Gaál Zsuzsanna - Ódor János Gábor (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum évkönyve 35. (Szekszárd, 2013)

Balázs Kovács Sándor: A sárközi parasztság szabadidős tevékenységei a 19-20. században

SÁNDOR BALÁZS KOVÁCS Freizeit des Bauerntums in Sárköz Das wichtigste Element der Freizeit auf dem Lande ist die Saisonalität. Der Unterschied in der Größe der Freizeit malt sich im Sommer und im Winter bei Struktur, Inhalt und Funktion der Freizeit auch. Die Freizeittätigkeiten vom Frühling bis Herbst sind viel mehr knapp und dürftig, als im Winter. Die Art der Freizeitverbringung im Winter zeugt davon, daß die Menschen einen wahren Anspruch haben, ihre Freizeit so vielfältig wie möglich zu verbringen. Die Länge der Freizeit kann in Winterzeit viel größer sein, als vom Frühling bis Herbst, man kann es in der Vielfältigkeit der Form und Inhalt, sowie in der Häufigkeit der einzelnen Tätigkeiten genau messen. Die ständigen Elementen der Freizeitverbringung sind im Winter die Geselligkeiten und Abendgesellschaften, für diese Jahreszeit fallen auch die gemeinsame Arbeiten, welche die Funktion der Produktion und der Unterhaltung miteinander verbinden. Dies wird dann mit einer passiven Erholung ergänzt. Auf dem Lande ist die andere typische Eigenart der Freizeitverbingung, daß es einen riesigen Unterschied in der zur Verfügung stehenden Freizeitmenge zwischen den Wochentagen und dem Sonntag gibt. Am Sonntag kommt die Unterhaltungsfunktion der Freizeit in den Vordergrund, wo es im allgemeinen um irgendein geselliges Beisammensein geht. Die Eigenheit der Freizeit der Dorfbewohner stellen die produktbildenden Tätigkeiten dar, welche die Funktion der Erholung und der Unterhaltung gleichzeitig erfüllen. Diese werden durch die Beschäftigungen ergänzt, welche eben zum Kreis der festgesetzten Termine, der Erholung oder Unterhaltung hingehören. Manche Landwirtschaftsarbeiten werden mit der Hilfe der Nachbarschaft geleistet, wie z.B. Getreide ernten, dreschen, hacken, usw. Nach dem Beenden der Arbeit kommt der Abendtrunk, der organisch mit der früher geleisteten Arbeit verbunden ist. Die Freizeit der Dorfbewohner lassen sich in zwei Kategorien unterscheiden: die erste wird als gebundene Freizeit benannt, welche die Bauernbürger nach dem Wunsch des Ortsvorstandes verbringen mußten. Erst dann konnte die wahre Freizeit in Frage kommen, welche man dann nach freier Wahl verbringen durfte. Die Festzeit ist eine besondere Periode (aus religionsethnologischer Hinsicht betrachtet eine „heilige Zeit“), wenn die Gemeinschaft sich anders benimmt wie gewönlich, festliche Sitten ausübt, andere Vorschriften und Verbote einhält, als an normalen Werktagen. Ihr Entstehen befriedigt wichtige Gesellschaftsbedürfnisse, jede menschliche Kultur kennt Festzeiten. Zu dieser Zeit verändert sich der gewöhnte Lebensrhythmus, die tägliche Arbeit tritt ihren Platz den Festakten ab, welche oft anregend auswirken (Tanz, Gesang, etc.), bzw. durch das mündliche oder imitative Wachrufen von vormaligen und gemeinsamen Ereignissen das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gesellschaft steigern. Bei friedlichen Umständen fand die Wahl der Richter und des Geschworenengerichts statt, welche Akt für den größten Teil der Bauernbürger in Sárköz fast jedes Jahr verbindlich war. Relativ wenige Menschen hatten im Dorf das Wahlrecht, aber auch die passive Teilnahme an den Wahlen bedeutete eine angenehme Unterhaltung. Die Wahl war mehr als eine einfache Stimmabgabe, zu dem ganztägigen Programm gehörte der feierliche Gottesdienst, der vorschriftsmäßige Prozeß der Wahl, die Chancen der Kandidaten auf die Waage legen, der Stimmenfang für den einen oder anderen Kandidaten, sowie nach der Wahl die Eidablegung der neulich gewählten Amtsinhaber in der Kirche und zum Schluss die Belustigung, welche von dem neuen Richter veranstaltet wurde. Auch die regelmäßig geführten Inspektionen schloßen mit Festmahlen, bei denen den Brandschutz der 375

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