Savaria - A Vas Megyei Múzeumok értesítője 3. (Szombathely, 1965)

Maria Zlinszky–Sternegg: Beiträge zur Baugeschichte der ehemaligen Zisterzienserabtei Sant Gotthard (Szentgotthárd)

ist also nicht am Ort der dritten Kirche zu suchen, sondern in der Gegend der zweiten, am Nordrand des Plateaus. Wenn wir auf dem Bild dieser zweiten Kirche (S. Abb. 1.) den Pfeiler in der Nordost­ecke, die Rundbogen und den Turm genau betrachten, müssen wir sie für Überbleibsel der ersten Kirche halten. Somit aber steht die zweite, die Széchenysche Kirche genau auf der Fläche der ersten, mittelalterlichen. Der Literatur nach soll die zweite Kirche aus den Steinen der mittelalterlichen Ruine erbaut worden sein. Es wäre aber leicht möglich, daß nicht nur das Baumaterial, sondern auch Mauerzüge der ersten Kirche, eingebaut in den Neubau der zweiten Kirche, erhalten geblieben sind. Viele Probleme der merkwürdigen Architektur fänden dadurch ihre Erklärung: die besondere Stärke der Mauern, die eingebauten romanischen Rundbogen (S. Abb. 25 — 26), die aussergewöhnlichen Maße des Innenraumes und der Fassade, usw. (S. Abb. 22 — 24., 27). Wir haben, vom Kornspeicher ausgehend versucht, die mittelalterlichen Stiftsbauten theoretisch zu rekonstruieren. (S. Abb. 2.). Dabei stießen wir auf mancherlei Schwierig­keiten. So z.B. ist die Angabe Pilgrams über die Länge der Kirche von 94 m kaum glaub­haft. Dies würde sogar die Länge der Mutterkirche von Trois Fontaines (S. Abb. ungefähr 70 m) weit übertreffen und hätte zur damaligen Zeit in ganz Ungarn nicht ihresggleichen. Wir vermuten hier einen Fehler: statt 297 Fuß könnte man vielleicht 207 oder 197 lesen. Das würde mit der Länge der nahezu gleichaltrigen ungarischen Kirche von Zirc ungefähr übereinstimmen. Gegen das Vorhandensein mittelalterlicher Mauerzüge spricht die Breite der zweiten Kirche: 9,5 m im Langhaus. Bei der Demolierung der dreischiffigen ersten Kirche mußten die Seitenmauern widerstandsfähiger gewesen sein, als die Pfeilerreihen zwischen dem Haupt-und den Seitenschiffen. Wenn die 9.5m der Breite des Hauptschiffes der ersten Kirche entsprechen, so könnten wir annehmen, daß die zweite Kirche zwischen den Pfeilerreihen des Hauptschiffes der ersten Kirche steht. Jedoch ist es möglich, daß die Südseite mit jener der ersten Kirche identisch ist (freilich nur teilweise), die Nordseite der zweiten Kirche aber auf die Pfeilerreihe der Evangel ienseite der ersten Kirche aufgezogen wurde (Nord- und Südseite der zweiten Kirche sind asymetrisch. S. Abb. 18 — 19). Trotz dieser Probleme können wir wohl mit Recht vermuten, daß bedeutende Teile der mittelalterlichen Kirche von Sankt Gotthard in dem heutigen Kornspeicher eingebaut wurden, und daß man weitere Teile der Grundmauern im Osten des Burghügels ausgraben könnte. Das mittelalterliche Klostergebäude schloß sich an die Südseite des heutigen Speichers an. Im wesentlichen war es identisch mit den Wohnflügeln, die auf dem Bilde aus dem Jahre 1734 zu sehen sind und die man nach 1746 abgetragen hat. Die Grundmauer wäre unter dem Hof zwischen der Barockkirche und dem Granarium zu suchen. Nach einer literarischen Angabe sollen zwar hier auch schon die Grundmauern des Nordflügels des Barockklosters gelegt worden sein, doch ist anzunehmen, daß hier wenigstens teilweise auch noch die mittelalterlichen Reste aufgefunden werden könnten. Es wäre also ratsam, vor der Restaurierung der ehemaligen Abtei auch die archäolo­gische Untersuchung der mittelalterlichen Fundamente durchzuführen. Erst auf Grund der Ergebnisse dieser Forschung, — welche vielleicht die Reste eines der imposantesten mittelalterlichen Baudenkmäler Ungarns zutage fördern könnte, — sollte über das weitere Schicksal der Széchenyischen Kirche entschieden werden. * Wir möchten abschließend noch erv/ähnen, daß uns bei der vorliegenden Arbeit Herr P. Hermann Watzl, Archivar des Stiftes Heiligenkreuz, in ganz besonderem Maße behil­flich war. Sowohl durch die Ermöglichung der Forschung im Archiv, wie auch mit seinem wertvollen Ratschlägen hat er viel zur Ausführung beigetragen. Wir wollen ihm dafür auch an dieser Stelle aufrichtigen Dank sagen. 313

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