K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1996/4. (Veszprém, 1996)

ERTEL, CHRISTINE: Altar- und Architekturfragmente vom Tumulusgrab bei Baláca - A balácai halomsír építészeti elgondolása

samten Benützungsphase ist aber eine starke formale Normierung der Kleindenkmäler durch ein architektonisches Gesamtkonzept zu beobachten. Alle Altäre standen auf der dritten Stufe der Krepis. Gegen andere Möglichkeiten der Aufstellung, z. B. in einer Attikazone, spricht die große Zahl der Altamachahmungen mit geringer Tiefe, die verschiedene Entstehungszeit der Altäre und -nachahmungen sowie die ungleichmäßige Verteilung der Altäre. Die Aufstellung der Altäre entlang der Tambour­mauer hat zur Folge, daß diese mindestens die Höhe der Altäre erreichen mußte, d. h. min­destens eine Höhe von 1,40 m, wenn nicht ihr vorkragendes Kranzgesims aus den roten Sandsteinblöcken mit den Altären in Konflikt geraten sollte. Die Aufstellung der Altäre ist als Resultat eines Überlagerungsprozesses verschiedener Vorstellungsebenen und Zielsetzungen zu verstehen. Die Idee, daß die Positionen der Grab­altäre die Familienstruktur abbilden sollten, gibt das wohl jedenfalls vorhandene und primär verfolgte individuelle Ordnungziel der Familie wieder. Diesbezüglich bestehen zwei Vor­schläge. In der durchaus bestechenden Variante des Autors Fitz ist aus den Grabaltären des Vaters und seiner drei Söhne ein Achskreuz zu rekonstruieren. Die Idee hat den möglicher­weise in einem patriarchalisch geprägten Achssystem als durchaus realistisch anzunehmen­den Nachteil, daß der nach den Inschriften älteste Grabaltar 9 der Familienmutter Valeria keine würdige Aufstellung findet. Sein Platz an der Westseite des Tumulus könnte nur nach den ganz allgemeinen Gesichtspunkten der Landschaftsarchitektur als attraktiv bezeichnet werden. Das Grabdenkmal der Stammutter wäre nicht nur weitab der durch das Achskreuz signalisierten Bedeutungszentren, sondern auch weit von dem ihres Gatten abgerückt posi­tioniert. Eine gewisse Gerechtigkeit mag man darin erkennen, daß der Grabaltar des Fami­lienvaters in der Hauptachse, aber an der von der Villa abgewandten Rückseite des Grab­mals auch nicht viel besser abschnitt. Die einzige aus dem Gesamtgrundriß abzulesende Achsbeziehung zwischen dem Villen­komplex und dem Rundbau, der übrigens selbst in keiner Weise als achsial strukturierte Ar­chitektur zu verstehen ist (und dem auch kaum eine achsiale Struktur von Denkmälern über­gestülpt werden kann), bezeichnet eine weitere individuelle Beziehungsbene. Mir erscheint die durch die Achse Dromosportal-Villa ausgedrückte enge existentielle Beziehung zwi­schen Besitzer und Besitz von vorrangiger Bedeutung zu sein und gemeinsam mit den allge­meinen Prinzipien der römischen Architektur, der Fassadenhaftigkeit einerseits und dem Abzielen auf ein Bescheuerpublikum andererseits, eher geeignet, die Aufstellung der Altäre in dem Sinn zu beeinflussen, daß die ältesten Denkmäler zu beiden Seiten des Dromos an­zunehmen sind. Als Bauwerk richtete sich der Tumulus auch nach den allgemeineren Gesichtspunkten der Landschaftsarchitektur (s. E). Die Wahl der Position des Grabmals und der Grabdenkmäler sollten nicht nur sich selbst genügen, sondern richtete sich auch an die Öffentlichkeit. In der konkreten Situation folgt daraus eine ungleiche Wertigkeit der Tumulusseiten in der im Uhrzeigersinn absteigenden Reihenfolge: SO bis SW (Villa, Plattensee), W, N und schließ­lich O. Es stellt sich nun die Frage, welches Gewicht der Entwurf des Grabmals diesen drei ver­schiedenen Gesichtspunkten zumaß. Gewiß wurden die Ziele der Abbildung der Familien­struktur und der Beziehung der Familie zu ihrem Besitz in einer der beiden diskutierten Ausprägungen vorrangig verfolgt. In diesen Einzelmaßnahmen realisierte und vollendete sich schließlich der ihnen zugrunde liegende primäre mit der landschaftlichen Situation ab­gestimmte Entwurfsgedanke, die bestatteten Familienmitglieder vor ihren Nachkommen und aller Welt über die Zeitlichkeit hinauszuheben.

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