K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - ROTH-RUBI, KATRIN: Villenanlagen im Schweizerischen Mittelland und ihr Bezug zum frühmittelalterlichen Siedlungsbild: einige Fallbeispiele

KATRIN ROTH-RUBI VILLENANLAGEN IM SCHWEIZERISCHEN MITTELLAND UND IHR BEZUG ZUM FRÜHMITTELALTERLICHEN SIEDLUNGSBILD 1 : EINIGE FALLBEISPIELE Die Frage nach der baulichen Entwicklungsgeschichte römischer Gutshöfe im frühen Mittelalter steht in vielen Fällen an der Grenze zweier Disziplinen, die unterschiedlicher Herkunft sind: der provinzialrömischen und der Mittelalter-Archäologie. Erstere ist aus dem prähistorischen Arbeitsfeld herausgewachsen und durch klassisch-archäologische Kenntnis­se genährt worden, letztere hat ihren Ursprung unter anderem in der Denkmalpflege, die ih­rerseits von der Kunstgeschichte ausgeht'. Obschon die beiden Wissenschaftszweige heute grundsätzlich gleiche Ziele verfolgen und gleiche Methoden anwenden, bleiben die „Jagdre­viere" doch weitgehend getrennt und eine Zusammenarbeit wird nur selten in Angriff ge­nommen. So wird auch die archäologische Erforschung ehemals römischer Siedlungen, hier im besonderen der Gutshöfe im frühen Mittelalter kaum als gemeinsames Thema behandelt: mit dem Ende der römischen Epoche tritt der provinzialrömische Archäologe meist seine Zuständigkeit ab. Die Sichtweise der Forschung unterliegt damit zwangsweise einem Wech­sel von „spät" zu „früh" bei Phänomenen, die auf einer durchgehenden Linie liegen. Das prägt selbstverständlich Fragestellungen und Ergebnisse 3 . Unser Bewusstsein dieser künstlichen Grenze ändert an der augenblicklichen Forschungs­lage wenig, führt aber doch hoffentlich zu einem allmählichen Abbau der Schranke; vorläu­fig stehen wir allerdings noch am Anfang! Das folgende soll denn auch als Tastversuch in diesem Umfeld verstanden werden 4 . Als Ausgangspunkt scheint mir von Nutzen, einmal die Möglichkeiten für den Besiedlungsablauf der Gutshöfe bis ins Mittelalter in schematischer Uebersicht aufzulisten und durch Fallbeispiele zu erläutern. Ich beschränke mich auf das Gebiet des Schweizer Mittellandes bis in die Umgebung von Genf, in der Antike der öst­lichste Abschnitt der Germania superior und die Nordostecke der Gallia narbonensis. Mögliche Besiedlungsabläufe 1) Die Besiedlung eines Gutshofes endet in der 2. Hälfte des 3. Jh.n.Chr. als Folge der Alemanneneinfälle 5 . Der Platz wird bereits in der Spätantike zur Wüstung und entschwindet aus dem Siedlungsbild des Mittelalters. Die ältere Forschergeneration 6 vertrat die Meinung, dass die grösste Anzahl der Gutshöfe derart aufgelassen wurde. Die bessere Kenntnis des spätantiken Fundstoffes hat aber zu vorsichtigerer Beurteilung geführt, entdeckte man doch mehr und mehr spätantike Relikte im Fundmaterial der Gutshöfe 7 . Heute wird man kaum mehr Schätzungen wagen, wie viele Villen in der 2. Hälfte des 3. Jh.n.Chr. endgültig verlas­sen wurden. Auch kann es verfänglich sein, Beispiele aufzuführen, da nur wenige Gutshöfe flächig mit modernen Grabungsmethoden untersucht worden sind, was eine Grundvoraus­setzung für eine diesbezügliche Beurteilung ist . Als Fallbeispiel darf hier aber doch der Gutshof von Neftenbach ZH genannt werden, eine der extensiv ergrabenen Anlagen der jüngsten Zeit; der Ausgräber und Bearbeiter J. Rychener meint nach mündlicher Mitteilung, dass die endgütlige Auflassung des Gutshofbetriebes in den 80 er Jahren des 3. Jh.n.Chr. lie­gen muss. Er kennt keine Fundstücke aus dem 4. Jh.n.Chr. 9 . 2) Der Gutshof erleidet in der 2. Hälfte des 3. Jh.n.Chr. grosse Beschädigungen, verbun­den mit einem massiven Rückgang der Hinterlassenschaften. Zeugnisse aus der Spätantike

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