Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 23. (Szekszárd, 2001)
Pásztor Adrien: A budakalászi avar kori lakosság etnokulturális kapcsolatai
getragenen Holzbüchsen mit Bronzebeschlägen (Abb. 3.: Grab 458). In awarischer Umgebung entstandene Denkmäler germanischer (alemannischer, bajuwarischer, gepidischer usw.) Ethnika stellen auch die Schnallen mit ovaler Zwinge, die am Mittelblech ausgeschnittenen und tauschierten Gürtelbeschlägen (mit Silbereinlage) bzw. Riemenzungen usw. dar. Häufig hatte man im Grab nach heidnischem Ritus Speise- und Trankopfer in Tongefäßen deponiert. Bei der Mehrzahl handelt es sich um handgeformte Keramik, die höchstwahrscheinlich von der kaum 7 km entfernten Siedlung aus dem 7. Jahrhundert stammt. Der im Frauengrab 740 neben dem Sarg platzierte Messingkrug, ein einzigartiges Denkmal der spätantiken bzw. frühbyzantinischen Kunst des 5.-6. Jahrhunderts, könnte als Beutestück oder als Geschenk zu den Awaren gelangt sein. Bis man es in der Erde vergrub (zweites Drittel des 7. Jh.), hat das Henkelgefäß mit goldähnlichem Glanz - dessen Pracht die Silber- und Messingeinlagen noch erhöhten - seinem(n) Eigentümer(n) gewiss lange Jahrzehnte als Tischzierde gedient. Dieses im nordöstlichen Winkel Pannoniens gelegene Regionalzentrum mit großer Bevölkerungszahl dürfte in der Frühawarenzeit hauptsächlich zur Sicherung des Donau-Flussübergangs entstanden sein. Auch nach den 630er Jahren, ab der zweiten Hälfte bzw. dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts, deuten die sozialen Verhältnisse der Dorfgemeinschaft von Budakalász auf das Weiterbestehen der großfamiliären Bindungen hin. Ähnlich wie im frühawarischen Zeitalter spiegeln die verwandtschaftlichen Beziehungen eine militärisch ausgerichtete Gliederung der Gesellschaft wider. Die Waffengürtel der Männertracht, ohne Nebenriemen, verzierte man meist mit Flechtband- bzw. Rankenornamenten (Grab 205) oder auf Blech gepressten Greifendarstellungen (Grab 89) und ausgeschnittenen Blechbeschlägen (Grab 85). Am Pferdegeschirr erschienen die eisernen Knebeltrensen und die Kandaren schmückenden Blechphaleren. Die Waffengürtel mit gegossenen Bronze- und bronzeverzinnten Beschlägen wurden wohl vorwiegend von den lokalen Militärführern des Awarentums getragen. Nach dem Fundgut der im mittleren Drittel des 8. Jahrhunderts angelegten Gräber zu urteilen, behielt man die Blechbeschläge der vergangenen Periode an den schon einfacher konstruierten Gürteln bzw. Pferdegeschirren zwar bei, ergänzte diese aber bereits mit bronzegegossenen Greifen-Ranken-Beschlägen (Grab 81, 85). Die Reitergräber der die führende Position in der sozialen Hierarchie der Gemeinschaft von Budakalász einnehmenden Schicht der freien Krieger blieben weiterhin Kammergräber. Das Pferdegeschirr der ranghohen Dienstgrade zierten silbergepresste- bzw. bronzeverzinnte Blechphaleren und Beschläge. Dem Pferd des Reiters von Grab 81 hatte man eine S-förmig gebogene, in einem Drachenkopf endende Knebeltrense ins Maul gelegt, die das Grab als eines der spätesten des Gräberfeldes ausweist. Die Angriffswaffe der ranghohen awarischen Reiterkrieger des späten Zeitraums war die Tüllenlanze, mit der die Anführer an der Spitze ihrer Einheiten den seit Jahrhunderten strategisch wichtigen Donauübergang verteidigten. Die Freilegung des Gräberfeldes ist nicht abgeschlossen. Zusammenfassend kann man dennoch sagen, dass das Fundmaterial des 7. Jahrhunderts die Verwandtschaft mit den bedeutenden awarenzeitlichen Gräberfeldern Pannoniens von Csákberény, Környe, Kölked und Zamárdi-Réti földek - in deren Trachtgegenständen germanische Beziehungen fortleben - entschieden unterstreicht. Das von Vielfalt geprägte Fundmaterial der frühen Periode ist der Spiegel einer Bevölkerung heterogener Zusammensetzung. Neben dem führenden, die Militärmacht verkörpernden asiatischen Awarentum erlangte auch die gegenständliche Hinterlassenschaft des einheimischen germanischen Ethnikums und der romanisierten Bevölkerung spätantiker Kultur bzw. des Ethnikums frühbyzantinisch-balkanischer Herkunft eine bedeutende Rolle. Im Zeitraum zwischen dem Anfang des 7. und dem ersten Drittel des 8. Jahrhunderts allerdings gelang es der aus Asien stammenden awarischen Führungsschicht auch in Budakalász, ihre Vormachtstellung gegenüber der einheimischen, sozial mehr und mehr miteinander verschmelzenden Bevölkerung zu behaupten und auszubauen. 101