OPFERDEPOT IN DER RÖMERVILLA AM KÜHSTALLWEIHER BEI MARKTOBERDORF-KOHLHUNDEN Im Januar 2002 wurde das Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Thierhaupten, durch einen aufmerksamen Anwohner auf Mauerreste und Ziegel hingewiesen, die in der abgeschobenen Trasse der neuen Staatsstraße 2008 nahe des Weilers Kohlhunden, rund 3 km südlich der Allgäuer Kreisstadt Marktoberdorf, zum Vorschein gekommen waren. Die Fundstelle liegt auf bzw. um eine Moränenkuppe westlich oberhalb des markanten Toteislochs. Dank der verständnisvollen Zusammenarbeit mit dem Straßenbauamt Kempten/ Allgäu konnten wir die 25-35 m breite, damals bereits abgeschobene Trasse noch einmal vorsichtig maschinell abziehen und von Anfang April bis Mitte September zwischen der neuen Brücke im Süden über die Hügelkuppe bis hinunter in die sumpfige Niederung untersuchen. Im kiesigen Geschiebelehm der Trasse zeichneten sich nach dem Oberflächenabtrag durch den Bagger sieben römische Gebäude ab, drei weitere konnten im geomagnetischen Bild erfasst werden, das H. Becker (BLfD München) gemessen hat. Sie konzentrierten sich auf einen Trassenabschnitt von 170 m Länge in nord-südlicher Richtung und umfassen eine Fläche von knapp 7000 m 2 . Alle Gebäude waren nach Südwesten orientiert (Abb. 1). Nach Streulage und Baufypus gehören sie zu einem Gutshof (villa rustica), der nach außen offenbar nicht von einer Umfassungsmauer eingefasst war. Streusiedlungen dieser Art wurden von bäuerlichen Familien betrieben; sie sind auch im Allgäu in einiger Zahl bekannt, obwohl ihre Dichte weit hinter der des Limeshinterlands nördlich der Donau zurücksteht, das eine andere Wirtschaftsstruktur hatte, nämlich die Versorgung der Grenztruppen mit Gütern und Produkten der Landwirtschaft. Das Wohnhaus des Eigentümers oder Pächters (Gebäude 1) lag zentral auf der Geländekuppe. Bei dem über Eck angeschnittenen Raum dürfte es sich um den Nordrisalit handeln, der durch einen mit einer kurzen Treppe erschlossenen Säulengang (porticus) mit dem südlichen Eckraum verbunden war. Größe (der rückwärtige Abschluss konnte mit Hilfe der Geophysik ergänzt werden) und Ausstattung (bemalter Wandputz, Kalkestrichfußböden) entsprechen dem üblichen Wohlstand. 40 m westlich des Haupthauses lag das kleine Familienbad (Gebäude 3), das als Standard antiker Hygiene und obligatorischer Bestandteil bäuerlicher Wohnkultur auf keinem Gutshof fehlte. Das nur 9 x 13 m große, mehrperiodige Gebäude (Abb. 2) besaß alle Funktionsräume und Einrichtungen jener Thermen, wie sie der Römer aus den Provinzstädten kannte: Der Zugang zu dem kleinen Badehaus lag, dem Wohnhaus zugewandt, in einem Korridor (Raum 7), der wie eine Säulenhalle (porticus) überdacht war. Vom beheizbaren Umkleideraum (apodyterium, Raum 2) ging man in das Heißbad

Next

/
Thumbnails
Contents