K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

TEICHNER, FELIX: Neue Forschungen zur ländlichen Besiedlung im Süden der römischen Provinz Lusitanien

Lusitaniens (Abb. 1). Neben der minutiösen Dokumentation des bekannten Baubestandes in Wort und Bild sollten durch großflächige geophysikalische Prospektionen und gezielte stratigraphische Sondagegrabungen die Ausdehnung der Bodendenkmäler, ihre chronologische Entwicklung sowie die architektonische Gesamtkonzeption geklärt werden. Dabei waren neben den bislang zumeist im Vordergrund stehenden Wohnbauten (partes urbanae) nun auch die zugehörigen Wirtschaftsanlagen (partes rusticae) zu untersuchen. Die durchgeführten Geländekampagnen fanden in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Studenten der Universitäten Barcelona, Budapest, Dublin, Galway und Jena statt. Trotz der eher bescheidenen Dokumentationslage zu den älteren Ausgrabungen und Forschungen - als besonders hinderlich erwiesen sich die über die Jahrzehnte hin undokumentiert durchgeführten anastylotisehen Maßnahmen - brachten diese neuerlichen Untersuchungen der Siedlungsstellen eine unerwartete Vielfalt bislang unbekannter archäologischer und bauhistorischer Details zutage. Nach den bisherigen Vorberichten 4 befindet sich derzeit eine monographische Gesamtvorlage dieser Ergebnisse in Vorbereitung, so daß die fünf bearbeiteten Siedlungsstellen an dieser Stelle nur kurz anhand der neu erstellten Gesamtpläne vorgestellt werden sollen. Im Inneren des Provinzgebietes liegt inmitten der bis heute durch Olivenbäume, Korkeichen und Wiesenlandschaft geprägten Region des Alto Alentejo die sanfte Hügelkuppe des Monte da Nora (Terrugem, Abb. 1,1). Im Zuge von Rettungsgrabungen im Vorfeld des Fernstraßenbaus Lissabon-Madrid konnten die hier entdeckten Siedlungsspuren in Zusammenarbeit mit der Grabungsfirma Arkhaios (Évora) großflächig untersucht werden. Überraschend deutlich ließ sich dabei eine Platzkontinuität von der späten Eisenzeit bis in die römische Kaiserzeit nachweisen (Abb. 2). Die nach den Wirren des Krieges gegen Sertorius (80-72 v. Chr.) angelegte Höhensiedlung der einheimischen vorrömischen Bevölkerung wurde mit der Einrichtung der Provinz aufgegeben und das durch Doppelgräben gebildete Befestigungssystem eingeebnet 5 . Die in der nachfolgenden Siedlungsphase über die gesamte Kuppe des Monte da Nora ausgedehnten Gebäudestrukturen gehörten zu einer ländlichen Ansiedlung, für die jüngst in der Forschung der antike Name Montobriga in Anspruch genommen wurde. Der kleine Straßenvicus lag an einer von den Atlantikhäfen Olisipo (Lissabon) und Caetobriga (Setúbal) über Scallabis (Santarem) bzw. Ebora (Evora) nach Osten zur Provinzhauptstadt Emerita Augusta strebenden Femverbindung. Die bei der Freilegung entdeckten landwirtschaftlichen Einrichtungen, insbesondere die Vorratssilos und kleinen Pressen, zeugen von einer in der vorrömischen Tradition weitergeführten Subsistenzwirtschaft; allein das Produktionsvolumen von drei Töpferöfen überstieg den zu vermutenden Eigenbedarf. Der zweite ausgewählte Untersuchungsplatz, das Ruinengelände der römischen Villa von Milreu (Estoi), findet sich im Hinterland der südlusitanischen Hafenstadt Faro, dem antiken Ossonoba, an einem bis heute von ausgedehnten Orangenplantagen bedeckten Westhang (Abb. 1,5). Allein das saisonal trockenliegende Tal des Rio Seco trennt die Siedlungsstelle von der die Küstenlinie mit dem Inneren der Provinz verbindenden

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