Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 29. (Szekszárd, 2007)
Zalai-Gaál István: Von Lengyel bis Mórágy. Die spätneolithische Grabkeramik in Südtransdanubien aus den alten Ausgrabungen. I. Analyse
5.5. Keramische Verzierungen Verzieru ngstechnik 77,6% (570) der südtransdanubischen Grabkeramik wurde mit Handhaben (Buckel, Buckelgriffe, Knubben, Warzen, Ansätze, Henkel, Henkelgriffe, Bandhenkel, usw.) versehen. Breite und seichte, eingeglättete Motive sind nur für 2,0% (15) der Gefäße typisch. Der Anteil der dünnen, eingeritzten Verzierungen nimmt lediglich 2,5% (19) ein. Aus kleinen Löchern bestehende Wellenmotive kommen nur einmal vor (0,1 %). In 50,2% der Fälle (369) finden sich Spuren von Gefäßbemalung. Die Verwendung roter Farbe ist allgemein verbreitet. Die mit roter Farbe kombinierte weiße Bemalung hingegen konnte nur an zwei Keramikgefaßen beobachtet werden. Die Kombination roter und gelber Farbe ist nur einmal vorhanden. Die Zahl der mit gemalter Verzierung versehenen Gefäßen - besonders bei der Feinkeramik - dürfte ursprünglich viel größer gewesen sein, da die nach dem Brennen aufgetragenen Motive durch äußere Einflüsse (Bodenchemie etc.) während der vergangenen Jahrtausende vernichtet wurden. In den meisten Fällen wurde die ganze Oberfläche der Gefäße flächig bemalt, Einzelmotive kommen seltener vor. Häufiger wurde nur die Innenfläche oder nur der Innenrand bemalt. Das gemeinsame Vorkommen von gemalter und plastischer Verzierung ist für 35,0% (257) der untersuchten Grabkeramik typisch. Aufgemalte und eingeritzte Verzierung wurde in 0,6% (5), aufgemalte und eingeglättete Verzierung in 0,2% (2), „Buckelverzierung" und eingeglättete Verzierung in 0,5% (4) der untersuchten Fälle registriert. Der Anteil der Gefäße mit Bemalung, Handhaben und eingeglätteten Motiven liegt bei nur 0,9% (7) ein. Im Hinblick auf die relativchronologische Stellung könnte die Tatsache von Bedeutung sein, dass für ein gemeinsames Vorkommen von eingeritzten und eingeglätteten Motiven aus der südtransdanubischen Gruppe der Lengyel-Kultur keine Belege bekannt geworden sind. Verzierungsmotive „Gefaßverzierungen scheinen nicht einem Zeitgeist, modischem Empfinden, einem horror vacui oder gar bloßen Willkürakten ihrer Hersteller zu entspringen, lassen sich vielmehr als Ausdruck übergeordneter Bedeutungszusammenhänge begreifen, sind damit aber Normen, Regeln und Zwängen unterworfen, die sozial, religiös, regional oder auch zeitlich bedingt sein können. Verzierungen können als Spiegel des Regelwerks höherer Sinnsysteme, als kulturelle Bedeutungsträger interpretiert werden" - stellt M. Strobel in seiner die Linienbandkeramik analysierenden Arbeit fest 263 . Die Änderungen der keramischen Verzierungen kann man als relativchronologisch bedingt interpretieren, aber die Frage nach der ursprünglichen Bedeutung der Motive kann nicht einmal durch die umfassendste Analyse beantwortet werden. Die sich in der Gefaßverzierung widerspiegelnden Regeln kann man besser fassen, wenn die Verzierungssysteme und Kompositionen auch an Hand der Dispositionen untersucht werden. Die Verzierungen bestehen aus Grundmotiven - und zwar aus kurvolinearen (1) und rektilinearen (2) Motiven. In die Analyse der keramischen Verzierungen haben wir auch die Keramikgefaße einbezogen, die nicht gezeichnet wurden, aber von J. Dombay beschrieben worden sind. Kurvolineare Motive sind an 32,1% (54) und rektilineare an 67,8% (114) der behandelten Keramik zu fassen. Das Phänomen, dass die Proportionen der mit rektilinearen Motiven versehenen Gefäße etwa dem doppelten Wert der mit kurvolinearen Motiven verzierten Gefäße entspricht, dürfte fur die relative Chronologie von Bedeutung sein. Grundmotive und Motivgruppen Innerhalb der beiden Stile kann man die folgenden Grundmotive und Motivgruppen herausstellen: laSpiralen (15,2%, 20) eingeritzt (lal-3,0%, 4), eingeglättet (la2-3,0%, 4) oder gemalt (la3-9,l%, 12); lbHalbkreise (9,9%, 13) eingeritzt (lbl-3,0%, 4) oder eingeglättet (lb2-6,8%, 9); lc - Scheiben (lcl-12,9%, 17) gemalt; ld-Sondermotive (1dl-0,7 %, 1); 2a-Mäander (3,8% , 5) eingeritzt (2al-l,5%, 2) oder gemalt (2a2-2,2%, 3); 2b-hängende Vierecke (2bl-21,3%, 28) gemalt; 2c-Zickzack- und Wellenmotive (5,3%, 7) eingeritzt (2cl1,5%, 2), gemalt (2c2-3,0%, 4) oder plastisch (2c3, 0,7 %, 1); 2d - gerade Linien (28,2%, 37) Ebd. 27. 71