K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1996/4. (Veszprém, 1996)
ERTEL, CHRISTINE: Altar- und Architekturfragmente vom Tumulusgrab bei Baláca - A balácai halomsír építészeti elgondolása
An diesen beiden Fragmenten fällt wieder die geringere Profiltiefe der geraden Leisten auf, die bei den Fragmenten 903/904 einen Extremwert von nur 2 mm erreicht. Auch das Fragment 1227 erreicht mit 4 mm Profiltiefe nur die halbe Normaltiefe der geraden Leisten. Die normale Höhe der Hohlkehlen III wird nur einmal erreicht (Fragment 1200). Bei den beschriebenen Fußteilen stand zunächst nicht fest, daß es sich um Altarfragmente handelt, da im Gegensatz zu den rekonstruierten Altären I bis III zu den Sockelteilen keine in der Tiefe korrespondierenden Kronprofile und Polster zusammengesetzt werden konnten. Auf den Sockeln konnten maximal 12 cm starke Objekte, am ehesten Inschriftentafeln gestanden haben, die neben oder zwischen die Altäre vom Typ I gesetzt wurden und deren Sockel dem der Altäre angeglichen wurden. Die andere Möglichkeit, die durch die Rekonstruktion des Altars IV bestätigt wurde, bestand darin, daß es sich bei den Objekten mit dem schlanken Fuß um eine Sparform der Altäre handelte, die mit geringerem Materialaufwand die „echten" Altäre imitierte und eine einheitliche Formgebung der Grabdenkmäler am Tumulus erzeugte. In dieser Absicht wurden nicht nur die Fuß-, sondern vielleicht auch die Kronprofile nachgeahmt und mit halben Polstern versehen. Da die Sockel die Profilabfolgen der Altäre aufnehmen, dürften sie jedenfalls auch funktionell mit ihnen in Zusammenhang zu bringen sein. In der Diskussion 15 wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht die gesamte Gruppe der sog. Altarnachahmungen zufällig bei der Gewinnung von Quadern oder Platten einer bestimmten gewünschten Größe (Stärke 25-30 cm, Höhe nach Fragment 350 und anp. Stücke, Taf. 5, ca. 60 cm, Breite bis zu 80 cm) angefallen sein könnte. Nach dieser Theorie wurde die gewünschte Tiefe auf der Seitenfläche zunächst bis zu der „Mauernase" abgearbeitet, dann nach und nach weiter hergestellt. Der Altar wäre bei diesem Arbeitsvorgang in zwei Scheiben zerschnitten worden, wobei die dünnere von der Vorderseite des Altars, damit ein Großteil der unteren Profilierung als Abfall zurückblieb. Möglicherweise wurde der gleiche Arbeitsvorgang von der Oberseite der Altäre ausgehend durchgeführt. In dieser nicht ganz leicht von der Hand zu weisenden Hypothese erscheint es nur unwahrscheinlich, daß die jedenfalls exakter gearbeitete, glatte Vorderseite im Schaftbereich als dünne Scheibe von 12 cm abgearbeitet werden mußte. Wenn diese Seite mit der Inschrift nicht gerade sichtbar bleiben sollte, wäre es wesentlich einfacher gewesen, den Altarschaft in der ursprünglichen Stärke weiterzuverwenden und wenn nötig, an der Rückseite zu glätten. Damit wäre ein Arbeitsgang einzusparen gewesen. Spolien zeichnen sich gerade dadurch aus, daß die ursprünglichen Werkstücke kaum oder nur soviel verändert wurden, daß sie ihre neue Funktion, sei es als Teil eines Steinplattengrabes oder in einem neuen Bauwerk erfüllen konnten. 16 Die Zerstörung von Grabdenkmälern zur Gewinnung von Baumaterial war in der römischen Zeit gesetzlich verboten, wurde aber trotzdem mehr oder weniger häufig verübt. 17 Die Spolienverarbeitung im Mittelalter dürfte sich in der Methodik aber nicht sehr viel von der antiken unterschieden haben. Die größere Häufigkeit der dünneren Sockelobjekte läßt darauf schließen, daß auch die Anzahl der Altamachahmungen größer war als die der Altäre. Wie die in einigen Fällen sehr geringe Profiltiefe der Leisten zeigt, befinden sich auch einige spätere Objekte unter den Altarnachahmungen. Insgesamt zeigt die Ausbildung dieser Stücke im großen das gleiche Phänomen der Tiefenreduzierung wie die Profilleisten im kleinen. Vermutlich ist aus disem Grund die gesamte Gruppe der Altarnachahmungen später anzusetzen als die Altäre. 18 Die Profilsockel können nichts mit den rund um den Tumulus vorhandenen Pfeilervorlagen im Fundamentbereich (Abb. 2) zu tun haben. Vor allem im Eingangsbereich zeigte sich, daß diese eindeutig unterhalb des Bodenniveaus enden. Die Altarnachahmungen können aufgrund ihrer geringen Tiefe nur vor einem Hintergrund, der Tambourmauer, auf den Stu-