K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1997/5. (Veszprém, 1997)

LAMIOVÁ-SCHMIEDLOVÁ, MÁRIA: Hügelgräberfeld aus der römischen Zeit in Zemplin/Ostslowakei - Római kori halomsíros temető a kelet-szlovákiai Zemplénben

Dieses Verhältnis ist ungefähr auch im Rahmen des einzelnen in Zemplin bestatteten Ethnikums gleich. Obzwar in den Gräbern keine landwirtschaftlichen Geräte - oder nur vereinzelt - vorge­funden wurden, kann angenommen werden, daß die Haupternährungsquelle der örtlichen Bevölkerung Landwirtschaft und Viehzucht war. Nachweisbar sind Jagd und Fischfang und die üblichen häuslichen Handwerke. Importgegenstände deuten auf Handelskontakte in Richtung zum Imperium. Die beschriebenen Erkenntnisse und die Lebensweise der Zempli­ner Bevölkerung während der älteren römischen Zeit korrespondieren damit, was in den zeitgenössischen ostslowakischen Siedlungen festgestellt wurde. 39 Lediglich Kriegergräber enthalten Funde, die in Siedlungen fehlen oder nur ausnahmsweise auftauchen. Das Schwert und der Ringpanzer waren in einem Grab, das einem Häuptling zuge­sprochen werden kann. Auch weitere reiche Gräber sind mit Angehörigen der Stammesaris­tokratie verknüpfbar, deren Existenz wir in Siedlungen nicht nachzuweisen imstande sind. It ethnischer Hinsicht können als die ältesten Gräber jene mit spätkeltischer Keramik be­trachtet werden, diese bilden 3,39%. Am zahlreichsten sind dakische Gräber - 30,51%, die an die Wende der Zeitrechnung bis in das ausgehende 1. Jh. datierbar sind. Die Przeworsk­Gräber - 12,99%, stammen vorwiegend aus dem 2. Jh. Die restlichen 53,11% der Gräber konnten ethnisch nicht eingestuft werden. Die historische Situation skizziert sich so, daß an der Wende der Zeitrechnung die ur­sprüngliche keltische Bevölkerung von Dakern beherrscht und allmählich assimiliert wurde. Diese Daker konnten hier auch die Funktion von Wächtern der Westgrenzen erfüllt haben, was aufgrund der verhältnismäßig vielen Kriegergräber anzunehmen ist, die aus dem Innern Da­kiens nicht bekannt sind. 40 Der Untergang der dakischen Vorherrschaft im Theißgebiet hing et­wa mit der Entstehung der römischen Provinz Dakien zusammen, aber beschleunigt war er auch durch die Expansion der Träger der Przeworsk-Kultur aus dem Norden, von welcher diese Re­gion an der Wende des 1./2. Jh. betroffen wurde. Mit ihrer Anwesenheit in Ostungarn, wohin sie ebenfalls vordrangen, rechnet L. Barkóczi schon unter Antoninus Pius. 41 Das Gräberfeld in Zemplin bot bisher die reichsten Informationen über die ältere römi­sche Zeit im Ostteil des Karpatenbeckens. Es scheint, daß es nicht das einzige seiner Art war, von einer ähnlichen Nekropole konnten auch die Gegenstände aus Svätä Mária (jetzt Bodrog) stammen, die im 19. Jh. vom Magyar Nemzeti Múzeum gewonnen wurden. 42 Ein weiteres dakisches Hügelgrab erforschte V. Budinsky-Kricka 43 in Streda nad Bodro­gom - in etwa 15 km Entfernung von Zemplin. Bei der Senkung des Wasserspiegels der Stauanlage Domasa, im Gemeindekataster von Kvakovce (Bez. Vranov nad Toplou) wurden Eisengegenstände aus der älteren römischen Zeit gefunden, die ursprünglich etwa aus Gräbern stammen dürften. 44 Für die mit Silber in­krustierten Eisenspeerspitzen und damaszierten Schwerter sind Analogien auf Przeworsk­Fundstellen in Polen bekannt. 45 Hingegen der Armring mit Schlangenkopfabschluß, der mit ihnen gefunden wurde, ist südöstlichen Ursprungs, er konnte hierher aus dakischem Milieu ge­langt sein. 46 Die angeführten Funde stammen aus einem schon jahrelang unter Wasser stehen­dem Gebiet und sind ziemlich gestört. Deswegen kann nicht gesagt werden, ob das vorausge­setzte Gräberfeld bloß Rachgräber oder auch Hügelgräber aufwies, doch ist das Alter der ge­wonnenen Funde bestimmbar. Sie sind am ehesten in die Zeit einfügbar, wann es zur Begeg­nung der Daker und der Przeworsk-Bevölkerung kam, also in die Zeit um das Jahr 100. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß viele älterrömerzeitliche Fundstellen in der Slowakei noch auf die Entdeckung und Erforschung warten. Vorderhand können wir uns jedoch beim Kennen der ersten zwei Jahrhunderte im oberen Theißgebiet vor allem auf die Grabungser­gebnisse in Zemplin stützen.

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