Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 14. (Szekszárd, 1988)
97 wiederum die öftere Düngung der Felder in jedem dritten Jahr möglich. So haben sich der Ackerbau und die Tierzucht einander gegenseitig fordernd entwickelt. Das Ergebnis 150 Jahre fleissiger Arbeit war ansehnlich: Die Neubauern fassten in Ungarn Fuss, sie machten das öde Land urbar, entfalteten eine entwickelte Landwirtschaft und bildeten eine breite Schicht fleissiger Handwerker heraus. Sie fanden eine neue Heimat, der sie jahrhundertelang zugetan waren. Die, während der Revolution 1848 begonnene bürgerliche Umwälzung wurde mit dem Ausgleich von 1867 abgeschlossen. Es bildete sich eine neue konstitutionelle Staatseinrichtung heraus, und aus dem Reich der Habsburger wurde ein dualistischer Staat. Die Aufhebung der feudalen Überreste hatte für die Gemeinde Szakadat keine besondere Bedeutung. Ihren, während der Besitzregelung verlorenen Boden konnten die Bauern 1878 zurückkaufen. Für 170 Joch Acker, 223 Joch Hutweide zahlten sie 45 000 Ft. Die Summe streckte die Kreditanstalt der Kleingrundbesitzer vor. Den gekauften Boden teilten sie in 108 Teile, damitjeder Eigentümer in jeder Flur ein Stück Feld bekomme. Die Kleinhäusler erhielten ihren Anteil abgesondert. Die Bauern durften zweimal so grosses Terrain kaufen. Sie rissen die frühere Hutweide auf und wandelten sie in Acker und Weingärten um. Der Ankauf des Herrengutes änderte die Besitzstruktur in der Gemeinde nicht, da die mittellosen Leute nichts erwarben. Nach der Erwerbung des Gutes, gab es keine Möglichkeit mehr die territoriale Expansion fortzusetzen. So vermochten die Bauern den Ertrag der Landwirtschaft nur durch die Steigerung der Produktivität zu erhöhen. Zwischen 1874-1884 minderte man um 1/3 die Hutweide, zugunsten des Ackers und der Weingärten. Wegen der Brache der Hutweide tat die Steigerung der Futterpflanzenproduktion not. Im Pflanzenbau wuchs die Bedeutung der arbeitsintensiven Hackfrüchte und des Weinbaus, der Tabakbau wurde aber völlig eingestellt. Die ausgebliebenen Einkünfte ersetzte der Weinbau, der im Jahre 1888 mit 115 Joch seinen Höhepunkt erreichte. Von der Phylloxere wurde aber bis 1895 die Hälfte der Weingärten ausgerottet. Einen Teil baute man wieder an, aber das frühere Ausmass erreichte der Weinbau nie mehr. Die grundsätzliche Umwandlung in der Bauernwirtschaft führte die Entwicklung der Viehzucht herbei. Den Schwerpunkt bildete die Rinderzucht. Die Rinder wurden statt Pferde als Zugtiere angewandt. Um die Jahrhundertwende vollzog sich eine Änderung der gezüchteten Rasse: An Stelle der ungarischen treten Rinder westlicher Herkunft auf. In der Verbreitung der arbeitsintensiven Methoden spielte der Zuwachs der Bevölkerungsanzahl eine wichtige Rolle. Um die Jahrhundertwende lebten 1129 Menschen im Dorf. Das hatte aber auch die Zerkleinerung der bäuerlichen Grundbesitze zur Folge. Diesen Prozess konnte nicht einmal das Erbrecht der Schwaben aufhalten. Im allgemeinen erbte nur eins von den Geschwistern das väterlichte Gut, die anderen bekamen ihren Erbteil in Bargeld. Das trug zur Verschuldung der Bauern bei. Wurden die Lasten unerträglich, sah sich der Bauer gezwungen, einen Teil des geerbten Besitzes zu entäussern. Eine günstigere Form für den Erben war, als die anderen Geschwister als Abfertigung nur etwas Weingarten, eventuell ein Kuhkalb bekamen. Trotzdem nahm die Zahl der Kleingrundbesitzer zwischen 1884-1912 um 99 Personen zu. Auf der anderen Seite bildete sich eine Schicht von Grossbauern. Die Familien Kaufmann, Müller und Gänsler hatten 50-80 Joch Feld zu eigen. 483