K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - REUTTI, FRIDOLIN: Typologie der Grundrisse römischer villen
FRIDOLIN REUTTI TYPOLOGIE DER GRUNDRISSE RÖMISCHER VILLEN GEHÖFT-FORMEN RÖMISCHER GUTSHÖFE IN DEUTSCHLAND UND DEN RÖMISCHEN NORDWESTPROVINZEN Zwei Hauptformen: Achsenhof und Streubauhof (Abb. 1-2). 1) Der Achsenhof: Großes, rechteckiges (manchmal, z.B. in der Picardie und in Heitersheim auch trapezförmiges) Hofareal, normalerweise von einer Hofmauer umschlossen. Ein meist aufwendiges Steingebäude liegt an der einen Schmalseite (Gebäudetypus: Peristylvilla oder Portikusvilla mit oder ohne Eckrisalite). Durch eine Quermauer im Hofinneren wird der Wirtschaftsteil vom Wohnteil abgetrennt: Pars rustica - pars urbana. Im Wirtschaftsteil parallel zu den Langseiten der Hofmauer, z.T. innen an sie angelehnt: viele kleine Wirtschaftsgebäude, vereinzelt auch untergeordnete Wohngebäude; meist das nächst der pars urbana gelegene (Haus des Pächters = 'vilicus'?). Größe der Hofflächen: z.B. Anthée: ca. 13 ha. In Deutschland im Durchschnitt ca. 4-5 ha. Verbreitungsschwerpunkte: in Deutschland linksrheinisch (Eifel u. Trierer Raum); Nordwestschweiz; in Frankreich: Picardie, aber auch in anderen Teilen, z.B. Pyrenéenvorland (Forschungstand?!); in England bei einigen 'Courtyardvillen' verwandte Strukturen. 2) Der Streubauhof: Ein kleineres (!) Hofareal hat meist nicht rechteckige, sondern trapezförmige bzw. polygonale Grundfläche (ca. 1-3 ha). Nebengebäude von unterschiedlicher Zahl sind unregelmäßig im Hof verteilt, dabei z.T. an die Hofmauer angelehnt. Das Hauptgebäude ist in etwas herausgehobener Lage, manchmal etwas erhöht, in den Hof eingebunden. Es hat meist weniger aufwendige Gebäudeform: Hallenhaus oder Innenhofhaus mit oder ohne Portikus-Risalit-Fassade, aber auch kleine Portikusvilla mit Eckrisaliten. Verbreitung: rechtsrheinisch durchgängig, aber auch die Masse der linksrheinischen Gutshöfe; Nordwestschweiz. Für andere Länder wegen des Forschungsstandes keine präzisen Aussagen möglich. Mögliche Gründe für Hofform und Wohnhaus-Typus: Kapitalkraft des Eigentümers bzw. Siedlers und die Größe des gesamten Grundbesitzes. Alte Besitzverhältnisse (z.B. „keltischer Landadel") oder Neusiedlung (Veteranen, vom Staat neu aufgeteiltes Siedlungsland), Zeitpunkt der Hofgründung. Geophysikalische Gegebenheiten und Bodenqualität, Ertragslage. Schwerpunkt der Erwerbsart innerhalb des Betriebes: Ackerbau, Wein/Öl/Obst, Viehzucht (Agache: in der Picardie wohl Schafzucht. So auch in Eifel und Schweiz?). Überschußproduktion oder reine Subsistenzwirtschaft (Eigenbedarf). Nähe zu Absatzmärkten, Verkehrsanbindung, Infrastruktur. Reine Landwirtschaft oder Nebenerwerb durch Handwerk oder aber Erwerbsquelle ganz außerhalb der Landwirtschaft (Händler und Beamte in Suburbanvillen, evtl. mit kleiner Landwirtschaft für Eigenbedarf). Bisher ist kaum genau zu sagen, welche der Faktoren für die Wahl der Hofform entscheidend sind. GRUNDRIßTYPEN DER HAUPT-WOHNGEBÄUDE DER VILLEN IN DEN NW-PROVINZEN, AUSGEHEND VON DEUTSCHLAND Materialbasis für Deutschland: ca. 300 typologisch verwertbare Hauptgebäudegrundrisse, d.h. bei ehemals ca. 3000-5000 Villen maximal 10%. Bestimmte Grundrißtypen kehren aber immer wieder.