Savaria - A Vas Megyei Múzeumok értesítője 31/2. (2007) (Szombathely, 2008)

Karin KÜHTREIBER - Thomas KÜHTREIBER: Korai várépítés és hatalom Alsó-Ausztria délkeleti részén

Historischer Rahmen Ab dem 10-11. Jahrhundert ist das heutige südöstliche Niederösterreich his­torisch durch seine Grenzlage zwischen dem bayrischen Ostland/Osterreich und dem ungarischen Territorium wesentlich geprägt. Dieser Umstand macht es bis weit in die Neuzeit zum Austragungsort zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen, deren Ursachen mitunter auch in den engen, grenz­überschreitenden Besitzverflechtungen und Einflusssphären beruhen. Gene­rell liegen für das Gebiet einzelne moderne und auf gesicherter Quellenbasis ruhende Detailarbeiten vor (WELTIN 1986-87; WELTIN 1998; WELTIN 1999; MOCHTY 1998; KUPFER 2000), eine zusammenfassende, siedlungs­geschichtliche Fragestellungen berücksichtigende Arbeit fehlt jedoch. Einer kritischen Bewertung müssen vor allem die in der heimatkundlichen Literatur zumeist überzeichneten Ausführungen der Auswirkungen der vielen Kriegshandlungen unterzogen werden. Mit der Ungarnherrschaft in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts sind aus Sicht der landeskundlichen Forschung alle bayrischen Herrschaftsstrukturen der Karolingerzeit zu Grunde gegangen, der bayrische Adel dürfte erst ab den 70er Jahren des 10. Jahrhunderts in dem Raum wieder Fuß gefasst haben. Um 1002 lässt sich die March als Reichsgrenze nördlich der Donau feststellen, während im Wiener Becken zunächst die Fischa die Grenze zu Ungarn bildete. Ansprüche zur Gebietserweiterung des bayrischen Ostlands Richtung Ungarn manifestieren sich jedoch deutlich mit der Errichtung der „Heimenburg" (Hainburg) ab 1020. Eine dauerhafte Konsolidierung der Reichsgrenze an der Leitha gelang erst nach den Ungarnkriegen unter Kg. Heinrich III. nach 1043 (WELTIN 1999: 262). Die in der älteren historischen Literatur mit den Ungarn in Verbindung gebrachten „Gyepü-Linien", also Verhaagungen, die zur Grenzsicherung gedient hätten, lassen sich über die Schriftquellen erst auf den weiter östlich liegenden, ungarischen Raum beziehen und sind für Niederösterreich nicht nachweisbar (WELTIN 1992: 83-84). Die Fixierung der Leithagrenze um die Mitte des 11. Jahrhunderts bewirkte folglich, dass im Bereich des Wiener Beckens und des südlich anschließenden Pittener Gebietes bis zur Leitha bayrische Hochadelige mit ihrer Gefolgschaft sukzessive ein Netz von Stützpunkten und damit Herrschaften gründen kon­nten, während die Gebiete östlich der Leitha unter ungarischem Herrschafts­einfluss standen. Dass die Leitha als Grenze nicht so fest geschrieben war, wie dies der Begriff „Grenze" vermuten lässt, zeigen die in der Folge wechselseitigen Vorstöße und Besitzansprüche im jeweils fremden Gebiet. Ausgesprochene Grenzraumverletzungen seitens des österreichischen Adels, wie Besitzan­eignungen jenseits des Ungarbachtales durch die Grafen von Formbach und ihre Gefolgsleute oder die Errichtung der Burg Landsee durch die steirischen Stubenberger, die diese wenigstens über zwei Generationen behaupten konnten,

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