Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die awarischer Kultur - Falko Daim: Das Gräberfeld von Zillingtal. Die Grabungen 1985–89
Objekten kaum Erfahrung hat. Die Ausrichtung des Grabes D 3 unterscheidet sich auffallend von der Masse der übrigen Gräber. Während die Skelettgräber im wesentlichen NNW-SSO-orientiert sind, was der Streichrichtung des Hanges entspricht, ist das Grab D 3 etwa in NW-SO-Richtung angelegt. Die anderen datierten Gräber bestätigen mit wenigen Ausnahmen diesen Befund: Grab D 47 enthielt neben einer Gürtelgarnitur aus dünnen, bleihinterfutterten Beschlägen (?), ähnlich denen aus Grab D 3, von denen nur die bronzenen Klammern erhalten werden konnten, und einer Hauptriemenzunge aus Bronzeblech ebenfals ein einschneidiges Schwert, allerdings ohne Hängebeschläge. Das Frauengrab D 41 erbrachte rekonstruierbare Fragmente eines Diadems aus sorgfältig gepreßten Bronzeblechteilen und ein Gehänge aus Bronzegliedern, an denen zumindest ein SieblöfFel, offenbar aber auch die danebenliegende Pinzette, ein Spatel, eine bronzene Nadelbüchse und ein weiterer Löffel montiert war. Das Grab läßt sich mit dem Grab 1 von Münchendorf verbinden, das ebenfalls zweifelsfrei in der Frühawarenzeit angelegt worden war (Bachner 1985). Zu den frühawarischen Sieblöffeln äußerte sich zuletzt Max Martin (1984). Sieblöffelchen treten seit der späten römischen Kaiserzeit häufiger auf und wurden zum Abschöpfen von gewürztem Wein verwendet. Im Fall der frühawarischen Sieblöffelchen lebt also eine antike Tradition nach, wobei zu diskutieren sein wird, auf welche Weise sie zu den Awaren gelangte. Zwei weitere Frauengräber gehören ebenfalls einer ersten Belegungsschicht des Areales an. Beide weisen eine NW-SO-Orientierung auf und sind partiell von späteren Gräbern überlagert worden. Das Grab D 15 enthielt das Skelett einer Frau mit einem Ungeborenen im Beckenbereich, allerdings ohne aussagekräftige Beigaben. Die Frau in Grab D 70 trug unter anderem eine Kette aus doppelkonischen bunten Perlen und zwei eiserne Armreifen. Von den zwei Gefäßen im Fußbereich stellt die handgeformte, rot gebrannte Kanne mit rundstabigen Henkel ein Unikat in unserem Raum dar und findet allenfalls entfernte Parallelen im langobardischen Fundmaterial. Wir können also annehmen, daß in Zillingtal ein ähnliches Phänomen faßbar ist, wie in Leobersdorf: In der Frühawarenzeit wurde das Gebiet locker belegt. Wohl zu Beginn der Mittelawarenzeit ging man dazu über, die Gräber eng nebeneinander anzulegen und änderte die Orientierung, wenn auch in entgegengesetzter Richtung als in Leobersdorf (Daim 1987). Zu den interessantesten Bestattungen der mittelawarischen Belegungsphase zählt das Grab D 48. Es enthielt die sterblichen Überreste einer jungen Frau (Grefen-Peters 1985/86). Am Kopf trug sie wohl ein Stirnband oder eine Haube, die mit einem punktverzierten Bronzeblechstreifen benäht war. Ihre zwei silbernen Blechbommelohrringe mit blauen Glasaugen gehören zu den schöneren Exemplaren in unserem Raum. Im Hals- und Brustbereich fand sich eine lange Halskette aus kleinen gelben und schwarzen Perlen sowie zwei halbmondförmige Blechanhänger mit je einem bärtigen Gesicht und zwei Vogelköpfen (?) als Dekoration. Zwei weitere derartige Anhänger wurden beim Beckenausgang gefunden, sowie eine handbreit davon entfernt ein nahezu quadratischer Anhänger aus zwei aneinandergefügten gleichartigen Bronzepreßblechen, die mit je einem gut erkennbaren Greifen versehen sind. Die am oberen Rand durch das Bild des einen Blechs und durch die am linken (!) Rand des zweiten geführte Öse zeigt, daß die Bleche hier eine zweite Verwendung gefunden haben; es handelt sich wohl 157