Gaál Zsuzsanna – K. Németh András (szerk.): A Wosinsky Mór Múzeum évkönyve 38. (Szekszárd, 2016)

Balázs Kovács Sándor: „Pöstyénben sok nevezetes esmeretségeket tettem.” A tolnai köznemesség fürdőélete a reformkorban

SÁNDOR BALÁZS KOVÁCS Badebetrieb des Tolnaer Adels in der Reformzeit Die Badekultur gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Die ungarische Bedeutung des Wortes „Baderei” hat im historischen Sinne eine Vieldeutigkeit. Die größte Artenvielfalt ihres Bedeutungsgehalts erreichte sie im 19. Jahrhundert, als dieses Wort neben der Waschung auch die Frischung, den Sport und Ertüchtigung, die Heilung der Bedürftigten und nicht zuletzt auch die angenehme Freizeitverbringung, Erholung, Vergnügen und sogar den Sommerurlaub einbegriff. Die zerstreuten Güter, die weitverzweigte Verwandschaft bemüßigte den Landadel zu häufigen Briefwechseln und Reisen, unwidersprochen damit das Allerweltsding über eine eingezogene und langweilige Landeslebensweise. Neben den gelegentlichen Besuchen - welche meistens ohne Einladung stattdanden und mehrere Tage lang dauerten - boten sich zahlreiche Gelegenheiten für Zusammenkünfte von größeren Gesellschaften. Der ungarische Adel bevorzugte am Anfang des 19. Jahrhunderts noch die Badeorte über der Grenze. Im Sommer besuchten sie diesen oder jenen Badeort, in erster Linie waren die Urlaubsorte der Länder im Habsburger Reich beliebt. In Karlsbad (Tschechien) war die Familie Bezerédj oft zu Besuch, aber die Familie von Ida Csapó, oder sogar der Obergespan unseres Komitates, Graf Antal Apponyi hielt sich gerne dort oft mit seiner Familie auf. Die Tochter namens Ida von Daniel Csapó kränkelte oft, sie wollte auch Kinder haben, so besuchte sie mehrere Badeorte in Ungarn und im Ausland bei ihren Heilkuren (Balatonfüred, Bártfafürdő, Ischl, Baden, Pirawarth). Der eine vom Adel des Komitates Tolnau meist beliebte und besuchte ungarische Badeort war Pöstyénfürdő (Bad Püschtin) in Oberungarn. Die Mitglieder der Familie Bezerédj besuchten diesen Badeort jedes Jahr regelmäßig und verbrachten hier immer mehrere Wochen im Sommer. Ein sehr beliebte Begegnungsstätte im Sommer war Balatonfüred, wo sich neben den heilenden Menschen auch die Mitglieder der Oppositionsparteien regelmäßig getroffen haben. Füred zu besuchen war im Anfang die Möglichkeit einer genau bestimmbaren Gesellschaftsschicht. Unter den Besuchern finden wir zum Beispiel Imre Sztankovánszky (und seine Familie) - damals Obergespan der Komitates Tolnau -, dann Antal Gindly und Döry, aber Daniel Csapó und seine Familie waren auch regelmäß zu Gast dort. Die ganze Adelwelt (die Aristokraten und Mitteladelige) erschien in den Sommermonaten in Balatonfüred. 465

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