Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die awarischer Kultur - Péter Tomka: Die Frage der etnischen oder kulturellen Verwandtschaft bzw. interethnischer Wirkung im Spiegel der Begräbnissitten

Die Frage der ethnischen oder kulturellen Verwandtschaft bzw. interethnischer Wirkung im Spiegel der Begräbnissitten PÉTER TOMKA, GYŐR Hinter dem sehr allgemein gefassten und darum gewissermassen unklaren und rätselhaften Titel meines Vortrages versteckt sich die wahre Ungewissheit der Kompetenz der Brauchtumforschung. Der Problemkreis selbst ist ungeheuer breit und ich habe hier keine Zeit (und kein Lust) mich in eine unendliche Diskussion über solche Begriffe wie „Ethnos", „Kultuf ' usw. zu verwickeln. Ehrlich gesagt, am Anfang meiner Arbeit wusste ich noch nicht, wie weit ich in die Theorie der Begräbnissitten eindringen würde. Es hat sich nur im Laufe der Zeit herauskristal­lisiert, dass der Vortrag ein einziges Thema umgehen wird: die sog. „zweite Welle" der awarenzeitlichen Wanderungen, also die hypothetische „Onoguren-Einwan­derung", das heisst Existenz, möglicher Ursprung und Verwandtschaft, Umge­bung und weiteres Schicksal dieser mittelawarenzeitlichen Bevölkerung. Die ver­einfachte theoretische Fragestellung lautet also: können die Untersuchungen der Begräbisbräuche zur Lösung solcher Probleme genug Munition liefern? Kann man oder darf man, solche Fragen mit dem Vergleich der Begräbnissitten zu beantworten versuchen? Vor der direkten Betrachtung der Daten müssen wir einige methodologische Voraussetzungen klären. Ich muss schon jetzt vorausschicken, dass ich hier die Ethnonyme wie „Awa­ren", „Onoguren" oder „Bulgaren" als allgemein anerkannte termini technici für die Unterscheidung der frühawarenzeitlichen und der angenommenen mittelawaren­zeitlichen östlichen Einwanderer benütze, also ich beschäftige mich nicht mit der Selbst- oder Fremdbenennung dieser Völkerschaften und gar nicht mit ihrer Sprache. Was die Begräbnisgebräuche in allgemein anbelangt, so ist es ein ethnologi­sches Grundproblem, dass diese Gebräuche einerseits tiefeingewurzelte Traditio­nen tragen, andererseits sich aber ständig verändern. Die Änderungen können infolge der inneren Entwicklung schrittweise stattfinden, können sich aber unter äusseren Einwirkungen manchmal nur um Details, manchmal aber grundsätzlich vollziehen. Wohlbekannt ist, dass dieselben Germanenstämme Brandbestattung, Reihengräbersitte und christliche Begräbnisse nacheinander geübt haben, ohne ihre „ethnische" Prägung aufzugeben. Und auch das nicht gleichzeitig: in einigen Gebieten waren noch Brandbestattungen in Gebrauch, während man in anderen schon längst auf die Leichenbestattung übergegangen ist. Verschiedene Formen der Begräbnisse dürfen in einer und derselben Bevölkerung praktiziert werden, z.B. gewisse römische Familien benützten auch dann die Körperbestattung, wenn die allgemeine Sitte die Verbrennung der Toten war. Die Veränderung der Umge­bung verursachte, dass die Bajuwaren sowie auch die Angeln und Sachsen in Bri­163

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