Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Walter Pohl: Historische Überlegungen zum awarisch-byzantinischen Austausch

Historische Überlegungen zum awarisch-byzantinischen Austausch WALTER POHL, WIEN Wenn es um frühmittelalterliche Handels - und Kulturbeziehungen in Mittel­und Osteuropa geht, hat der Historiker den Archäologen mehr zuzuhören als ihnen zu sagen. Die schriftlichen Quellen sprechen meist nur dann von Handelsbeziehun­gen, wenn sie zum Anlaß eines Konfliktes werden: Als ungefähr 563 awarische Gesandte in Konstantinopel Waffen kaufen, weist Kaiser Justinian seinen Befehlsha­ber an der Donau an, sie ihnen auf dem Heimweg wieder abzunehmen; zu leicht könnten sie sonst gegen die Römer gekehrt werden. (Menander EL 444; POHL 1988. 45.) Fränkische „neguciantes", Geschäftsleute, bei den Slawen im böhmisch-mähri­schen Raum lösen um 630 zweimal einen Krieg aus, in dem sich diese Slawen gegen Awaren wie Franken behaupten können; angeblich war ihr König Samo einst selbst in Geschäften zu ihnen gekommen. (Fredegar 4,48 und 4,68; POHL 1988,256ff.) Nach­dem Karl der Große das Awarenreich unterworfen und in Pannonién eine Phase der Instabilität ausgelöst hat, verbietet er im Diedenhofener Capitulare 805 die Ausfuhr von Waffen über die alte Ennsgrenze. (MGH Capitularia 1,271; POHL 1988, 323.) Was in Spannungszeiten Anstoß erregte, wird sonst nicht ungewöhnlich gewesen sein, könnte man aus diesen Berichten schließen. Ausmaß und Ablauf dieser Geschäfte, Waren und Routen erschienen unseren Quellen im allgemeinen nicht berichtenswert. (Ausführlicher Pohl 1988,195ff.) Wenn auch detaillierte Informationen fehlen, kann man versuchen, Bedeu­tung und Hintergrund der Handels - und Kulturbeziehungen am Beispiel der Awaren und Byzantiner zu erschließen. Das ist deswegen wichtig, weil der Handel zwischen dem Imperium und den Barbarenvölkern nicht einfach ökonomischen Spielregeln folgt. Er ist nur dann zu verstehen, wenn er innerhalb eines umfassen­den Austausches gesehen wird. Die Beziehungen zwischen Byzanz und den Awa­ren (oder anderen Barbarenreichen) umfassen einen komplexen und wider­sprüchlichen Austausch von Gütern, Symbolen, Dienstleistungen und Kenntnis­sen, der beiden Partnern nützt, aber auch beide bedroht. Grundlage dieses Austausches ist ein Instrument, das auf eine jahrhunderte­lange römische Tradition zurückgeht und seit dem 4. Jahrhundert perfektioniert wurde: das Foedus. Dadurch konnte ein ambivalentes Verhältnis in rechtliche Formen gebracht werden. Abgeltung für Militärdienste, Tributleistung an bedrohliche Gegner, gleichzeitig aber die Sicherung einer völkerrechtlichen Aner­kennung des römischen Kaisertums waren damit für das Imperium impliziert. Diese Ambivalenz brachte ständige Konflikte mit sich, schuf aber auch die Grund­lage für die universelle Anwendbarkeit des Systems. In der Zeit Justinians war das Zusammenleben des Römischen Reiches mit seinen - inneren wie äuße­91

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