Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit

Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit MAX MARTIN, MÜNCHEN Seit der Veröffentlichung der beiden (nur unvollständig freigelegten) Gräber­felder von Linz-Zizlau (LADENBAUER-OREL I960) 1 , an der Mündung der Traun in die Donau, und von Környe (SALAMON u. ERDÉLYI 1971) 2 in der Nähe der von Brigetio nach Aquincum und Intercisa führenden römischen Fern­straße, ist wiederholt auf die Vermischung von „westlichem", d. h. germanischem mit awarischem Fundgut an beiden Plätzen hingewiesen worden 3 . In beiden Fäl­len handelt es sich um eine Reihe von Verbindungen, nicht nur um eine punk­tuelle Verknüpfung, wie sie beispielsweise eine einzelne westliche Gürtelgarnitur innerhalb eines awarischen Friedhofs darstellt; deren Vorhandensein und Mit­gabe ins Grab kann auf individuelle Ursachen zurückgehen und gewissermaßen ein Einzelschicksal widerspiegeln. MEROWINGISCHE UND LANGOBARDISCHE MÄNNERGÜRTEL UND IHRE CHRONOLOGIE Zunächst einige Bemerkungen zum Stand der westlichen, merowingischen Chronologie, verbunden mit Hinweisen zum langobardischen Fundstoff in Ita­lien, für den wir den sicheren terminus post quem von 568 besitzen. Daß in diesem Jahr die Langobarden wirklich aus Pannonién ausgezogen und in Italien einge­wandert sind, ist uns historisch expressis verbis überliefert. Ob jedoch damals oder in den ersten Jahren nach 568 die Awaren als Volk und nicht nur politisch Panno­nién in Besitz nahmen und ob die eigentliche Landnahme in Transdanubien unmittelbar nach 568 erfolgte, ist historisch ebensowenig bezeugt wie beispiels­weise die Landnahme der Alamannen nach dem Fall des Limes in Süddeutsch­land. Sie muß hier wie dort mit archäologischen Mitteln untersucht und nach­gewiesen werden. Daß in beiden Fällen nur die Preisgabe, nicht auch eine (unmit­telbar darauffolgende) Inbesitznahme der betreffenden Gebiete schriftlich bezeugt ist, sollte m. E. stärker berücksichtigt werden. Die zeitliche Gliederung des merowingischen und des italischen Fundstoffs der Zeit zwischen 568 und 700 beruht weitgehend auf der Entwicklung der männli­chen Gürteltracht und den dafür vorhandenen Fixpunkten. CHRISTLEIN 1966, 19ff. 40ff. 83ff. unterschied für den genannten Zeitraum die Zeitschichten 1-4: In Zeitschicht 1, die in den Jahren um 570/80 endet, trugen die Männer, von den Franken im Westen bis zu den Langobarden und Gépiden im Donauraum, ein­fache Gürtelschnallen ohne Beschlagplatte; sofern diese nicht aus Bronze, son­dern aus Eisen bestanden, blieben sie - bei intensiver Korrosion - nicht selten 5 65

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