K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - HUDECZEK, ERICH-KAINZ, IRMENGARD: Die Villa von Löffelbach in der Steiermark

ERICH HUDECZEK - IRMENGARD KAINZ DIE VILLA VON LÖFFELBACH IN DER STEIERMARK NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE Die Villa von Löffelbach nahe Hartberg ist die einzige umfangreicher flächig ausgegrabe­ne und vor allem die einzige freigelegte und konservierte Villa in der heutigen Steiermark. Wir kennen von ihr allerdings nur das Hauptgebäude. Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Um­mauerung des Areals usw. harren noch der Lokalisierung und Erforschung. Das Vorhandensein antiker Überreste in den Äckern nördlich des Anwesens Spitzer in der Ortschaft Löffelbach war schon lange bekannt. Immer wieder stieß man hier bei Pflügen auf Mauerreste, Ziegel und Keramikscherben. Dadurch angezogene „Heimatforscher" führ­ten bereits um 1900 erste unsachgemäße Grabungen durch und störten dadurch leider gerade den Badetrakt mit seiner interessanten Raumanordnung ganz empfindlich. Durch die Auf­findung eines römerzeitlichen Brunnens beim Bau einer Wasserleitung neuerlich aufmerk­sam gemacht, führte schließlich Walter Modrijan in den Jahren 1961 und 1962 umfangrei­che Grabungen durch und konnte das gesamte Herrenhaus mit seinem inzwischen gut be­kannten reich gegliederten Grundriß freilegen. (Abb. 1) Modrijan datierte das Gebäude in die Zeit vom frühen 2. Jh. bis ins 4. Jh. n. Chr. 1 und nahm an, daß es sich im Zuge mehrerer Bauphasen bis zu seiner endgültigen Gestalt ausge­weitet habe, die er mit der Kaiservilla von Piazza Armerina auf Sizilien verglich. Für die letzte Ausbaustufe kam er damit auf eine Datierung um 300 2 n. Chr. In Anlehnung an die Villa von Hosszúhetény - Somkerékdűlő 3 nahe Pécs rekonstruierte Modrijan die sechsecki­gen Räume im NO - Trakt als Türme, die allerdings in dieser Anordnung überhaut keine Defensivbedeutung gehabt haben können. Auch die Ausstattung dieses Traktes mit einer Heizungsanlage spricht eigentlich gegen die Verwendung als Wehrturm. Als Kern der Anla­ge aus dem späten 1. bis frühen 2. Jh. sah Modrijan eine „Vierkantvilla", im wesentlichen das Peristyl und die anschließenden Räume 1-4 und 9-13. Die Badenlage (Räume 18-23) nahm er als ursprünglich alleinstehend und gleichzeitig oder unwestentlich jünger als die Vierkantvilla an. Gegen Ende des 3. Jhs. n. Chr. soll nach Modrijan die Villa wesentlich vergrößert worden sein. Der Badetrakt sei um die Räume 14-17 erweitert und mit dem Hauptbau verbunden worden. Hinzugekommen sei auch eine Gruppe von repräsentativen Wohnräumen (Räume 5-8 und 26 und 27) im NO sowie die 9 m x 18 m messende „Basilika" (richtiger „Aula"). (Abb. 2) Die Konservierung der Anlage konnte, wie Modrijan schildert, erst nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten im Jahr 1963 - ein Jahr nach Abschluß der Grabungen - erfol­gen. Der Zustand des Mauerwerkes (ca. 600 Lm) war dadurch bereits schwer beeinträchtigt. Da die Konservierung ursprünglich nur für einen Präsentationszeitraum von 10 Jahren ge­dacht war, mußte sie möglichst kostengünstig und nicht unbedingt dauerhaft ausgeführt werden. Wider Erwarten blieb aber die Ruine, die 1992 von der Gemeinde Löffelbach ange­kauf wurde und nun vom Verein „Villa Rustica" betreut wird, bis heute dem Publikum zu­gänglich und soll es auch in Zukunft bleiben. Eine Generalsanierung der ursprünglich nur auf Zeit konservierten Ruine wurde daher dringend nötig und sollte 1993 unter der Leitung von HJ. Ubl (BDA Wien) in Angriff genommen werden. Da Modrijan z. T. aus Kosten­gründen, hauptsächlich aber aus seiner Scheu, antike Befunde durch Grabarbeiten zu zerstö­ren, meist im obersten Fußbodenniveau gestoppt hatte, legte B. Herbert (BDA Graz) zur

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