Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 22. (Szekszárd, 2000)

Gaál Zsuzsanna: Egy birtokos nemesi család válsága és felbomlása a 19. század második felében

Zsuzsanna Gaál Die Kriese und der Zerfall einer adeligen Familie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geriet der Grossteil der mittleren Grundbesitzer adeligen Stammes in eine Tiefe wirtschaftliche Kriese. Viele von ihnen verloren einen erheblichen Teil ihres Grundbesitzes oder sogar des ganze Familiengut. Diesem Schicksal konnte auch Mihály Dőry nicht entgehen. Infolge seiner hohen Verschuldung musste er im Jahre 1863 sein ganzes Landgut verkaufen. Im ersten Teil der Abhandlung wird die Blütezeit der Familie Döry dargestellt, in der sie am Aufang des 18. Jahrhunderts zu einem riesengrossen Landgut im Komitat Tolna kam und dem entsprechend eine hohe gesellschaftliche Stellung errang. Das über 20.000 Joch grosse Landgut sicherte verhältnismässig lange einen bemerkenswerten Wohlstand für die ganze Familie. Die ersten Zeichen einer späteren Kriese zeigten sich bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da das Landgut zwischen den unzähligen Familienmitgliedern aufgeteilt wurde. Der Grundbesitz, den Mihály Dőry von seinem Vater im Jahre 1817 erbte, betrug nur noch eine Grösse von 500 Joch. Und der Aufteilungsprozess setzte sich weiter fort. In der Ehe von Mihály Dőry wurden insgesamt 11 Kinder geboren. Auch die Aufhebung der Leibeigenschaft hatte fatale Folgen für die Familie, die dann ungefähr die Hälfte des früheren Landgutes besass. Während der Grundbesitz immer kleiner wurde, stiegen die Schulden enorm hoch. Zu dieser Situation trug in grossem Masse bei, dass Mihály Dőry ein schlechter Landwirt war, der den veränderten Verhältnissen seine Wirtschaft und Lebensweise nicht anpassen konnte. Nachdem er sein ganzes Landgut verlor, musste er eine Stelle in der Komitatsvervaltung annehmen. Als Gerichtbeisitzer bezog er aber nur eine bescheidene Summe, die den Lebensunterhalt der grossen Familie kaum sichern konnte. Die Dörys hatten nicht einmal einen festen Wohnsitz: der Vater wohnte im Komitatshaus, die Mutter und die Kinder fanden Unterschlupf mal bei Verwandten, mal in verschiedenen Mietwohnungen in Szekszárd, in Pécs oder in Bonyhád. Es fehlten die nötigen finanziellen Mittel auch für die Ausbildung der Kinder. Von den 5 Jungen konnte nur einer das Jurastudium beenden, das am Ende des 19. Jahrhunderts eine unerlässliche Voraussetzung für eine Karriere im öffentlichen Leben war. Die anderen Brüder mussten als Kleinbeamte ihren Lebensunterhalt bestreiten, so gehörten sie praktisch nicht mehr zu der noblen Mittelschicht. Die Mädchen hatten es auch schwer bis auf Nathalie, die dank einem unglaublichen Glück Graf Sándor Széchenyi heiraten konnte. 290

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