Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 20. (Szekszárd, 1998)
Gere László: Bácskai avar leletek
Die Funde von Szeghegy können auf Grund der dort gefundenen Solidus Stücke von Heraclius I. und Heraclius Constantinus (613-641) auf das erste Drittel des VII. Jahrhunderts datiert werden. Das awarische Gräberfeld von Adorján kam bei Dammbau-Arbeiten zum Vorschein. Der Fundort ist etwa 1 km nördlich vom Bahnhof auf der Landstraße zwischen Magyarkanizsa und Adorján, auf dem nördlichen Ufer von Körös, bei dessen unteren Teil, der Sárga-árok genannt wird, zu finden. Bei der Ausgrabung von Dezső Csallány wurden 5 Gräber freigelegt. Die weiteren Ausgrabungen vom 2. 4. bis 21. 4. 1943 wurden durch das Antropologische Institut der Szegeder Universität unter der Führung der Praktikanten József Nemes und József Pálfy durchgeführt. Die Umstände, wie das Gräberfeld beim 5. Gehöft von Adorján zum Vorschein gekommen ist, sind unbekannt. Die Lage der beiden Gräberfelder zueinander ist auch nicht eindeutig. „Die zwei Gräberfelder waren in der Nähe, aber ich weiß nicht, ob sie 50-60 oder 100-200 m voneinander entfernt sind." — können wir im Brief von Dezső Csallány zu Lajos Batucz lesen. Bei der Analyse der verschiedenen Gegenstandtypen scheint es so, daß die Bestattungen auf dem freigelegten Gräberfeld in einem engen Zeitraum durchgeführt wurden. Zu den frühesten Bestattungen gehören die Adorján Straße 13. und das Grab 45. beim 5. Gehöft von Adorján. Die Funde dieser Gräber konnten ziemlich gut auf dise erste Hälfte des letzten Drittels des VII. Jahrhunderts datiert werden d.h., daß man mit den Bestattungen auf diesem Gräberfeld irgendwann in den 670-80-er Jahren begonnen hat. Die Ohringe mit Granulationsverzierung, dei zelligen Brustspangen und die Armbänder mit falscher Granulation gehören zu den Gegenständen aus der späteren Zeit. Sie stammen aus der Zeit zwischen 730-750. Es ist bemerkungswert, daß die Gräber nördlich vom Grab 33. immer besser in Linien ausgerichtet und ordentlicher werden. Die meisten Gräber beinhalten weibliche Skelette mit bikonischen Spinnwirteln, mit Ohringen mit Granulationsverzierung und Perlenanhänger und mit Nadelbehältern aus Knochen. Diese Funde sind aber schon für das VIII. Jahrhundert charakteristisch. Es kann trotzdem nicht behauptet werden, daß im nördlichen Teil des Gräberfeldes eindeutig spätawarische Gräber zu finden sind, denn — wie oben schon gezeigt wurde — die Gürtelbeschläge aus dem Grab 1. sind eher für das dritte Drittel des VII. Jahrhunderts charakteristisch. Es ist paradox, daß man direkt neben dem Grab 1. das Grab 4. findet, dessen Ohringe schon mehr für die erste Hälfte des VII. Jahrunderts charakteristisch sind. Die bisherigen Ausführungen können im Folgenden zusammengefaßt werden: - Das Gräberfeld wurde vom letzten Drittel des VII. Jahrhunderts bis zum Ende des ersten Drittels des VIII. Jahrhunderts benutzt. - Die früheren Gräber reihen sich organisch in die anderen Gräber des Gräberfeldes ein. Zum Schluß müssen noch die sarmatischen Gräber Adorján Straße 12. und 28. und das gepidische Grab Adorján Straße 15. erwähnt werden, um so mehr, da die Theorie über das Verbleiben der Sarmaten und Gépiden nach der awarischen Eroberung von Dezső Csallány mit diesen begründet wurde. Die Gräber Adorján Straße 2. 4. 12. 15. und 28 wurden von József Korek im Brief zu Lajos Bartucz — mit Bezugnahme auf sein früheres Manuskript — als germanisch bestimmt. Das auf Töpferscheibe angefertigte Gefäß aus dem Grab 12. hält er für sarmatisch: ähnliche Typen sind von zahlreichen Gräberfeldern in der Batschka bekannt. Über das Grab 28. schrieb József Korek folgendes: „Das Fußgefäß hat sarmatische Merkmale an sich und ist eine typische Form für das IV. Jahrhundert. Der hohle Spiegel hat einen sarmatischen Charakter, aber in der späteren Zeit ist er unbekannt. Die Bronzeschale mit eisernen Stacheln und die schwarze, geriffelte Perle sind mit Sicherheit gepidisch. Hier handelt es sich um das Verbleiben der Sarmaten nach der Eroberung durch die Awaren. Über die Gräber 2. 4. 15. schreibt er so: „Hier herrschen die gepidischen Merkmale mit etwas hunnischer Abtönung vor." Darica Dimitrijevic hat eine andere Meinung. Sie bestimmt die Gräber 4. 5. 15. 28. als germanisch — wahrscheinlich - gepidisch. Betrachtet man die Funde der erwähnten Gräber, dann wird man von den unterschiedlichen Meinungen der einzelnen Forscher nicht überrascht. Gegenüber der Bestimmung von Danica Dimitrejevic scheint eher József Korek recht zu haben. Das Gefäß aus dem Grab 12. (Abb.DC.t.7.) ist ohne Zweifel sarmatisch. Beim Grab 28. ist die sarmatische Herkunft nicht mehr so eindeutig (Abb.XIV.t.9-14.). Das Grab 15. ist germanisch oder sarmatisch aus der Hunnenzeit (Abb.XI.t.8-14.). 83