K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - ALVINO, GIOVANNA: Die villa rustica in Mittelitalien am Beispiel des Sabinerlandes
sten Jahrhundert aufweisen 3 ; sie liegen alle sehr tief, in dem Gebiet, das erst vor kurzem als die aus den antiken Quellen vertraute Rosea erkannt worden ist 4 . Mit dem Anbruch der Romanisierung gingen als große Neuerungen in der Agrarlandschaft der Sabina die Errichtung imposanter villae rusticae mit Sklavenwirtschaft, die zur tragenden Kraft der gesamten Region werden sollten, und die Aufgabe der alten Siedlungen einher 5 . Diese territorialen Änderungen verwandelten die Physiognomie der gesamten Gegend, auch wenn über das Land verstreut die bescheidenen bäuerlichen Wohnungen bestehen blieben; sie konnten sich in einigen Fällen auch zu neuen Dörfern verdichten, die entlang den nach der römischen Eroberung gebauten oder erneuerten Straßen entstanden. Vor allem im Bereich der großen villae rusticae begann man - besonders durch Angehörige des Senatorenstandes - mit der Umwandlung der Wirtschaftsform von den engen Verhältnissen des Kleinbesitzes hin zu einer in größerem Maßstab durchgeführten Bewirtschaftung, die auf die Spezialisierung der für den großen Markt bestimmten Produktion ausgerichtet und von der Sklavenarbeit getragen war 6 . Varro, der aus der Gegend von Rieti stammte und dort auch Land besaß, hat uns viele Nachrichten über die wirtschaftliche Situation und die Produkte des Sabinerlandes hinterlassen; in seinem De re rustica bezieht er sich, wenn er die Eigenschaften des idealen Landwirtschaftsbetriebes aufzählt, sicher auf die Gegebenheiten seiner Heimat. Die Quellen überliefern auch die Namen einiger berühmter Landeigentümer, wie zum Beispiel Cato und den des Senators Q. Axius; auch Cicero, Horaz und Agrippa werden als Besitzer von Land erwähnt. In dem um Rieti gelegenen Teil der Sabina ging eine ähnliche Entwicklung, ohne allerdings die Ausmaße wie in den tibernahen Gebieten zu erreichen, wahrscheinlich seit dem ersten Jahrhundert vor Christus in der Umgebung der Stadt vor sich, wo Varro die zwei villae rusticae des Senators Axius erwähnt. Die erste, in „angulum Velini" gelegen, hatte nie das Werk eines Malers oder Dekorateurs gesehen, während die zweite, die in Rosea lag, mit eleganten Dekorationen und Stuck ausgestattet war 7 . Im Velinotal lagen entlang der Via Salaria einige imposante und effektvoll angelegte villae rusticae, in deren pars urbana dem Wasser eine dominierende Rolle zukam. Zu ihnen gehören die sogenannten Villen des Vespasian und des Titus 8 , deren Wirtschaftssystem sowohl auf die Bebauung des fruchtbaren Schwemmlandes im Velinotal als auch auf die Nutzung der höher gelegenen Regionen der Reatiner Berge als Weideland gegründet war; in den gebirgigen Zonen schließlich fiel das Hauptgewicht auf die Almwirtschaft. In diesen weit im Inneren gelegenen Gebieten spielte wahrscheinlich die Sklavenarbeit eine geringe Rolle, während den entlohnten Saisonarbeitern eine größere Bedeutung zukam. Nicht zufällig galt ein Vorfahr Vespasians als Anwerber von Lohnarbeitern, die jedes Jahr aus Umbrien in die Sabina kamen, um hier die jahreszeitlich bedingten Land arbeiten vorzunehmen (Suetonius, Vesp. I, 7). Auf eine erste Periode, in der die landwirtschaftlichen Niederlassungen kleine Familienbetriebe waren, mit Wohnbauten, die wahrscheinlich aus vergänglichen Materialien wie Holz, Lehmziegel, Schlamm und so weiter errichtet waren, folgt im Lauf des zweiten Jahrhunderts vor Christus eine Neuorganisation des Landes, die auf die Veränderung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zurückführen ist. Es ist erstaunlich, wie gut sich die Vorschriften der antiken Agronomen an den archäologischen Zeugnissen nachvollziehen lassen. Die Villen sollten möglichst auf Anhöhen, die kleine Täler beherrschen, und in der Nähe von Wasserläufen angelegt werden. Die Orientierung sollte sich nach den landschaftlichen Gegebenheiten richten. Mit aller Wahrscheinlichkeit waren hier Besitzungen durchschnittlicher Größe gemeint, deren Produkte über den Tiber und die Via Salaria auf den römischen Markt gelangen mußten.